Vom Putztrupp zur Imagegestaltung
20.07.2009 | 07:30 Uhr 2009-07-20T07:30:00+0200Essen. Reputationsmanagement ist eine wachsende Internet-Branche. Von der reinen Kontrolle bewegen sich die Angebote hin zur aktiven Gestaltung des persönlichen Profils im Netz. Unternehmen wie MyImageControl.de zielen darüberhinaus auch auf Eltern, die ihre Kinder vor Mobbing schützen wollen.
Das Internet vergisst nichts – die Floskel wird spätestens dann relevant, wenn der Schulabgänger im Bewerbungsgespräch die bittere Erfahrung macht, dass auch Personalmanager die Google-Suche beherrschen. Im Netz finden sich all die Spuren wieder, die Mensch im Laufe der Jahre freiwillig oder unfreiwillig hinterlassen hat: Das Partybild mit den alkoholbedingt entgleisten Gesichtszügen. Die Fäkalsprache im Forenbeitrag oder das hübsche Bild vom Tattoo an einer Stelle, die im Alltag eher verborgen bleiben. Es sind dies die Spuren, von denen man sich in diesem Augenblick wünscht, sie nie hinterlassen zu haben.
Das Image selbst gestalten
Eine wachsende Branche macht sich diesen Wunsch zunutze und bietet als Serviceleistung den digitalen Putzdienst an: Firmen wie „Deinguterruf.de etwa durchforsten im Auftrag ihrer Kunden das Internet nach verfänglichem Material und versuchen, die unliebsamen Hinterlassenschaften im weltweiten Netz zu entsorgen. Solche Reputationsmanager sorgen für eine einigermaßen weiße Online-Weste, wenn es drauf ankommt. Die Branche wächst – denn mittlerweile stößt eine Generation ins Berufsleben, für die die Selbstdarstellung in Social-Networks etwa zum Alltag gehörte. Über die Jahre haben viele dieser Menschen schlicht den Überblick verloren, was über sie im Netz zu finden ist. Gleichzeitig wird das Profil im Netz immer wichtiger: Dieser Umstand ist die Geschäftsidee einer Firma, die am 22. Juli an den Start geht: MyImageControl.com versteht sich nicht nur als Putztrupp, sondern bietet auch den „professionellen Aufbau eines positiven Images im Internet an“, erklärt Susanne Krian, Geschäftsführerin des Hamburger Unternehmens. „Mein Image in meiner Hand“, lautet folgerichtig der Slogan des Startups. Denn, so Krian: Fast so schlimm, wie negativ wirkende Spuren im Netz ist etwa für selbständige Unternehmer und Freiberufler wie Ärzte, Architekten und Anwälte, wenn sie im Netz gar nicht stattfinden. „Wir helfen unseren Kunden, die Kontrolle über ihr Profil im Internet wiederzugewinnen“ – oder eben gleich selbst zu kreieren.
Recherchieren, aufräumen, aufbauen
Der Aufräumdienst des neuen Reputationsmanagers koppelt mehrere Suchmaschinenelemente für eine sogenannte Tiefenrecherche im Netz. Das ist Stufe eins des Angebotes: Dabei wird das bestehende Image weit über die übliche Suche hinaus überprüft, Fundorte lokalisiert und auf mögliche Fallstricke verwiesen. Stufe zwei des Serviceangebotes beinhaltet dann bereits den Löschungsversich unliebsamerSpuren: Die Verantwortlichen einer Web-Seite werden mehrfach aufgefordert die betreffenden Inhalte zu entfernen. Stufe drei umfasst dann die Erstellung eines gewünschten Profils im Internet: Dazu wird eine eigene Webadresse mit dem Namen des Kunden kreiert und auf dessen Wunsch gestaltet – zumeist mit einem professionell erstellten Lebenslauf – mit Links zu Quellen im Netz, die geeignet sind, ein positives Image der Kunden zu fördern. Hinzu kommt noch ein regelmäßiger Report, wer diese Seite aufgesucht hat. Um solche Dienste in Anspruch zu nehmen, sind zwischen 10 und 20 Euro monatlich zu berappen.
Einsatz gegen Cyber-Mobbing
In der Netzwelt werden solche Ansätze durchaus zwiespältig diskutiert, haftet diesem Service zum Teil der Ruch der Manipulation an. Andererseits wächst die Zahl der Menschen, die es sich schlicht nicht leisten können, dass in der unendlichen Öffentlichkeit des Internets Fotos oder Texte vergraben sind, die den Ruf innerhalb kurzer Zeit ruinieren können. Beispiele dafür gibt es weltweit genügend – ein Fotohandy etwa ist im Zweifel heute immer in der Nähe, das allzu Privates oder Peinlichkeiten dokumentiert. Es gibt darüber hinaus einen weiteren Aspekt, der die Bedeutung der Reputationsmanager wachsen lässt: Cyber-Mobbing. So hat eine Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ergeben, dass mittlerweile bereits jeder zehnte Grundschüler und jeder vierte Gymnasiast bereits Opfer von Schmähkampagnen im Netz waren – das reicht von der üblen Nachrede bis hin zur sexuellen Diffamierung. Die Folgen des Mobbings sind für die Opfer mitunter verheerend. In Großbritannien und den USA gab es bereits mehrere Suizide von Schülern, die von der Hetze im Netz psychisch zermürbt waren. Daher glaubt MyImageControl-Geschäftsführerin Susanne Krian auch, dass ihr Service nicht nur Berufseinsteigern und Freiberuflern von Nutzen sein kann, sondern auch Eltern, die im Auge behalten wollen, was über ihre Sprösslinge im Netz berichtet wird – um notfalls ordnend einschreiten zu können. Früh übt sich, was ein ordentliches Image werden soll.
06:51
Man Andreas Fettig,
laber einem doch nicht die Nerven voll:
nimm zb. Akronis...