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US-Geheimdienst schnüffelt bei Google, Apple und Facebook

07.06.2013 | 08:17 Uhr
US-Geheimdienst schnüffelt bei Google, Apple und Facebook
Der US-Geheimdienst greift auf Server der Internetriesen zu.Foto: Reuters

Washington.  Mit dem Versprechen von mehr Transparenz ist Obama 2009 ins Weiße Haus eingezogen. Jetzt häufen sich Berichte, nach denen die Regierung ihre eigenen Bürger massiv ausspioniert. Sie soll sogar in den Rechnern von Internet-Firmen herumschnüffeln.

Der US-Geheimdienst hat einer Zeitung zufolge direkten Zugang zu den Computersystemen von neun der führenden Internet-Konzerne des Landes und greift darüber massenweise auf E-Mails, Fotos, Videos, Dokumente und Audio-Dateien zu. Wie die "Washington Post" am Donnerstag berichtete, arbeiten die Unternehmen Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, AOL, Skype, YouTube und Apple wissentlich als Teil des "PRISM"-Programms mit dem Nachrichtendienst NSA und der Bundespolizei FBI zusammen. In ersten Stellungnahmen wiesen mehrere der Konzerne den Vorwurf zurück, direkten Zugang zu ihren Servern zu gewähren.

Der "Washington Post" liegen nach eigenen Angaben Dokumente und PowerPoint-Vorlagen zu dem bislang streng geheimen Programm vor. Diese seien der Zeitung von einem Geheimdienstmitarbeiter zugespielt worden, der über die nach seiner Sicht grobe Verletzung der Privatsphäre der Nutzer entsetzt gewesen sei. "Die können im wahrsten Sinne des Wortes sehen, wie Sie beim Tippen Ihre Gedanken ausformulieren", wurde der Insider zitiert. Wer als Kongress-Abgeordneter von dem Programm wisse, unterliege einer Schweigepflicht.

George W. Bush rief PRISM ins Leben

In US-Kreisen wurde die Existenz des Programms bestätigt. Ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, erfasst würden nur die Daten von Nicht-US-Bürgern, die außerhalb des Landes lebten. Der Kongress habe das Programm jüngst "nach ausführlichen Anhörungen und Debatten" verlängert.

Der Zeitung zufolge wurde PRISM (dt. "Prisma") 2007 unter Präsident George W. Bush ins Leben gerufen und von dessen Nachfolger Barack Obama ausgebaut. In den vergangenen sechs Jahren sei die Nutzung exponentiell gewachsen und inzwischen die Grundlage für jeden siebten Geheimdienstbericht. "Die Berichte der NSA stützen sich zunehmend auf PRISM", zitierte die Zeitung aus den Unterlagen. Der Zugang zu den Servern stelle heute die umfangreichste Quelle für die täglichen Berichte des Präsidenten dar. Diese hätten im vergangenen Jahr in 1477 Einträgen PRISM-Erkenntnisse zitiert.

Sammlung von Telefon-Verbindungsdaten durch die US-Geheimdienste

Datenschutz
US-Sicherheitsbehörde darf offenbar Telefondaten sammeln

Ein geheimes Gerichtsurteil erlaubt US-Sicherheitsbehörden laut der britischen Zeitung "The Guardian", wahllos Telefondaten von Telekommunikationsfirmen anzufordern. Der Handynetzbetreiber Verizon müsse der National Security Agency bereits täglich Informationen über Telefongespräche übermitteln.

Microsoft nahm 2007 als erster sogenannter "Partner im Privatsektor" am Programm teil, hieß es weiter. Apple verweigerte demnach fünf Jahre lang die Mitarbeit, bevor der Konzern auch beigetreten sei. Zwar sei PalTalk ein deutlich kleinerer Dienst als die anderen. Er sei jedoch während des Arabischen Frühlings und des Bürgerkriegs in Syrien rege genutzt worden. Der Online-Speicherdienst DropBox solle "in Kürze" dazustoßen. Twitter war auf der Liste nicht vertreten.

Eine Stellungnahme der US-Regierung lag zunächst nicht vor. In ersten Reaktionen erklärten Microsoft, Google, Apple, Facebook und Yahoo, man gewähre keiner offiziellen Stelle einen direkten Zugang zu seinen Servern. Google teilte mit, der Regierung sei nie "eine Hintertür" geöffnet worden. Microsoft erklärte, man leiste nur Anweisungen folge, die sich auf "spezifische Nutzer oder identifizierende Merkmale" bezögen. "Wir haben noch nie von PRISM gehört", sagte ein Apple-Sprecher. Wenn eine Regierungsstelle Zugang zu Nutzerdaten erhalten wolle, müsse sie eine richterliche Anordnung vorlegen. Auf die direkte Frage, ob man am NSA-FBI-Programm teilnehme, lehnte Apple eine weitergehende Stellungnahme ab.

Der Bericht über das PRISM-Programm wurde nur Stunden nach der Enthüllung einer großangelegten Sammlung von Telefon-Verbindungsdaten durch die US-Geheimdienste veröffentlicht. Obama stand schon vorher in der Kritik, weil sich seine Regierung heimlich Telefon-Daten von Journalisten der Nachrichtenagentur AP und zu E-Mails eines Fox-Fernsehreporters verschaffte. (Reuters/dpa)



Kommentare
09.06.2013
16:37
US-Geheimdienst schnüffelt bei Google, Apple und Facebook
von akaz | #4

Wieso schnüffeln? Die Daten werden mit absoluter Sicherheit übermittelt. Da brauchen die Amis keine Computersoftware, die heimlich ohne Wissen die Daten ausspäht. Mit Global-Hawk werden auch gleich die Gespräche mitgeschnitten.
Der 2. Fehler in der Überschrift ist, "US-Geheimdienst .....", nicht nur der US-Geheimdienst. Alle "schnüffeln", was das Zeug hergibt, oder lassen schnüffeln. Selbst Verschlüsselungsprogrammen würde ich nicht trauen. Softwarefirmen, die sich nicht unbeliebt machten wollen und keine Hintertürchen einbauen, gibt es nicht. Vielleicht sind offene Programme, also Linux, da etwas vorsichtiger, weil der Quellcode schneller kontrolliert werden kann. Auch ist das Einschleusen von Trojanern schwieriger. Nur sicher kann man nicht sein.
Wer übrigens immer Mails verschlüsselt, macht ist schon vom Ansatz her verdächtig.

08.06.2013
09:38
US-Geheimdienst schnüffelt bei Google, Apple und Facebook
von feierabend | #3

wen verwundert das? Die Menschen tragen ihre Herzen eben gerne offen zur Schau - sich in Szene setzen ist in - warum sollten das nicht auch amerikanische Geheimdienste tun? Obwohl: sie sind ein wenig unmodern geworden - nach wikileaks, internet und google, nach facebook und twitter fast albern. Bin Laden ist tot, es lebe die bürgerliche Freiheit - wenn es Geheimdienste nicht tun können - wen interessiert das? Gustave le Bon bezeichnete die Bürger der Nationen als Massen - nun, es ist die Rache der Entrechteten, Geknechteten, der Aufstand der Nationen der das Gegenteil beweist: das Urteil der Massen bestimmt die Einzelnen - und: Massen sind nicht homogen, sie können differenzieren und sich ein eigenes Urteil bilden, sie sind intelligent, willensstark, mit eigenen Persönlichkeiten ausgestattet. Regierung und Militär sollten stolz sein auf soviel sozialer Gerechtigkeit, freier Meinungsbildung, Transparenz, Toleranz - wenn oft genug auch nur im Netz!

07.06.2013
15:04
US-Geheimdienst schnüffelt bei Google, Apple und Facebook
von Petra_N | #2

Ist die Welt dadurch sicherer geworden? Nein. Jeder kleine Hacker weiß doch, wie er sich vor solchen Spielereien absichern kann.
Die Frage ist, wie wird die Welt damit umgehen? Kann man ein solches System austrocknen? Wohl kaum. Die Protagonisten sind von ihrer Arbeit mehr als überzeugt!
Also kann man ein solches System nur fluten.
Wenn jeder zweite in seinen Mailabspann Worte wie: Bombe, Terror, Al Kaida, Anschlag u.s.w. setzt, ändert sich zwar nichts an der Datensammlung. Spätestens bei der Auswertung wird dem Einen oder Anderen auffallen, dass das System geflutet wird.

Übrigens, die jetzt bekannt gewordene Aktion ist nur ein Stich in den Ameisenhaufen.
Die Überwachung läuft bereits viel länger und die Technologie dahinter ist schon beeindruckend (Menwith hill). Die Amis haben in den 50er untersucht, ob der Faschismus typisch Deutsch war. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solches System überall auf der Welt entstehen kann. Willkommen in der Realität!

07.06.2013
08:36
Die Regierung (und viele andere) sollte den Terroristen danken,
von vantast | #1

ohne sie hätte sie diese Machtzunahme nicht bekommen. Die Terroristen haben gesiegt, zumindest auf dem so wichtigen Gebiet "Demokratie". Mit diesem leichten Erfolg hatten sie wohl nicht gerechnet. Sie haben aus einem selbstbewußten Staat einen paranoiden, ängstlichen Bettnässer gemacht.

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