Sonderprüfung sieht Millionen-Schaden bei Mülheimer Easy Software AG
07.03.2013 | 19:08 Uhr 2013-03-07T19:08:00+0100
Mülheim. Die von Aktionärsvertretern erzwungene Sonderprüfung für die Easy Software AG bringt keine guten Zahlen ans Licht. Laut Bericht ist der AG durch Geschäfte mit sogenannten nahestehenden Dritten ein Schaden von mehr als 2,5 Millionen Euro entstanden. Nun soll geprüft werden, ob Schadensersatzansprüche erhoben werden müssen.
Der Easy Software AG steht im Mai erneut eine turbulente Hauptversammlung ins Haus. Die von den Aktionärsvertretern zuletzt erzwungene Sonderprüfung , die die Geschäfte der AG mit ihr nahestehenden Personen seit 2002 zu beleuchten hatte, stellt nun fest: Dem Unternehmen ist durch solche Geschäfte ein finanzieller Nachteil in Millionenhöhe entstanden. Nutznießer dessen sollen unter anderem Unternehmen aus der undurchsichtigen Firmengruppe des Aufsichtsratsvorsitzenden und Hauptaktionärs Manfred A. Wagner sein. Überdies zählt die unabhängige Sonderprüferin wohl auch einen Ex-Vorstand, der vor dem Essener Landgericht wegen Untreue angeklagt ist, zu den Gewinnlern.
Wie berichtet, hatte die Hauptversammlung des Mülheimer IT-Konzerns (Sitz am Hauptbahnhof) mit großer Mehrheit eine scharfe Waffe des Aktienrechts zum Einsatz gebracht, weil das Misstrauen der Aktionäre gegenüber Wagner und Co. offensichtlich sehr groß ist. So sollte eine Sonderprüfung alle Geschäftsbeziehungen der AG zu ihr nahe stehenden Dritten, insbesondere zu Wagner-Firmen, unter die Lupe nehmen. Des Weiteren ist ein „Besonderer Vertreter“ eingesetzt. Er verdrängt in seinen Befugnissen Aufsichtsrat und Vorstand.
Sonderprüferin legt 80-seitigen Bericht vor
Wirtschaftsprüferin Rosemarie Helwig hat nun einen gut 80-seitigen Bericht zu ihrer Sonderprüfung vorgelegt. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Easy Software AG durch Geschäfte mit ihr nahestehenden Dritten ein finanzieller Nachteil von weit mehr als 2 Mio. Euro entstanden sei. Laut ad-hoc-Veröffentlichung der AG soll nun geprüft werden, „ob sich aus den vorgelegten Feststellungen Pflichtverletzungen von Organen und Schadenersatzansprüche gegen Dritte ergeben“. Das ist nun Aufgabe des „Besonderen Vertreters“. Der Easy-Vorstand kündigte am 20. Februar eine Stellungnahme zum Bericht der Sonderprüfung an, bislang ist diese aber nicht veröffentlicht. Bei der Hauptversammlung am 23. Mai in der Stadthalle soll es eine ausführliche Berichterstattung über die Sonderprüfung geben.
Die Sonderprüferin hat für 2002 bis August 2012 neun Geschäftsbeziehungen von Easy mit nahe stehenden Personen ausgemacht, bei denen die AG finanzielle Nachteile erlitten haben soll. Dabei gehe es etwa um eingelöste Kreditbürgschaften, Darlehensvergaben zu vergünstigten Zinsen, die Übernahme von Kosten für Fremdfirmen oder fehlerhafte Leistungsabrechnungen, aber etwa auch um eine „unübliche Abwicklung“ bei der 0,9 Mio. Euro teuren Anmietung einer VIP-Loge „auf Schalke“.
Mülheimer Easy Software entstand über 2,5 Millionen Euro Schaden
Die Sonderprüfung kommt zu dem Ergebnis, dass der Easy Software AG durch Geschäfte mit ihr nahe stehenden Personen bzw. deren Firmen seit 2002 ein finanzieller Nachteil von 2,558 Mio. Euro entstanden ist. Der Bericht betont allerdings, dass der Schaden möglicherweise noch höher ist. So seien etwa die Leistungsbeziehungen zur Baumann Technologie GmbH, bei der Wagner Geschäftsführer ist, nur unzureichend dokumentiert.
Die Sonderprüfung bei der Easy Software AG hat für die Vergangenheit zahlreiche Geschäfte mit nahe stehenden Dritten ausgemacht, die der Mülheimer Aktiengesellschaft einen millionenschweren Nachteil gebracht haben sollen. Der WAZ liegt der Bericht der Sonderprüfung durch Wirtschaftsprüferin Rosemarie Helwig vor. Sie sieht Mängel in neun Geschäften, drei davon seien im Folgenden dokumentiert.
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14:02
Was waren das noch für Zeiten, als der Stadtrat diese Firma bejubelte und ihr Puderzucker in den Allerwertesten blies!
00:42
- der wahnsinnigen Aktienblase um das Jahr 2000, als alles, was mit "dot com" endete mit Millionen seitens der Börsianer und der Banken zugeschüttet wurde. Von dem "Heissluft" - Gewinn an der Börse konnte Easy damals das zweite Hochhaus an den Bahnhof setzen. Schon immer stand die Frage im Raum, wie man nach Platzen der Aktienblase weiterleben könne. Es verblüfft, dass das Überleben bis heute währte. Wenn man allerdings Artikel wie den obigen liest, erklärt sich manche Ungereimtheit schon eher. Da dürfte wohl viel an kreativer Finanzenergie freigesetzt worden sein. Es verwundert, dass noch kein Staatsanwalt auf dem Plan ist.