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Schwarz macht PDF-Schrift nicht unsichtbar

20.02.2009 | 08:07 Uhr
Schwarz macht PDF-Schrift nicht unsichtbar

Frankfurt/Main. Es war ein einfacher Fehler bei der Formatierung eines PDF-Dokuments, durch den brisante Zahlen des Online-Netzwerks Facebook an die Öffentlichkeit kamen. Reporter waren an die elektronische Form eines Gerichtsdokuments gelangt und konnten geschwärzte Passagen wieder sichtbar machen.

Es war ein einfacher Fehler bei der Formatierung eines PDF-Dokuments, durch den die brisanten Zahlen an die Öffentlichkeit kamen. Das Online-Netzwerk Facebook (Bild oben: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg) schätzt den Wert des eigenen Unternehmens viel niedriger ein, als allgemein nach dem Einstieg von Microsoft im Oktober 2007 angenommen wurde. Die Angaben von Facebook waren in einem Gerichtsdokument enthalten, in dem die wichtigen Passagen geschwärzt waren - aber eben nicht richtig. «Die Schwärzung wurde völlig falsch durchgeführt», erklärt Peter Körner, Manager beim PDF-Spezialisten Adobe Systems.

Reporter der Nachrichtenagentur AP waren an die elektronische Form des Gerichtsdokuments gelangt und konnten die geschwärzten Passagen durch ein einfaches Copy-und-Paste wieder sichtbar machen. Im Internet wurden danach Scherze über diesen «Hack» gemacht. Nur die Betroffenen können darüber vermutlich nicht lachen.

Es gebe «eine ganz banale Ursache», es sei ein Fehler, der auch früher schon passiert sei, sagt Körner. Die geschwärzte Stelle sei «nur optisch nicht sichtbar» gewesen. Das passiere, wenn über einen Text schwarze Balken gelegt oder der Hintergrund auf Schwarz umgestellt werde, so dass es einen schwarzen Text auf schwarzem Hintergrund gebe. Der sei dann zwar nicht zu lesen, aber eben nicht völlig verschwunden.

Zu den Eigenschaften von PDF gehöre es, dass alle Angaben zum Text, die sogenannten Attribute, im Dokument gespeichert werden, erklärt Körner. Wenn nun der «unsichtbare Text» markiert und in ein leeres Dokument kopiert werde, das dieses Attribute (zum Beispiel schwarzer Hintergrund) nicht enthalte, dann werde der Text eben wieder sichtbar.

Richtiges Schwärzen ist nicht so einfach

Ein Grund für den Fehler liegt wohl darin, dass PDF-Dokumente inzwischen leicht und per Mausklick herzustellen sind. Das erledigen zahlreiche, auch kostenlose Programme. Nur Schwärzen und das Sicher von Dokumenten gegen unbefugten Zugriff geht damit nicht so einfach. Körner verweist darauf, dass die US-Sicherheitsbehörde NSA im Internet eine lange Anleitung zum richtigen Schwärzen von Dokumententeilen veröffentlicht habe.

Wer mehr von PDF wolle als die «Papieransicht», komme um ein kommerzielles Vollprogramm nicht herum, sagt Körner. Dieses automatisierte auch die Schritte, die für eine Schwärzung notwendig seien. Und nur mit einem solchen Programm ließen sich ein umfangreicher Schutz und ein Rechtemanagement auf Dokumentenebene verwirklichen, wie er zum Beispiel beim Austausch von Geschäftsdokumenten oder Konstruktionsplänen wichtig sei.

Eine «Schwärzungsfunktion, die das richtig und gründlich erledigt», gehöre seit der Version 8 bei Adobe Acrobat zu den Standardfunktionen, sagt Körner. In diesem Fall, erklärt er mit Blick auf Facebook, hätten es sich wohl gelohnt, ein paar hundert Euro für ein Vollprogramm auszugeben. Bei Facebook und der Frage, wie viel das Unternehmen wert sei, ging es um Milliarden.

Spekulationen über den Firmenwert

Nach der Microsoft-Investition hieß es, der Marktwert des Netzwerks liege bei rund 15 Milliarden Dollar. Facebook selbst ging im Juni vergangenen Jahres aber nur von 3,7 Milliarden Dollar aus. Das ist gerademal ein Viertel des zuvor geschätzten Wertes. Inzwischen dürfte der Wert durch die Rezession noch niedriger liegen.

Der Wert eines Unternehmens ist wie im Fall von Facebook auch für die Verteilung von Aktien-Optionen an Mitarbeiter und aus steuerlichen Gründen wichtig. Bei dem Gerichtsdokument ging es zudem um ein Verfahren, in dem um Schadenersatz gestritten wurde. Drei ehemalige Klassenkameraden warfen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor, die Idee von einem anderen Netzwerk, ConnectU, gestohlen zu haben. Ihre Forderungen beruhten noch auf der Annahme, dass Facebook so viel wert sei wie nach der Microsoft-Investition vermutet.

Einer Einigung, die auf der viel niedrigeren Schätzung von Facebook selbst beruhte, wollten die Kläger zuerst nicht akzeptieren. Richter James Ware setzte sie dennoch in Kraft. Der Widerstand von ConnectU ließ aber schon Spekulationen über den tatsächlichen Wert von Facebook aufkommen. Das Unternehmen hatte zuvor mit allen Mitteln versucht, eine Veröffentlichung der eigenen Schätzungen, die als Betriebsgeheimnis eingestuft wurden, zu verhindern.

Info: PDF-Format

PDF, das «Portable Document Format», ist ein digitales Format für Dokumente aller Art. Die kalifornische Software-Firma Adobe hat PDF 1993 als Technik für die sogenannte Druckvorstufe entwickelt, als digitales Layout für den Druck von Broschüren oder Büchern. PDF ist aus PostScript entstanden, einem Standard der Druckindustrie für die Gestaltung elektronischer Druckvorlagen. In den vergangenen Jahren hat sich das PDF-Format zu einem De-facto-Standard für Dokumente jeder Art entwickelt.

Das Format ist «portable», das heißt übertragbar auf unterschiedliche Medien und PC-Betriebssysteme. Ein weiterer Vorteil ist die detailgetreue Wiedergabe der Originalvorlage. Hinzu kommen Gliederungs- und Suchfunktionen, die Unterstützung von Hypertext, Verschlüsselung und digitaler Signatur, Lesehilfen und Kommentarfunktionen. Es gibt auch spezielle Versionen von PDF wie zum Beispiel PDF/A für Archive. Die PDF-Spezifikationen in der Version 1.7 sind inzwischen von der Internationalen Organisation für Normung (International Organization for Standardization - ISO) als Standard bestätigt. (AP)

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DerWesten

Kommentare
24.02.2009
18:14
Schwarz macht PDF-Schrift nicht unsichtbar
von hans | #2

Ich glaubs ja nicht!
Diese untauglichen Versuche, Texte als geschwärzt zu formatieren und damit PDF-Teile unlesbar zu machen, gibt es also immer...
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Schwarz macht PDF-Schrift nicht unsichtbar
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2009-02-20 08:07
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