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Schülerblogs - Projekt aus NRW bei der re:publica

14.04.2010 | 13:56 Uhr
Schülerblogs - Projekt aus NRW bei der re:publica

Essen.Drei Tage lang diskutieren 2500 Teilnehmer in Berlin bei der re:publica über das Web, Medien und Blogs. Musiklehrer André Spang aus Köln ist mit seinen einzigartigen Projekt Schülerblogs mitten unter ihnen. Er setzt sie im Unterricht und für Hausaufgaben ein - seine Schüler sind begeistert.

Blogger, Webkenner, Netzakrobaten - und André Spang aus Köln mittendrin. In Berlin tauschen sich bei der Internet-Konferenz re:publica Netzmenschen aller Art über neue Trends und Ideen aus. Spang stellt dort heute ein Projekt vor, das nach dem Testlauf in Köln schon bald bundesweit Schule machen könnte: Am Kölner Kaiserin-Augusta-Gymnasium lässt Spang seine Musikschüler bloggen und hat damit Erfolg: Die neue Unterrichtsform und die Öffentlichkeit spornen die Schüler an, sich mehr zu engagieren als bei traditionellen Schulaufgaben.

Bei der vierten re:publica referiert Spang mit einem seiner Kollegen, Roman Deeken, über die Gegenwart und Zukunft des Internets und sein Spezialgebiet: Schülerblogs. Spang hat es ausprobiert: Musikunterricht einmal ganz anders, fern von Instrumenten und Noten. Obwohl, nicht so ganz. Denn bei seinen Blogs „Musik im 20. Jahrhundert“, „ Musikproduktion“ und „Songwriting“ können die Schüler auch mit Noten hantieren, nur eben online. „Die Idee zu den Schülerblogs entstand bei einer Fortbildung zum Web 2.0. Seitdem hat sich einiges getan“, erzählt er. 15 unterschiedliche Blogs existieren mittlerweile, alle von Schülern geschrieben oder mitgestaltet – Tendenz steigend. Egal, ob mit dem englischsprachigen Blog „Englisch 13“, dem Musikblog „Musik im 20. Jahrhundert“ oder dem „Projektkurs Songwriting“ – seine Schüler sind begeistert von der anderen Art des Lernens. „Für sie ist es eine erfrischend neue Art, Hausaufgaben zu machen und selbst aktiv zu werden“, freut er sich.

Sperrige Themen interessant aufbereiten

Auf der re:publica ist auch Lehrer André Spang aus Köln vertreten.

Sperrige Themen könne man online interessanter und schöner aufbereiten, argumentiert Spang. „ Im Unterricht wird ein Musikstück oft nur kurz vorgestellt und besprochen. Online können sich die Schüler das Stück mehrmals anhören und etwas dazu schreiben. Rasch entwickelt sich so eine Diskussion zu dem Thema.“ Der 44-Jährige führt als Beispiel das Blog „Musik des 20. Jahrhunderts“ an: „60 Prozent der Artikel stammen hier von den Schülern. Sie recherchieren, laden Noten oder MP3’s hoch oder komponieren eigene Stücke.“ Besonders beliebt: eigene Videos in das Blog laden.

Die Schüler arbeiten gewissenhafter, hat Spang festgestellt, schließlich ist das Blog öffentlich. „Sie wollen nicht, dass jeder ihre Fehler online sieht.“ So ein Blogeintrag kostet deshalb oft mehr Zeit als „normale“ Hausaufgaben. Die Schüler müssen intensiver arbeiten und haben Spaß daran, ihre Leistung zu vergleichen, berichtet der Lehrer.

Starthilfe

Für Verständnis musste Spang vor allem im Kollegium werben. „Ich habe den Kollegen Starthilfe gegeben und ihnen gezeigt, wie Blogs funktionieren“, erklärt er. Die anfänglichen Bedenken waren schnell aus dem Weg geräumt. „10 von 70 Kollegen nutzen die Blogs inzwischen mit ihren Schülern. Und es werden immer mehr.“ Probleme mit der Handhabung gab es bei den Schülern dagegen nur selten. Auch die jüngeren fanden sich nach ein paar Trainingsstunden am Computer zurecht und kommentierten fleißig die Beiträge ihres Lehrers online. „Die Sechsklässler arbeiten in einem reinen Kommentarblock und können auch nur mit Kommentaren auf die Texte reagieren. Die älteren Schüler dürfen auch eigenständig Texte hochladen“, sagt Spang stolz.

Bei der re:publica wird er heute auch Erfahrungen mit anderen Lehrern austauschen - etwa über die Benutzung von iPhone und Wikipedia im Unterricht. Und auch für die Zeit nach der Konferenz hat er schon Pläne: Einige Blogs will Spang mit seinen Schülern weiter ausbauen, verspricht er: „ Es wird auf jeden Fall weitergehen.“

Lena Siegel

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