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Raubkopierer entdecken das E-Book

14.07.2009 | 11:12 Uhr
Raubkopierer entdecken das E-Book

Frankfurt. Über zwei Millionen Deutsche wollen sich 2009 ein digitales Buch kaufen. Doch haben die auch einen Nachteil: Sie lassen sich schnell und ohne Qualitätsverlust kopieren. Und anschließend über das Internet versenden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels will dagegen ankämpfen.

Anders als Musik- und Filmindustrie blieben die Buchverlage bisher von Raubkopierern weitgehend verschont. Das ändert sich gerade. Verleger und Autoren locken deshalb mit legalen Angeboten. Doch die sind nicht immer attraktiv.

Papier war gestern. Eigentlich schon vorgestern. Heute gibt es E-Books. Elektronische Bücher, die eigentlich digitalisierte Bücher heißen müssten. Für die Industrie haben sie viele Vorteile. Aber auch einen entscheidenden Nachteil. Sie lassen sich schnell, problemlos und ohne Qualitätsverlust kopieren. Und anschließend über das Internet versenden. „Wir beobachten die Sache mit großer Aufmerksamkeit”, sagt Claudia Paul, Sprecherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Die „Gegenseite” tut das offenbar auch. Längst haben die großen illegalen Tauschbörsen (oder die Seiten, die auf sie verweisen) eine Unterrubrik für E-Books mit Tausenden von verfügbaren Titeln eingerichtet. Jede Menge wissenschaftliche Literatur findet sich da, Zeitschriften jeder Art aber auch immer mehr Belletristik – von Stephenie Meyers bis zu Dan Brown. Für Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, ein „unerträglicher Zustand”.

Das E-Book FLEPia von Fujitsu. Foto: imago

Deshalb will der Verband handeln. Mit viel Zuckerbrot und ein wenig Peitsche. Zuckerbrot ist ein eigenes Angebot. Unter www.libreka.de wächst derzeit eine große digitale Bibliothek heran, auf der schon bald 100.000 Titel verfügbar sein sollen. „Das zeichnet uns im Vergleich zur Musikindustrie aus, die das zunächst nicht hatte und die Nutzer in die Illegalität getrieben hat”, glaubt Skipis.

Der Preis muss stimmen

Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Denn das Angebot alleine reicht nicht. Der Preis muss stimmen. „Der kann sich von dem der gedruckten Bücher unterscheiden”, hat Ronald Schild, Geschäftsführer des Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels noch auf der Leipziger Buchmesse angekündigt und erklärt: „Das E-Book wird etwas billiger sein." Ist es aber nur manchmal, wie ein Blick auf libreka zeigt. Meist es ebenso teuer wie die papierne Version. Manchmal sogar teurer. So kostet beispielweise der Ken-Follett-Klassiker „Die Nadel” als Taschenbuch rund acht Euro, als E-Book aber knapp 21 Euro.

„Stimmt”, sagt Thomas Schiereck, kaufmännischer Geschäftsführer des Luebbe-Verlages und nennt auch die Gründe dafür. „Bei E-Books gibt es ein anderes Vergütungs-System für die Autoren.” Zudem müssen die Daten für die E-Book-Reader aufbereitet und umgewandelt werden. „Das kostet.” Auch weil sich die elektronische Ware noch nicht in so hohen Stückzahlen verkauft. Wenn die Nachfrage steigt, sagt Schiereck, „werden diese Kosten sinken”. „Der Markt wird sich anpassen”, hofft auch Paul. Das muss er aber schnell machen, sonst sind potenzielle Kunden längst in die Illegalität abgetaucht. Und potenzielle Kunden gibt es viele. In diesem Jahr haben nach einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes Forsa rund 2,2 Millionen Deutsche die Absicht, sich ein E-Book zuzulegen.

Konsequente Verfolgung

Das sollten sie lieber legal machen. Ansonsten holt Skipis die Peitsche heraus. Illegale Downloader im Internet, warnt er, werde der Börsenverein künftig konsequent rechtlich verfolgen. Das klingt allerdings einfacher, als es ist. Denn anders als Musikalben, Spiele oder gar Filme, die mehrere Gigabyte groß sein können, ist eine E-Book-Datei oft nur wenige Megabyte groß. Bei aktuellen DSL-Leitungen dauert es nur Sekunden, bis ein Buch digitalisiert auf der Festplatte gelandet ist.

Je kürzer ein Nutzer auf verbotenen Seiten unterwegs ist, desto geringer ist seine Chance, erwischt zu werden. Schiereck hat dann auch eine andere Hoffnung. „Bei vielen illegalen Angeboten, ist die Qualität bisher noch sehr schlecht.” Das könnte, hofft der Lübbe-Chef, viele Leser vom illegalen Treiben abhalten.

Andreas Böhme

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Kommentare
14.07.2009
16:06
Raubkopierer entdecken das E-Book
von kat | #21

Sorry weniger Ausrufezeichen und mehr Toleranz bitte.
Warum ist alles neue Scheisse? Es heißt ja nicht, dass sofort ältere Sachen verschwinden.
LPs gib t es immer noch und das 25-30 Jahre nach der Einführung des CD.

Natürlich werden die E-Reader die normalen Bücher nicht in den nächsten 20-30 jahren ersetzen.

Aber warum sollen Neues schlecht sein? Ich freue mich auch über jedes Buch, aber es geht nicht um die Papierseiten, sondern um Inhalt.

Man soll Chancen sehen, zum Beispiel braucht man bei einem digitalen Vertrieb keine Verlage, also utopisch könnten die Autoren die Einnahmen selber bekommen und trotz des niedrigeren Preises profitieren alle davon.

Und wenn selbst 15% der Bücher durch E-Books ersetzt werden- wie viel Papier spart man dadurch?

Oder Kurzgeschichten oder Novellen- heute kann man solche Sachen kaum verkaufen, im Internetvertrieb könnte diese Gattungen wieder erfolgreicher werden.

Das Haltbarkeitsproblem ist einfach lächerlich, Daten gehen im vergleich zum Gedruckten einfach nie verloren.

Oder urheberrechtsfreie Werke oder Werke, die zu einem Wiederauflage nicht geeignet sind, diese kann man einfach umsonst online stellen und das Wissen bleibt erhalten.

Ich glaube, die Leute sind durchaus bereit für gutes Werk Geld zu bezahlen.
Allerdings keinen überteuerten, unrealistischen Preis für ein Produkt mit lächerlichen Beschränkungen.

Diese Angst vor neuer Technik ist einfach lächerlich! natürlich braucht man nicht jedem neuen trend hinterherzulaufen, aber sich vor allem zu verschliessen ist einfach bescheuert.

Hoffentlich können sich die E-Reader schneller durchsetzen, dazu müssen einfach die Preise für E-Books sinken (kaum Kosten, dafür fast die selben Preise!) und einheitliche Standarts geschaffen werden.

14.07.2009
13:16
Raubkopierer entdecken das E-Book
von Mattesdererste | #20

#19, Tom009,
Zustimmung meinerseits, manchmal denke ich auch, daß ohne zu überlegen jeder neue Scheiß gekauft werden muß, andernfalls ist man von gestern. Auch ich höre noch Vinyl, lese Bücher aus Papier und fresse keinen Kunstkäse.
Noch entscheide ich, was bei mir in ist und was nicht. Keinesfalls aber die sogenannten Marketingexperten.

14.07.2009
13:08
Raubkopierer entdecken das E-Book
von Tom009 | #19

Tja--Der Mensch braucht aber auch jeden neuen scheiß.Ich erfreue mich immer wieder wenn ich ein gutes Buch zur Hand nehmen kann.
Habe kein Handy--BIN SEHR FROH DRÜBER--und trotzdem erreichbar.
Keinen MP3 Player noch irgendwelche Musik aus dem Internet geladen sonern 99% Meiner Musik ist in Form von LPs.Und CD habe ich sehr wenige.
Ich warte auf den Tag wo tausende von Festplatten crashen---welch aufschrei dann--Schuld sind dann natürlich die Festplattenhersteller.
Und Klanglich finde ich ComputerMusik GRAUENHAFT.

Ich brauche nicht jeden neuen scheiß.

Und warum war Papier gestern?????
Papier hält 100 Jahre und mehr
CD_DVD und der rest nicht mal 20 Jahre--und dann??????
Aber wenn es was Kostet wird ja gemeckert und nicht gekauft.
Ihr lasst euch auch jeden Scheiß andrehen.
Und zu den E-Books---die alten Bücher/Texte müssen ja wenn möglich in die Digitale Form gebracht werden.UND NICHT ALLE TEXTE WERDEN PER COMPUTER ERSTELLT!!!!

Ich finde es auch immer interessant wenn die Rede von Geld für Verlage und autoren ist.

Schreibt doch mal selber ein Buch/Text und versucht dafür Vertriebswege zufinden---wo Ihr etwas bekommt.
stellt ihr es direkt ins netzt---wars das wohl.
wie wollt ihr dann nachweisen das es euer text war????? usw.

also selber bessermachen--dann über andere meckern.

14.07.2009
11:57
Raubkopierer entdecken das E-Book
von JW | #18

Was für ein Gewäsch - sowohl vom Autor als auch von den Verlagsprechern.

Papier war gestern. Eigentlich schon vorgestern. Heute gibt es E-Books. Elektronische Bücher, die eigentlich digitalisierte Bücher heißen müssten.

Falsch. Seit über 10 Jahren versuchen unterschiedliche Hersteller dem Markt erfolglos transportable EBook-Lesegeräte verkaufen. Die neuste Totgeburt von Sony will auch niemand haben. Dabei wird das Buch regelmäßg totgesagt, hält sich seit 500 Jahren aber reichlich tapfer.

Der nächste Unsinn wird ebenfalls widerspruchlos übernommen. Zitat Thomas Schiereck, kaufmännischer Geschäftsführer des Luebbe-Verlages, [...] Zudem müssen die Daten für die E-Book-Reader aufbereitet und umgewandelt werden. „Das kostet.”
Zu Zeiten des Bleisatzes mag das noch gestimmt haben. Seit mindestens 20 Jahren werden alle Bücher aber in digitaler Druckvorstufe neu- oder wieder -aufgelegt. Transferkosten Richtung pdf gibt es nicht oder sind sie wie bei xml/epub kaum berechenbar gering. Das Format epub ist obendrei drm-orientiert und die DRM-Rechteverwaltung ist nicht ohne weiteres zu umgehen. Selbst wenn Kosten für den Datentransfers anfielen, würden sie durch Papier-, Druck-, und Lagerkosten mehr als relativiert. Ein wesentlicher Nebeneffekt: DRM-Ebook sind gebraucht oder antiquarisch nicht zu handeln oder zu verleihen.

Innerhalb weniger Zeilen schafft Böhme es auch völlig gegensätzliche Positionen zu vertreten:
Aber auch einen entscheidenden Nachteil. Sie lassen sich schnell, problemlos und ohne Qualitätsverlust kopieren.
Weiter unten heißt es aber:
Schiereck hat dann auch eine andere Hoffnung. Bei vielen illegalen Angeboten, ist die Qualität bisher noch sehr schlecht.

Nicht erwähnt wurde, dass viele bis ca. 1930 erschienenen Werke urheberechtsfrei sind (Autor vor mind. 70 Jahren verstorben), und z.B. in einem passenden EU-Projekt und angeschlossenen Instituten (projekt.gutenberg.de) sehr viel günstiger als im Ebook-Fachhandel oder wie bei gutenberg.org kostenlos abgegeben werden (ggw. 300.000 Titel). Pauschal wird aber unterstellt, dass kostenfrei Literatur zwangsläufig illegal sein muß.

Arbeiten in der Redaktion DerWesten mittlerweile ausschließlich technikvernarrte, aber journalistisch unbeleckte Praktikanten oder gibt auch noch halbwegs denkende Menschen?

14.07.2009
11:44
Raubkopierer entdecken das E-Book
von unfassbar | #17

Ich gebe dir, Musikfan, voll und ganz Recht!
Ich kaufe mir meine Serien-Staffeln nach und nach alle bei für mich guten Preisen. Im Original. Im Laden!
Aber: Mir sofort bei Erscheinung so ne halbierte Staffel für 54 Öcken zu kaufen, da müsst ich doch einen am Brett haben!
Für das Geld geh ich fürs Wochenende einkaufen!

Man kann einfach die Menschen nicht noch mehr auspressen. Wo kein Geld ist, ist eben kein Geld. Aber die Bedürfnisse sind da...

14.07.2009
10:57
Raubkopierer entdecken das E-Book
von Musikfan | #16

@Sauerländer
..und genau das halte ich für eine Fehlannahme die gerade bei MP3 zu den Problemen erst geführt hat.

Heute zeigt sich, dass viele Nutzer durchaus bereit sind Geld für MP3´s auszugeben obwohl sie auch kostenlos aber illegal im Netz zu erhalten sind.

HIer spielt der einfachere Weg der Beschaffung, Übersichtlichkeit des Angebots zum Beispiel eine entscheidende Rolle.

Auch die Buchindustrie sollte sich recht schnell entscheiden, ob sie mit kostengünstigen Geräten, billigeren E-Books ohne digitalem Rechtemangement mit eignen Verkaufsplattformen und sehr breitem Angebot an der Digitalisierung mitverdienen wollen oder tatenlos zuschauen wie der Schwarzmarkt den durchaus vorhandenen Bedarf abdeckt.

14.07.2009
10:41
Raubkopierer entdecken das E-Book
von Sauerländer | #15

Die Geschichte ist doch vorgezeichnet. Egal wie billig E-Books werden - solange die Inhalte kostenlos im Netz zu bekommen sind, wird man die auch dort ziehen. Die Geschichte der Musikindustrie wird sich an der Stelle wiederholen, egal was man jetzt für Strategien entwickelt. Zeitungen erwischt es ja schon ebenso.

14.07.2009
10:39
Raubkopierer entdecken das E-Book
von allbert | #14

Ich sage nur: Der Raubkpierer
Der Autor dieses Buches sieht es auf seine Weise.

www.derraubkopierer.de

14.07.2009
09:46
Raubkopierer entdecken das E-Book
von Antifa | #13

Es ist ein Märchen, das die Buchverlage in die Welt gestzt haben, Scans aus Warez-Szene wären schlecht. Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Scans sind sehr liebevoll un mit viel Fachkenntnis hergestellt.

Außerdem haben sich die Seiten zur Auflage gemacht keine Neuerscheinungen anzubieten.

14.07.2009
09:42
Raubkopierer entdecken das E-Book
von Antifa | #12

Douglas Adams hatte verfügt seine Bücher wie Per Anhalter durch die Galaxis im Internet kostenlos zur Verfügung zu stellen, damit sich diese Buch-Mafia nicht noch mehr bereichern kann. Viele andere Schrifsteller sehen das ähnlich.

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