Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Hochstaplerin

Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben

15.02.2013 | 12:26 Uhr
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
Mit manipulierten Fotos, die sie unter anderem bei Facebook hochlud, hat eine junge Frau aus Mülheim über Monate die IT- und Unternehmerszene im Silicon Valley getäuscht.Foto: afp (Symbolfoto)

Mülheim/San Francisco.  Mit per Photoshop manipulierten Fotos von sich mit US-Stars und erfundenden Arbeitserfolgen hat sich eine junge Frau aus Mülheim in die IT-Szene des kalifornischen Silicon Valley geschummelt. Ein US-Blog enttarnte Shirley Hornstein, jetzt entschuldigt sie sich öffentlich. "So lange ich denken kann, habe ich gelogen." Die verblüffende Geschichte einer Hochstaplerin.

Auf dem einen Bild strahlt sie neben Justin Timberlake in die Kamera, auf dem anderen umarmt sie einen US-Comedian. Bis zum Sommer des vergangenen Jahres schien es für Shirley Hornstein nur einen Weg zu geben: nach oben. Geboren in Mülheim an der Ruhr - so schreibt sie es auf ihrem Facebook-Profil -, tummelt sich die junge Frau nach ihrem Uni-Abschluss in den USA auf Partys im Silicon Valley, macht sich einen Namen als "Unternehmerin". Allein: Die Bilder mit den Stars, die sie von sich bei Facebook und Instagram hochlädt, sind genauso unecht wie viele Geschichten, die Hornstein von sich verbreitet. Es ist Ende August 2012, da fliegt sie als Hochstaplerin auf.

Ein Autor des US-Blogs TechChrunch war misstrauisch geworden, hatte nachgeforscht - und enttarnte Shirley Hornstein als Lügnerin. "Die talentierte Miss Hornstein" nennt er sie in seinem Artikel, angelehnt an die Romanfigur des "talentierten Mr. Ripley", der mit einer gestohlenen Identität ein Luxusleben führt.

Angeblich an der Gründung von Dropbox beteiligt

Und tatsächlich dokumentiert der Blogger ausführlich, wie Hornstein die IT- und Technologie-Szene in Kalifornien an der Nase herumführte. Zeigt die vermeintlichen Schnappschüsse mit den berühmten Kumpels - und die echten Originalbilder ohne Shirley Bornstein. Mithilfe der vermeintlich guten Kontakte und erfundenen Berufs-Erfolgen habe die junge Frau neue Bande geknüpft.

Wurzeln in Mülheim

Shirley Hornstein ist in Mülheim geboren und aufgewachsen. Das gibt sie auf ihrem Facebook-Profil an, und ein Blick ins WAZ-Archiv bestätigt das. Noch 2005 porträtierte die Lokalredaktion Mülheim Shirley Hornstein und ihre Familie - ihr Vater ist Kinderarzt in Oberhausen - beim jüdischen Chanukka-Fest. Im Online-Gästebuch der Pestalozzi-Schule schrieb 2009 jemand unter dem Namen "Shirley Hornstein", von 1991 bis 1995 auf die Schule gegangen zu sein. Der Blick ins WAZ-Archiv zeigt auch: Shirley Hornstein hat 2004 Abitur an der Karl-Ziegler-Schule in Mülheim gemacht. Anschließend ist sie fürs Studium in die USA gezogen. Den Facebook-Angaben zufolge schloss sie ihr Wirtschafts-Studium in Vermont im Jahr 2008 ab.

So soll Hornstein erzählt haben, sie sei an der Gründung des Web-Speicherdienstes Dropbox und anderen Internet-Startup-Unternehmen beteiligt gewesen. Eine Bemerkung hier, eine Lüge dort - das ganz spezielle Networking-System funktionierte offenbar zunächst. So gut, dass das Blog "Tech Cocktail" sie im Mai 2012 auf der Liste der 105 wichtigsten weiblichen Startup-Investorinnen auf Platz 33 packte - ohne genauer zu begründen, warum.

Alle belogen und manipuliert - auch sich selbst

Eine Lüge indes war offenbar zu groß: "Founders Fund", eine Risikokapitalfirma aus San Francisco, wehrte sich juristisch gegen Hornsteins Behauptung, sie arbeite für und mit dem Unternehmen.

"Kurz gesagt: Mein Kartenhaus ist zusammengefallen", sagt Hornstein jetzt, gute fünf Monate nach ihrer Enttarnung. Nachdem TechCrunch sie als Lügnerin geoutet habe, habe sie Demütigung und Verurteilungen erfahren. "Ich habe meinen Job verloren, meine Freunde. Mein Leben ist über mir zusammengebrochen."

"Eine aufrichtige Entschuldigung" hat die junge Frau ihren ausführlichen Blog-Eintrag Ende Januar genannt. "So lange ich denken kann, habe ich gelogen", schreibt sie da. Sie habe ihr ganzes Leben damit verbracht, "alle um mich herum zu belügen, zu betrügen und zu manipulieren - mich selbst eingeschlossen".

Irgendwann "geriet alles außer Kontrolle"

Was folgt, sind Erklärungsversuche - die Geschichte von einer, die dazugehören wollte. "Ich bin unglaublich unsicher", schreibt Hornstein. Lügen sei ihre Art gewesen, damit fertigzuwerden, "weil es mir erlaubte, all das zu verdecken, was ich an mir selbst hasste" - unter anderem die "Angst, unwichtig zu sein". Irgendwann hätte sich alles verselbständigt: Je größer die Lügen wurden, desto mehr habe sie ihr Verhalten daran angepasst. "Alles geriet außer Kontrolle."

Jetzt aber, beteuert Shirley Hornstein in ihrem Blog-Post, wolle sie ihr Leben wirklich ändern: Erstmals habe sie sich professionelle Hilfe gesucht und die vergangenen fünf Monate damit verbracht, ihre Unsicherheiten aufzuarbeiten. "Ich denke, es ist noch nicht zu spät, dass ich der Mensch werde, der ich gerne wäre." Zum Beispiel: Shirley Hornstein, die aus Mülheim an der Ruhr in die USA zog, um ihren Weg zu finden. Diesmal vielleicht ohne Photoshop.

Sarah Hubrich


Kommentare
20.02.2013
09:02
Die Dame ist prädestiniert Leute, die auf Arbeitssuche sind zu beraten
von nachdenken | #14

Qualifikation ist nichts, Show alles...

Eigentlich schade, dass wahrscheinlich kein "echter Schaden" entstanden ist. Denn nun wird es wie immer munter so weiter gehen.
Zocker - Banker verzocken Billionen, weil sie gar nicht wissen, wovon sie reden.
Etc. pp.
Man kann sich kaum mehr aufregen, man wartet, bis das Kartenhaus zusammenfällt.
Dann aber: Rette sich wer kann...

17.02.2013
23:04
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
von noergler2012 | #13

Hoffentlich hat sie gut Kohle gemacht. Sie hat ja niemandem geschadet. Haben möchte ich sie aber nicht. Ein wenig zu gefährlich.

17.02.2013
19:50
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
von Strasser | #12

Eine echt geniale und erfolgreiche Lügenstory. Dumm nur, dass da einer mal nachrecheriert hat. Aber "Hornstein" - das passt schon ganz gut ........

17.02.2013
18:07
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
von worldsaway | #11

Scheint ein echtes Talent als Blenderin und Betrügerin zu sein. Prädestiniert als zukünftige Parteivorsitzende der FDP würde ich sagen.

17.02.2013
16:57
Buch schreiben, Rechte verkaufen...
von AndreasHoffner | #10

...und mit der grummen Tour Millionen verdienen. Das schreit geradezu nach einer Verfilmung a la "Catch me if you can". ;) Hauptsache es steckt eine gute Geschichte dahinter, dann sind Lug und Trug in unserer Gellschaft doch Millionen wert. Und der Ehrliche ist mal wieder der Dumme, weil er Skrupel hat.

17.02.2013
16:24
wie immer ...
von Visionaer | #9


im echten Leben.
Langfristig kriegen die Anderen immer raus, was man drauf hat. Gerade und besonders in der IT-Szene. Was hab ich schon alles für Wunderkinder gesehen ...


17.02.2013
15:35
Mülheimerin war 33.wichtigste Startup-Investorin bis TechCrunch sie als Müsli verspeiste
von AMSTERDAMNED | #8

Immerhin Respekt für einen netten Versuch. Man darf es halt nicht zu sehr übertreiben mit den Legenden. Sonst hätte vielleicht niemand nachgehakt. Kalifornien war eine ziemlich gute Wahl, dort wimmelt es in verschiedenen Branchen von Fakes. Bei Facebook und in anderen sozialen Medien zu sein - insbesondere wo man Fotos hochlädt - halte ich für deutsche Verhältnisse nicht für karrierefördernd. Wer faken will, muss das viel subtiler anstellen. Und zwar so, dass es unheimlich schwierig wird demjenigen das Gegenteil zu beweisen.

17.02.2013
15:16
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
von michaelseinnick | #7

Wenn Lügen Strafe bedeutet, dann haben wir unseren Tempel bald leer.

17.02.2013
15:09
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
von olgaistdiegeilste | #6

Die Dame hatte sogar einen gefälschten, aus dritter Hand aufgemotzten Hauptschulabschluss auf Ihrer Website veröffentlicht.

1 Antwort
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
von Knuddelkater | #6-1

also das kann die jeder halbwegs talentierter Photoshopuser machen

17.02.2013
15:04
Mülheimerin schummelte sich in USA mit Photoshop nach oben
von schRuessler | #5

Also, ich finds originell.
Hat die Sache eigentlich jemandem geschadet? Ist das strafrechtlich irgendwie relevant? Dazu steht da gar nichts.

Aus dem Ressort
Facebook koppelt Messenger-Chat von der App ab
Facebook
Facebook will sich mit einer ganzen Familie von Apps im Alltag der Nutzer etablieren. Dafür werden einzelne Funktionen in eigene Anwendungen ausgelagert, um sie separat effektiver weiterentwickeln zu können. Jetzt kommen die Kurzmitteilungen an die Reihe.
Auch Olsberg bekommt schnelles Internet mit LTE-Technik
Internet
Als letzte Region im Hochsauerlandkreis bekommt nun auch Bigge-Olsberg die LTE-Technik für das Smartphone und Tablet. Ab sofort können Fotos und Musikdateien in ähnlich schnellem Tempo verschickt werden wie über das Festnetz. Mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde erhöht sich die Geschwindigkeit.
Im Darknet versteckt sich die dunklen Seite des Webs
Darknet
Anonym unterwegs im Internet – das geht tatsächlich. Wer seine Verbindungen richtig verschlüsselt, bereitet den Überwachern immense Schwierigkeiten. Doch was politisch Verfolgten zugute kommt, wird von Kriminellen genutzt, um Drogen, Waffen oder andere illegale Waren zu verkaufen.
Shitstorms verursachen keinen Gewinneinbruch bei Unternehmen
Shitstorms
Kaum ein Internet-Phänomen fürchten Unternehmen mehr als den Shitstorm. Wenn Tausende User über Facebook oder Twitter ihrer Wut auf das Unternehmen freien Lauf lassen, geraten Konzernlenker ins Schwitzen. Doch einen neue Studie zeigt, dass die Aufregung um Shitstorms ziemlich ungerechtfertigt ist.
Professor aus Wetter entwickelt multimediales Lernkonzept
Statistik-App
Hans-Joachim Mittag aus Wetter hat gemeinsam mit Informatikern an der Fern-Universität Hagen eine App entwickelt, mit der Statistik praxisnah erlebt werden kann und die zum Lernen motivieren soll. Damit sollen Formeln besser verstanden werden.
Umfrage
Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?

Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?

 
Fotos und Videos
Erinnerungen an 25 Jahre Game Boy
Bildgalerie
Spielkonsole
Merkel macht Selfies mit Schülern
Bildgalerie
Kanzlerin
Handys im Wandel der Zeit
Bildgalerie
Technik
Chaos Computer Club
Bildgalerie
30C3