Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Wettbewerbsvergehen

Microsoft droht Geldbuße wegen Internet-Browser

17.07.2012 | 17:00 Uhr
Aus EU-Sicht missbraucht Microsoft seine Marktmacht zum Schaden der Kunden.Foto: Archiv/afp

Brüssel.   Die EU-Kommission eröffnet ein Verfahren gegen den weltgrößten Software-Konzern Microsoft. Kunden hatten möglicherweise keine freie Wahl, mit welchen Programmen sie ins Internet gelangen konnten. Das US-Unternehmen verweist auf einen „technischen Fehler“.

Dem US-Konzern Microsoft droht neues Ungemach: Das Geschäftsgebahren des weltgrößten Software-Konzerns stößt in Brüssel schon seit Jahren auf Missfallen. Am Dienstag eröffnen die europäischen Wettbewerbshüter ein neues Verfahren gegen Microsoft. Dies soll auch Verbrauchern nutzen. Es gebe Hinweise darauf, dass Microsoft trotz gegenteiliger Bekundungen Kunden zu wenig Wahl lasse, wenn diese im Internet surfen wollten. Das sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia in Brüssel. Microsoft selbst gestand Versäumnisse ein.

Dem US-Konzern, der in den nächsten Monaten eigentlich mit diversen neuen Produkten für Aufmerksamkeit sorgen wollte, droht nun eine hohe Geldstrafe. Almunia kündigte eine „harte Untersuchung“ an. Die EU-Kommission kann in solchen Wettbewerbs-Fällen eine Buße verhängen, die bis zu einem Zehntel des Jahresumsatzes ausmacht. Microsoft hatte im vorigen Geschäftsjahr umgerechnet rund 57 Milliarden Euro umgesetzt.

Video
Brüssel, 17.07.12: Die EU-Kommission hat Microsoft erneut ins Visier genommen, weil der US-Konzern Nutzern auf der Startseite seines Systems angeblich nicht mehr die Wahl zwischen verschiedenen Internet-Browsern lässt. Nun drohen wieder Sanktionen.

Der Ärger des EU-Kommissars kommt nicht von ungefähr. Bereits 2009 hatten die europäischen Wettbewerbshüter Microsoft angemahnt, sein Betriebssystem „Windows“ nicht nur mit seinem Computerprogramm „Internet Explorer“ zu koppeln. Mit dem „Internet Explorer“ lassen sich Internet-Seiten auf dem Computer aufrufen und darstellen. Das können auch andere „Browser“ leisten.

Microsoft ist schon mehrmals mit der EU angegeckt

Die EU-Kommission monierte damals, dass wegen der Bündelung von Windows und dem Microsoft-Browser der Internet Explorer weltweit auf etwa 90 Prozent der Computer verfügbar sei. Das verfälsche den Wettbewerb mit anderen Browsern. Microsoft hatte versprochen, in Europa Verbrauchern die Wahl zu lassen, mit welchem Browser sie ins Internet gehen.

Das Startsymbol des Microsoft-Browsers. Laut Branchenexperten ist Firefox in Europa der meistgenutzte Browser, dicht gefolgt von Google Chrome und dem Internet Explorer.

Auf der Windows-Startseite sollte ein Computernutzer wählen können, ob er den Internet Explorer oder einen anderen Browser nutzt. „Wir sind dieser Verantwortung nicht gerecht geworden“, erklärte Microsoft. Es habe sich aber um einen technischen Fehler gehandelt. Der werde schnellstmöglich behoben.

Der Wettbewerb unter den Browser-Anbietern ist hart. Laut Branchenexperten ist Firefox in Europa der meistgenutzte Browser, dicht gefolgt von Google Chrome und dem Internet Explorer. Die EU-Kommission habe „von Dritten“ gehört, dass sich Microsoft nicht an diese Vereinbarung halte, sagte Almunia. 28 Millionen Computernutzer hätten diese Auswahl-Möglichkeit auf ihrem Bildschirm wohl nicht gehabt.

Video
Microsoft will Apples iPad mit einem eigenen Tablet Konkurrenz machen. Der weltgrößte Softwarekonzern steigt mit zwei Geräten seiner neuen Produktreihe "Surface" (deutsch: Oberfläche) in den zukunftsträchtigen Markt ein.

Die EU-Wettbewerbshüter wiesen Microsoft bereits in mehreren Verfahren in die Schranken. Sie belegten den amerikanischen Software-Konzern mit Rekordstrafen: Aus EU-Sicht missbrauchte Microsoft seine Marktmacht zum Schaden der Kunden. Der US-Softwarekonzern wollte eigentlich vor allem mit neuen Produkten für Schlagzeilen sorgen. Zum Wochenanfang stellte Microsoft seine neue Version der Textverarbeitungssoftware „Office“ vor. Zudem soll die neue Version seines Computer-Betriebssystems („Windows 8“) im Herbst auf den Markt kommen. Mit Windows und Office erzielt Microsoft einen Löwenanteil seines Umsatzes.

Sabine Brendel

Kommentare
18.07.2012
16:16
Und was ist mit Apple?
von KamSahSiegteTraurig | #3

Also, unter Microsoft Windows läßt sich ohne weiteres verschiedene Browser installieren und arbeiten. Bei meinen unzähligen Neuinstallationen und...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Freies Internet über WLAN in Fußgängerzone Hagen geplant
WLAN
Die Hagen-Agentur und Dokom 21 kooperieren, um in Hagens Fußgängerzone kostenloses WLAN zumindest für eine halbe Stunde zu ermöglichen.
Amazon und Microsoft im Aufwind, Google unter Druck
Aktienkurse
Microsoft, Amazon und Google haben am Donnerstag ihre Quartalszahlen vorgelegt. Amazon veröffentlichte dabei erstmals Zahlen zu seinem Cloud-Service.
E-Plus und O2 fusionieren Netz - was das für Kunden bedeutet
Mobilfunk
Die Fusion von E-Plus und O2 hat einige Vorteile. Mutterkonzern Telefónica lässt Kunden mit National Roaming im jeweils schnelleren Netz surfen.
YouPorn beklagt Upload von FC-Bayern-Videos
Tor-Porno
Nicht nur sportlich sorgte Bayern Münchens 6:1-Gala über den FC Porto für Aufsehen. Auch eine Pornoseite meldete sich zu Wort.
Facebook-Umsatz schießt hoch - Ausgaben drücken Gewinn
Online-Netzwerk
Der Umsatz von Facebook wächst weiter rasant. Im vergangenen Quartal gab es einen Sprung von 40 Prozent. Konzernchef Zuckerberg investiert massiv.
Fotos und Videos
Mehr Auswahl bei Emojis
Bildgalerie
Kommunikation
Fans warten aufs neue iPhone
Bildgalerie
Apple
Das sind iPhone 6 und Apple-Watch
Bildgalerie
Apple-Neuheiten
Erinnerungen an 25 Jahre Game Boy
Bildgalerie
Spielkonsole
article
6890460
Microsoft droht Geldbuße wegen Internet-Browser
Microsoft droht Geldbuße wegen Internet-Browser
$description$
http://www.derwesten.de/wirtschaft/digital/microsoft-droht-geldbusse-wegen-internet-browser-id6890460.html
2012-07-17 17:00
Microsoft,EU-Kommission
Digital