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Reichsflagge

Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest

22.12.2012 | 13:39 Uhr
Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest
Der Vorstand der Jungen Union in Münster hat mit diesem Foto vor einer Reichsflagge einen Shitstorm auf Facebook ausgelöst.Foto: Facebook/Junge Union

Münster.   Mit einem Gruppenbild vor dem Hintergrund einer Reichsflagge hat die Junge Union Münster einen Shitstorm im Internet ausgelöst. Auch am Samstag setzte sich die Welle der Entrüstung fort. Im Vorstand der CDU-Nachwuchspolitiker hält man dennoch an dem umstrittenen Foto fest - und gießt noch Öl ins Feuer.

Der Umgang mit Shitstorms im Internet hat schon so Manchem Probleme bereitet. Kritische Stimmen von Kunden einzufangen, gar zu drehen und damit letztlich das angekratze Firmen-Image zu glätten gehört zur großen Kunst im Umgang mit Sozialen Medien. Die Junge Union Münster zeigt derzeit, was passiert, wenn man einen Shitstorm einfach weiter über sich hereinbrechen lässt. Grund ist ein Gruppenbild der jüngsten Weihnachtsfeier, bei dem sich elf der 13 Vorstandsmitglieder der JU Münster in den Räumen einer Münsteraner Studentenverbindung vor einer Flagge in den Farben des Deutschen Reiches von 1871 haben ablichten lassen.

Auch am Samstag sorgte das umstrittene Foto aus dem "Kneip-Raum" im Haus des Vereins Deutscher Studenten im schönen Kreuzviertel in Münster für eine Welle der Entrüstung. Gut 2000 Nutzer haben das in einem Facebook-Album veröffentlichte Bild mittlerweile kommentiert, nahezu ebensoviele haben es mittlerweile geteilt, also online weiterverbreitet. Die Kritik ist nahezu einhellig: Die meisten werfen den CDU-Nachwuchspolitikern eine Nähe zu Rechtsextremen vor, da sich die JU "mit diesem Foto zum undemokratischen und unparlamentarischen Kaiserreich" bekenne. Viele Kritiker halten den JU-Vorständlern mangelndes Geschichtsbewusstsein vor oder geißeln die Aktion als "Dummheit".

Kein Einlenken bei der Jungen Union trotz Shitstorm

An ein Einlenken ist unterdessen bei der Jungen Union nicht gedacht, sagt der stellvertretende JU-Kreisvorsitzende Christian Sluka am Samstag auf Anfrage. "Wir halten an dem Foto fest". Die Kritik könne Sluka, der zurzeit an seinem Jura-Examen arbeitet, "in Teilen verstehen", inhaltliche aber teile er die Vorwürfe nicht. Die Flagge sei für ihn kein Symbol gestrigen Denkens, sondern "Teil der Geschichte der Studentenvereinigung, bei der wir gefeiert haben" - und deren Mitglied er und weitere Vorstandsmitglieder seien.

In die Debatte auf Facebook eingreifen wolle man auch nicht, erklärte Sluka. Vielmehr hofft man bei der Jungen Union Münster, dass sich die Entrüstung bald wieder legt. Ob das passiert, ist fraglich. Zumal die Junge Union am Samstag sogar 'Öl ins Feuer' der Debatte gegossen hat: Auf der JU-Website ist inzwischen ebenfalls das Foto vor der Reichsflagge veröffentlicht worden. Auch dort gibt es nach wie vor keine Erklärung der JU zu den Vorwürfen. Slunka hebt im übrigen hervor, "dass wir auch viel Unterstützung erhalten" - per Mail, und "aus den Reihen der Jungen Union".

Hintergrund
JU Münster löst mit Foto vor Reichsflagge Shitstorm aus

Mit dem Foto ihrer jüngsten Weihnachtsfeier hat die Junge Union in Münster einen Shitstorm auf Facebook ausgelöst. Auf dem Bild präsentieren sich die Nachwuchspolitiker in den Räumen einer Studentenverbindung und vor der Deutschen Reichsflagge. Nicht zum ersten Mal.

  Reichsflagge wird von Neonazis genutzt

Für den Rechtextremismus-Forscher Fabian Virchow, Professor an der Fachhochschule Düsseldorf, ist es fragwürdig, dass sich eine Studentenvereinigung heute "noch mit diesen Farben schmückt". Für Virchow deutet das Bild auf fehlende historische Sensibilität der JU-Mitglieder hin. Die Reichsflagge war mit der Reichsgründung 1871 Nationflagge des Deutschen Reiches und war nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten noch für zwei Jahre, von 1933 bis 1935, parallel zur Hakenkreuz-Flagge die "Handels- und Nationalflagge". Heute würden sich jedoch auch Neonazis Flaggen dieser Farben bei Kundgebungen bedienen, bestätigt ein Sprecher des NRW-Verfassungsschutzes. Der Grund ist schlicht: Die Reichsflagge ist nur in Verbindung mit bestimmten Symbolen darin verboten. Die Flagge in Münster trägt diese Symbole nicht.

Bereits am Freitag erklärte Sluka auf Anfrage, die "historischen Überschneidungen" der Flaggen seien den JU-Mitgliedern "bewusst". Dass man für ein ähnliches Bild vor Monaten ebenfalls einen Shitstorm ausgelöst hatte, habe den JU-Vorstand allerdings nicht bewogen, ähnlichen Ärger zu vermeiden. Das Foto wolle man jedenfalls auch jetzt nicht aus dem Netz löschen, erklärt Sluka: "Es ist ja schon zigmal geteilt worden. Löschen würde da nichts bringen". Und mit Blick auf eine eventuelle Erklärung "ist ja eigentlich in den Kommentaren der Leute alles gesagt".

Mit Blick auf die nächsten Feiern in der Studentenverbindung, deren Räume der JU "sehr günstig" überlassen würden, könnte es möglicherweise zu einem Umdenken bei der Jungen Union Münster kommen, deutet Sluka am Samstag an. "Ich weiß nicht, ob ich nochmal Lust auf so ein Theater hätte." Gleichwohl hält er das Foto weiterhin "für eine Lappalie". Er können "nach wie vor" nichts Schlechtes an der Flagge erkennen.

Dagobert Ernst



Kommentare
22.12.2012
16:55
Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest
von seew1 | #9

Nun weiß ich auf jeden Fall, welchen Juristen ich meinen Freunden im Münsterland nicht empfehlen werde. DAs Verhlten und die Erklärunge ndes Herrn Sluka sind unseriös und an Borniertheit nicht zu übertreten..

22.12.2012
16:51
Politikum?
von RainerN | #8

Mag sein, dass es den Studenten an mangelndem Geschichtsbewusstsein oder aber auch Sensibilität fehlt. 1871 gab es übrigens noch keine Rechtsextremen im heutigen Sinn. Wird da nicht ein wenig zuviel Aufhebens wegen einer Flagge gemacht, die wie richtig angemerkt, zur Geschichte der Studentenvereinigung gehört, wie viele andere Dinge auch. Das Foto nun als eine Art Politikum zu betrachten, wie zum Beispiel die braune Brut bei ihren Aufmärschen mit der Reichsflagge, dass ist wohl ein wenig weit hergeholt. Auch wenn folgendes Beispiel hinkt, aber ich trage meine Haare gerne sehr kurz und mein Bekannter hat eine Glatze, aber sind wir deshalb rechtsextrem? Ich denke es liegt immer daran, was man selbst , bzw. andere damit verbinden. Aber darauf habe ich, oder eben auch die Studenten in Münster bei dem „Flaggenstreit“ keinen Einfluss.

22.12.2012
16:04
Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest
von tunix | #7

NAZIS können ihre Gesinnung eben nicht Verleugnen.

22.12.2012
15:27
Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest
von Entschuldigung | #6

Entschuldigung,
aber ich habe mir immer schon gedacht, dass die cdU fürs NPD-Verbot ist, damit die verlorenen Schafe wieder heim finden.
Und mit der "Fahne hoch", werden sies schnell finden.

22.12.2012
15:09
Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest
von gukop | #5

Ha, haa! (Nelson Muntz)

[Satire ein] Nee, das ist die Flagge von NRW, nur ist der grüne Streifen etwas zu dunkel ausgeleuchtet. [Satire aus]

Man weiß doch wie konservativ die Münsterländer sind und die schwarz-weiß-rote Fahne steht nun mal für die Burschenschaften, die rechts von der CDU stehen, aber angeblich nicht rechts genug.

22.12.2012
14:48
Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest
von Salvus | #4

Einfach den Lappen umdrehen, dann ist es die ägyptische Staatsflagge und die Heiligenscheinträger sind beruhigt!

22.12.2012
14:47
Eine politische Jugendorganisation darf, ja muss Ecken und Kanten haben
von ambros41 | #3

Gehts auch ein wenig kleiner? Rechtlich ist alles sauber: "Die Reichsflagge ist nur in Verbindung mit bestimmten Symbolen darin verboten. Die Flagge in Münster trägt diese Symbole nicht."
Überflüssig der Hinweis, dass Konservativ nicht gleichbedeutend mit Rechts ist. Eine politische Jugendorganisation darf, ja muss Ecken und Kanten haben. Wenn es dann noch um eine Feier in der Studentenverbindung war, deren Räume der JU "sehr günstig" überlassen worden sind..
Da sind die inakzeptablen direkten oder indirekten Vergleiche Merkels mit Hitler insbesondere von konservativen Granden ein ganz anderes Kaliber als eine Reichsflagge mit JU.

22.12.2012
14:34
Das Problem
von bazonk1000 | #2

Das Problem steht im letzten Satz: " Er können "nach wie vor" nichts Schlechtes an der Flagge erkennen.

Na denn. Vielleicht nächstes Mal eine Feier unter dem Sonnenrad? Die Inder haben sich da auch nie was böses bei gedacht. Oder die schönen nordischen Runen? Die gab es doch auch schon lange vor diesem ... Dingens aus Österreich. Da kann doch wohl wirklich niemand etwas dagegen haben.

22.12.2012
14:02
Junge Union Münster hält an Foto vor Reichsflagge fest
von marcus3011 | #1

Ach wie schlimm. Gleich ein N.... ! Wie immer!

1 Antwort
Ach wie schlimm
von BananenrepublikBRD | #1-1

Blubb...

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