iPhone und iPad speichern Bewegungsprofile
21.04.2011 | 14:59 Uhr 2011-04-21T14:59:00+0200
San Francisco. Apples Geräte protokollieren offenbar, wann und wo sich ihre Besitzer aufhalten. Zwei Hacker haben eine entsprechende Protokolldatei gefunden. Der Spion in der Hosentasche? Noch ist unklar, was Apple mit den Daten macht. Datenschützer sind alarmiert.
Der Computerkonzern Apple steht unter Beschuss: Computerexperten und Politiker zeigten sich am Donnerstag gleichermaßen entsetzt über den Umgang des Unternehmens mit dem Datenschutz. Zwei Briten enthüllten, dass sowohl das Mobiltelefon iPhone als auch der Minicomputer iPad die Bewegungsprofile ihrer Nutzer speichern - weltweit und vor allem langfristig. Mit dem "iPhoneTracker", das die IT-Experten Pete Warden und Alasdair Allan dafür auf ihre Webseite stellten, konnte zudem jeder Nutzer selbst auf einer interaktiven Karte verfolgen, wo er sich bewegt hat. Apple schwieg sich aller Kritik zum Trotz aus.
Der in Deutschland für den US-Konzern zuständige Datenschützer Thomas Kranig zeigte sich über das Aufzeichnen sogenannter Geo-Daten durch Apple äußerst besorgt. "Wenn ich mich in die Rolle des Nutzers hineinversetze, dann würde ich mich jetzt einfach unwohl fühlen", sagte er der Nachrichtenagentur dapd in Ansbach. Sein Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht ist für Apple zuständig, weil die deutsche Dependance in Bayern sitzt. Kranig gab an, die hiesige Vertretung von Apple zur Aufklärung der Affäre aufgefordert zu haben.
Nach ersten Erkenntnissen sammeln die Geräte von Apple, die sich mit dem Mobilfunknetz verbinden können, keine präzisen Ortsangaben. Nach übereinstimmenden Berichten von Fachzeitschriften werden allein die Daten über die Funkzellen erfasst, in denen sich Nutzer mit iPhones und iPads bewegen. Von einer Erfassung der auf wenige Meter genauen Koordinaten, die GPS-Empfänger via Satelliten liefern können und die in den iPhones und iPads serienmäßig eingebaut sind, war keine Rede.
Weltweit Millionen Nutzer betroffen
"Bisher war es immer so, dass man sich bei einem Dienst, der die Geo-Daten der Nutzer erfasst, frei anmelden konnte – wenn man dem Dienst vertraut. Genau das passiert hier aber nicht", sagte der Handyexperte der Fachzeitschrift "c"t", Jörg Wirtgen, im Gespräch mit dapd. "Man kann sich von der Datenerfassung durch Apple bisher nicht abmelden. Das trifft weltweit Millionen Nutzer." Im Unterschied zu vielen anderen Programmen und Geräten, die diese Daten speicherten, werde zudem ein "sehr vollständiges" Profil der Bewegungen aufgezeichnet, weil heute "viele ihre Handys immer dabei haben". Wirtgen: "Ich weiß nicht, wie viele Scheidungsanwälte auf die Bewegungsprofile der jeweiligen Partner scharf wären."
Warden und Allan notierten zu ihrem Programm "iPhoneTracker", das "drängendste" Problem an der Datenerfassung durch Apple sei, dass die Daten in einer "leicht lesbaren Form" auf den Computern der Nutzer abgelegt würden: "Jedes andere Programm, das Sie laufen lassen, oder jeder andere Nutzer, der Zugriff auf Ihren Rechner hat, kann Einblick nehmen." Das "eher grundsätzliche" Problem sei, "dass Apple die Daten überhaupt sammelt". Warden und Allan gaben aber auch an, dass es bisher keine Hinweise darauf gebe, dass Apple die Daten auch anderorts speichere, etwa auf den eigenen Servern im Netz.
"Apple weiß schon seit einiger Zeit von dem Problem"
Apple äußerste sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Experte Wirtgen sprach hingegen davon, dass das Problem "einigen Leuten schon vor einigen Monaten bekannt war". Es sei aber es jetzt hochgekocht. "Apple weiß also schon seit einiger Zeit von diesem Problem", sagte der Technikjournalist. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte am Donnerstag den Konzern. Wie eine Sprecherin der dapd sagte, müssten Nutzer "selbst entscheiden können, wann persönliche Daten erhoben werden". Apple habe nun eine "Bringschuld".
Auch das Bundesverbraucherministerium um Ilse Aigner (CSU) forderte Apple auf: "Das Unternehmen muss zu den Vorwürfen Stellung nehmen." Der Sprecher für Innen- und Netzpolitik der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, bezeichnete die Datenverarbeitungspraxis von Apple als "intransparent". Das Unternehmen "spielt mit dem Vertrauen seiner Nutzer", erklärte er in Berlin. Apples Praxis sei "schlicht das Gegenteil informationeller Selbstbestimmung und eine Einladung zum Missbrauch der Informationen durch wen auch immer".
Auch Verschlüsselung der Daten kein Apple-Standard
Offen blieb, warum Apple die Daten automatisch speichert - was ohne ein noch nicht veröffentlichtes Update für die Geräte auch künftig geschieht. Warden und Allan spekulierten, der Konzern könne an einem Dienst arbeiten, der Daten dieser Art brauche. Handyexperte Wirtgen sagte: "Vielleicht geht es um ortsbezogene Anzeigen, um Werbung von einer Tankstelle oder einem Restaurant, das man häufig besucht hat."
Als schnelle Möglichkeit, die Daten zu schützen, empfahl Wirtgen, in der Apple-Software "iTunes" für den Abgleich der Daten einzustellen, dass Sicherungen verschlüsselt gespeichert würden. "Das ist bisher nicht Standard, sondern muss von den Nutzern nachträglich extra gewählt werden", sagte der Technikjournalist. "Nach allem, was wir bisher wissen, ist ein Auslesen der Daten dann nicht mehr möglich.".
Sehr gutes Quartalsergebnis
Apple selbst gab am Mittwoch bekannt, seinen Gewinn im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fast verdoppelt zu haben. Der Konzern verdiente fast sechs Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte Apple etwa drei Milliarden Dollar verdient. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um satte 83 Prozent auf 24,67 Milliarden Dollar. Grund waren sprunghaft gestiegene iPhone-Verkaufszahlen.
Im zweiten Quartal verkaufte Apple nach eigenen Angaben 18,65 Millionen iPhones - und damit mehr als doppelt so viele im Vergleichsquartal 2010. Schlechter als erwartet fiel die Bilanz beim iPad aus. Die Verkaufszahlen fielen auf 4,69 Millionen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres hatte Apple noch 7,33 Millionen iPads verkauft. (afp/dapd)
01:11
Steveboy möchte eben alles über euch wissen. In der katholischen Kirche macht man dies umständlich mit der Beichte. Es lebe der Fortschritt! hähä ;-)
11:16
#24 @nie88
zu Nebenwirkung fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker....
Aha, soweit zum Thema: Ich habe keine Werbung ;-)
Ist schon skurril, wie schnell man sich innerhalb von nur 2 Beiträgen selbst in die Pfanne des Widerspruchs hauen kann, puhhaaahaa :-D
09:18
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
08:03
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
21:52
#21 @nie88
Mensch, Sie sind ja ein richtiger Held. Ich bin ja so etwas von beeindruckt, gähn.
Wahrscheinlich brauchen Sie auch kein Licht in der Wohnung, denn man könnte man Sie ja von draußen sehen.
Wenn ich das wollte, könnte ich auch einfach die Werbung abstellen. Will ich aber nicht, solange mich nicht irgendwelche dämlich einfliegenden und obernervigen Werbebanner von der Westen eingestellt werden ;-)
Sie müssen ja ein ganz schön gebranntes Kind sein.
12:57
@ #13 von Relativitaet_ist_relativierbar
muss sie Enttäuschen^^wenn ich suche dann mit MetaGer^^und Werbung am Rand gibt es bei mir auch nicht...bekomme in meinem E-Mail acc nicht mal Werbung^^
Mache kein online Banking...kaufe nicht im Netz..zahle nie mit Karte und habe kein Handy...geht alles, also sind die über mich gesammelten Daten auf ein Minimum beschränkt!
11:00
Bei den Menschen, die sich heute durch Reklame etc. als Konsumenten manipulieren lassen und ihr Ego über Markenartikel definieren, findet bzw. fand offensichtlich keine Konfrontation mit den Eltern statt, bei der sich hinsichtliche Manipulationen (auch Erziehung genannt) immer wieder zur Wehr gesetzt wird und wurde (was ja normal ist). So gesehen ergeht es diesen werbegläubigen Geschöpfen, nicht viel anderes als einem Drogenabhängigen dem es ganz schwer fällt, NEIN zu sagen. Der Zug der Erziehung und der Bildung ist da leider abgefahren und die Werbeindustrie hat das erkannt und daraus eine große Zielgruppe kreiert. Z.B. ist der dämlich klingende Slogan ...ich bin doch nicht blöd ein richtig genialer Schachzug der Werbeindustrie. Wer dort einkauft, ist doch nicht blöd, egal wie blöd er auch in Wirklichkeit ist und was für einen angeprisenen Stuss er auch kaufen mag, er kauft jedesmal, wenn er dort einkaufen geht die Intelligenz kostenlos mit ein ;-) Glauben Sie mir, auch wir sind mehr oder weniger Werbegeschädigte. Ich wette, Sie kennen den ein oder anderen Werbejingle aus Ihrer Kindheit wortwörtlich und können ihn wohlmöglich noch trällern.
Jede Gesellschaft kriegt das was sie verdient. Das war immer so und das wird sich auch wieder ändern, ganz sicher. Die Frage ist nur mal wieder: Wird es besser oder schlechter?
10:10
#18, wenn sie in der Lage sind, über ihren Konsum selbst zu entscheiden, dann sind wir uns doch einig.
Probleme habe ich lediglich mit Zeitgenossen, die ohne eigene Gedanken nur noch als Zielgruppe funktionieren.
Ich möchte jedenfalls nicht nur als Produzent und Konsument fungieren und mich mit jedem Reklametrick manipulieren lassen!
08:49
#17
@Humankapital
Ach so einer sind Sie. Nur eine Frage noch, wie können Sie dann mitreden, wenn Sie das alles nicht kennen, wovon Sie da schreiben? Es soll z.B. Leute geben, die delegieren mit dem Handy, damit sie sich die Fahrten mit dem Auto sparen können. Es ist wie immer alles relativ vom Standpunkt des Betrachters. Sie scheinen einen STP zu vertreten, der für Ihr Leben passend scheint, das lässt sich aber nicht auf alle, eins zu eins übertragen, denn sonst wäre wir alle wie Georges Orwell, 1984, alle gleich und gefügig. Diese Abhängigkeit sehe ich bei apple und Co nicht im Ansatz, da jeder immer noch darüber frei entscheiden kann, was er sich mit seinem Geld kaufen kann und was nicht. Scheinbar haben Sie aber mit dieser Freiheit der Anderen ein Problem. Warum, frag ich mich?
08:22
#16, vielen Dank für ihre Reaktion.
Ich versuche meine Einkäufe an meinem persönlichen Nutzen zu orientieren und nicht an Werbestrategien.
Ein Mobiltelefon besitze ich daher nicht, weil sich mir der Sinn der ständigen Erreichbarkeit und der damit verbundenen Schwatzsucht nicht erschließt.