Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Gamescom

Gratisspiele können für achtlose Nutzer zur Kostenfalle werden

17.08.2012 | 18:43 Uhr
Probespielen auf der Gamescom in Köln: Die Messe hat noch bis Sonntag für die Fans von Computerspielen geöffnet.Foto: Getty

Köln.   Umsonst-Angebote im Internet sind ein Trend bei der Spielemesse Gamescom in Köln. Trotzdem können sie für Kinder und Eltern teuer werden. Verbraucherschützer kritisieren darüber hinaus den oft laschen Datenschutz bei Gratisangeboten für junge Spieler im Netz.

Gratisspiele sind einer der großen Trends auf der diesjährigen Gamescom, Europas größter Messe für Video- und Computerspiele, die bis Sonntag bis zu 300 000 Besucher in Köln erwartet. Für kleines Geld können Spieler die Umsonst-Software aufwerten – für die Hersteller ein riesiger Wachstumsmarkt. Allein im ersten Halbjahr 2012 wurden mit virtuellen Zusatzinhalten 145 Millionen Euro umgesetzt, eine Steigerung von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch Verbraucherschützer monieren, vermeintlich kostenlose Spiele könnten für achtlose Nutzer teuer werden. Zudem lasse der Jugendschutz oft zu wünschen übrig.

Prozess um Schlumpfbeeren

Ein Prozess gegen Apple sorgte vor Kurzem für Aufsehen: Eltern hatten in Kalifornien geklagt. Sie warfen dem US-Konzern vor, nicht genügend darauf hingewiesen zu haben, dass das vermeintlich kostenlose Schlumpfspiel „Smurf’s Village“ zusätzliche Kosten verursachen könne. Die Kinder der Klagenden hatten Hunderte Dollar dafür ausgegeben, um die virtuelle Währung des Spiels, die Schlumpfbeeren, zu kaufen. Apple argumentierte, die Eltern hätten die Zugangsdaten zum Onlineladen nicht an ihren Nachwuchs weitergeben dürfen – und unterlag. Der Richter gab den Klägern recht.

Faszination eSport

Dabei geben nur die wenigsten Spieler echtes Geld in Gratisspielen aus. Martin Lorber vom Branchenriesen Electronic Arts (EA) schätzt ihren Anteil auf fünf bis zehn Prozent. Die sind dann aber auch manchmal bereit, mehr Geld zu investieren. Eine kürzlich veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Spieler mehr für Videospiele ausgeben, wenn sie Inhalte nicht auf einmal, sondern in Häppchen bezahlen können. Bekannte Titel wie „Die Siedler Online“, das Burgenbau-Spiel „Stronghold Kingdoms“ oder das Strategiespiel „Command & Conquer Tiberum Alliances“ tragen dem Rechnung. Oft reicht es, fünf Euro im Monat zu investieren, um sich gegenüber anderen Spielern Vorteile zu verschaffen. Und wer noch schneller vorankommen möchte, investiert mehr echtes Geld – für Gold in der Wirtschaftssimulation oder für Waffen im Ballerspiel.

Kritik am oft laschen Jugendschutz

Für solche Geschäfte ist eine Kreditkarte oder ein Online-Bezahlverfahren nötig. Das geht bei Kindern nicht ohne Hilfe der Eltern. Dagegen können junge Nutzer aber auch ohne Mama und Papa Seiten nutzen, auf denen sie persönliche Daten preisgeben. Verbraucherschützer kritisieren den oft laschen Jugendschutz. Carola Elbrecht vom Ver­braucherzen­trale Bundesverband (vzbv) moniert: „Anbieter unterscheiden oft nur unzureichend zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung.“ Der Datenschutz spiele oft nur eine untergeordnete Rolle. „Warum muss ich bei einem Gewinnspiel Namen und Alter angeben? Zur Registrierung reicht doch eine E-Mail-Adresse.“ Alles andere könne dann bei einem möglichen Gewinn eingefordert werden. Gerade Kindern fehle die Einsicht, Acht auf sensible Daten zu geben. Viele Anbieter nutzten das aus.

Video
Köln, 17.08.12: Auf der größten Spielemesse Europas dreht sich alles um neue Hard- und Software für Gamer. Fast alles: In einer eigenen Retro-Schau präsentieren Enthusiasten Kult-Geräte und Spiele aus den Anfangstagen der elektronischen Unterhaltung.

Der vzbv hat Unterlassungserklärungen verschickt, auch an das Internetportal Toggo des TV-Senders SuperRTL. Der Vorwurf auch hier: Werbung und redaktionelle Inhalte seien für Kinder kaum unterscheidbar. SuperRTL sieht das anders. Im Oktober landet der Fall in Köln vor Gericht.

Deutlicher Hinweis auf Kosten nötig

Der Kauf von Zusatzinhalten für Spiele ist für den Bundesverband Interaktive Unter­haltungsindus­trie klar geregelt: „Hier gelten unter anderem der Taschengeldparagraf sowie die sogenannte Button-Lösung für Bestellungen im Internet“, heißt es. Bedeutet: Anbieter müssen deutlich darauf hinweisen, dass Kosten entstehen. Machen sie das nicht, kommt kein Vertrag zustande. Was viele Firmen aber nicht daran hindert, trotzdem abzubuchen. Der Kunde ist dann der Dumme: Er muss sein Geld mühsam zurückfordern.

Sven Frohwein



Kommentare
21.07.2013
04:03
Gratisspiele können für achtlose Nutzer zur Kostenfalle werden
von kapaftich | #3

Gratis Spiele gratis spielen.

19.08.2012
07:56
Gratisspiele können für achtlose Nutzer zur Kostenfalle werden
von kapaftich | #2

Gratis Spiele.

18.08.2012
07:10
Gratisspiele können für achtlose Nutzer zur Kostenfalle werden
von TVtotal | #1

Gratisspiele sind nur so lange Gratis wie man nicht mitspielt!Alle wollen nur das eine und das sind die € der User!

Aus dem Ressort
Westminster für Moschee gehalten - Spott für Ukip-Partei
Twitter-Fauxpas
Der britischen Ukip-Partei ist ein peinlicher Fauxpas auf Twitter passiert: Ein Account der Rechtspopulisten hielt ausgerechnet die weltbekannte Westminister-Kathedrale zunächst für eine Moschee. Die Netzgemeinde reagierte mit Spott und twittert seitdem unter dem Hashtag "#thingsthatarenotmosques".
Twitter-Finanzchef Anthony Noto vertwittert sich erneut
Twitter-Panne
Twittern sollte gelernt sein - vor allem, wenn man für den Social-Media-Riesen arbeitet. Finanzchef Anthony Noto hat erneut die Tücken des Kurznachrichtendienstes kennengelernt. Einen privaten Dialog verschickte Noto nämlich versehentlich öffentlich.
Regierung schließt Anti-Spionage-Vertrag mit Blackberry
Smartphones
Das Düsseldorfer Verschlüsselungs-Unternehmen Secusmart darf vom Smartphonehersteller Blackberry übernommen werden. Darauf haben sich jetzt Bundesregierung und Blackberry laut Medienberichten geeinigt. Blackberry muss hohe Auflagen erfüllen. Denn Secusmart liefert unter anderem das "Merkel-Phone".
Neue Twitter-App spioniert, was noch auf dem Smartphone ist
Datenschutz
Twitter will mehr über seine Nutzer erfahren - etwa, welche Apps sie auf ihren Smartphones installiert haben. So soll der Dienst mit der neuen Version weiter personalisiert werden. Eine Möglichkeit zum Abschalten ist aber vorgesehen - und hier steht, wie es geht.
Facebook lässt Nutzer ein eigenes Werbe-Profil erstellen
Facebook
Facebook will die personalisierte Werbung verbessern – und wertet dafür benutzte Apps und Seiten aus. Außerdem werden die Nutzer einbezogen: Sie sollen aktiv ihr eigenes Werbeprofil erstellen. Die nutzerspezifische Werbung lässt sich allerdings auch ausschalten.
Umfrage
Der deutsche Beitrag zum Spenden-Song
 
Fotos und Videos
Fans warten aufs neue iPhone
Bildgalerie
Apple
Das sind iPhone 6 und Apple-Watch
Bildgalerie
Apple-Neuheiten
Erinnerungen an 25 Jahre Game Boy
Bildgalerie
Spielkonsole
Merkel macht Selfies mit Schülern
Bildgalerie
Kanzlerin