Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Twitter-Zensur

Empörte Reaktionen auf Selbstzensur von Twitter

28.01.2012 | 17:48 Uhr
Empörte Reaktionen auf Selbstzensur von Twitter
Harsche Kritik: Twitter hat die Einführung nationaler Filter angekündigt.Foto: dapd

New York.  Twitter hat mit seiner Ankündigung, künftig in einzelnen Ländern vom Gesetz her verbotene Inhalte zu blockieren, massive Kritik ausgelöst. Einzelne Nutzer riefen am Samstag dazu auf, den Online-Kurzmitteilungsdienst zu boykottieren, andere forderten Twitter auf, die Ankündigung der Filter wieder zurückzunehmen.

Der Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter hat mit seiner Ankündigung, künftig in einzelnen Ländern vom Gesetz her verbotene Inhalte zu blockieren, massive Kritik ausgelöst. "Twitter begeht sozialen Selbstmord" (Twitter Commits Social Suicide), hieß es in einer oft zitierten Überschrift zu einem Artikel im Technik-Blog des Magazins "Forbes". Im Internet riefen einzelne Nutzer am Samstag dazu auf, den Online-Kurzmitteilungsdienst zu boykottieren, andere forderten Twitter auf, die Ankündigung der Filter wieder zurückzunehmen.

"Das ist eine sehr schlechte Nachricht", schrieb der ägyptische Aktivist Mahmud Salem. Später fügte er hinzu: "Kann man sagen, dass Twitter uns verkauft?" Und der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei drohte: "Wenn Twitter zensiert, dann höre ich auf zu twittern."

Beispiel: Gesetze in Deutschland und Frankreich

Grund für die massiven Beschwerden war die Ankündigung von Twitter vom Donnerstag, dass künftig in einzelnen Ländern gezielt von den Nutzern verbreitete Meldungen gelöscht werden können, wenn sie dort gegen Gesetze verstoßen. Im Rest der Welt seien die Tweets weiterhin zu lesen, wurde hinzugefügt, um erst gar nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, Twitter wolle zensieren. Als Beispiele für Fälle, in denen so etwas vorkommen könne, wurden ausdrücklich Gesetze in Frankreich und Deutschland genannt, wo Nazi-Inhalte verboten seien.

Twitter verwies auch auf den Umstand, dass es bislang nur möglich sei, einzelne Nachrichten global zu löschen. Künftig werde man, wenn ein Eintrag entfernt werde, ähnlich wie der Suchmaschinenbetreiber Google, auch einen Hinweis posten und genau erklären, warum welche Mitteilung gelöscht worden sei. "Wir versuchen, Inhalte zu bewahren, wann und wo immer es uns möglich ist", erklärte das Unternehmen.

Kritik von Aktivisten im Nahen Osten

Die Proteste kamen nun besonders aus Ländern, wo Twitter gerne von Dissidenten genutzt wird. Aufrufe zu einem Boykott von Twitter kamen etwa aus dem Nahen Osten oder aus Kuba. "Das ist eine beunruhigende Entscheidung", schrieb der marokkanische Blogger Larbi Hilali. "Wenn das umgesetzt wird, dann gibt es ein Twitter für demokratische Länder und ein Twitter für die anderen." Wenn Twitter auf Forderungen von Regierungen reagiere, dann seien die Bürger die Verlierer, schrieb die kubanische Bloggerin Yoani Sanchez und kündigte aus Protest einen eintägigen persönlichen Twitter-Boykott an.

Kritik kam auch von der Organisation Reportern ohne Grenzen. In einem Schreiben an Twitter-Geschäftsführer Jack Dorsey wurde das Unternehmen aufgefordert, die Entscheidung wieder zurückzunehmen. Wenn die Firma sich Zensoren anpasse, dann nehme sie Dissidenten in repressiven Ländern ein wichtiges Mittel der Information und Organisation. Die Position von Twitter, dass Meinungsfreiheit von Land zu Land verschieden interpretiert werde, "ist inakzeptabel". "Wir sind sehr enttäuscht von dieser Kehrtwende." (dapd)


Kommentare
29.01.2012
20:00
Empörte Reaktionen auf Selbstzensur von Twitter
von holmark | #1

Empörte Reaktionen nutzen nichts bei Zensur. Die Zensoren sitzen am längeren Hebel...

1 Antwort
Empörte Reaktionen auf Selbstzensur von Twitter
von Rubicone | #1-1

Was man auch in dieser Jour.naille vor Augen geführt bekommt.

Aus dem Ressort
Öffentliche Banken fordern internationale Regeln für Bitcoin
Bitcoin
Die Digitalwährung Bitcoin soll unabhängig machen von Banken. Doch die jüngsten Pleiten zeigten, wie riskant die Idee sein kann. Ende 2013 war der Kurs auf mehr als 1150 Dollar geschnellt, nachdem ein Bitcoin ein Jahr zuvor 13 Dollar gekostet hatte. Bankenvertreter dringen auf internationale Regeln.
Grünen-Politikerin Höhn fordert Sperrsystem für Handys
Handys
Grünen-Politikerin Bärbel Höhn will Handy-Besitzer besser schützen. Sie spricht sich für ein Sperrsystem aus, dass in England und Australien längst normal ist. Dort kann bei Diebstahl anhand einer Identifikationsnummer das gesamte Gerät lahmgelegt werden. Dieses System müsse Pflicht werden.
NRW-Justizminister kämpft gegen Abzocke in Kinder-Apps
Verbraucher
Gratis-Apps für Kinder kommen Eltern oft teuer zu stehen, weil sie am Ende gar nicht gratis sind. In-App-Käufe reizen zum schnellen Kauf von Zusatzleistungen. NRW-Minister Kutschaty (SPD) fordert App-Schmieden jetzt auf, solche Kostenfallen zu schließen — ansonsten poche er auf ein Gesetz.
Kanadier wegen Datendiebstahls mit "Heartbleed" festgenommen
Sicherheit
Im Zusammenhang mit der "Heartbleed"-Sicherheitslücke im Internet ist es in Kanada zu einer Festnahme gekommen. In der Provinz Ontario wurde ein Student in Gewahrsam genommen, der die Sicherheitslücke in der Software OpenSSL ausgenutzt haben soll - um an Sozialversicherungsnummern zu kommen.
„Heartbleed“ gefährdet weiterhin zahlreiche Websites
Sicherheitslücke
Zahlreiche Websites sind noch immer von der gravierenden "Heartbleed"-Sicherheitslücke betroffen. Kleine Internetseiten, etwa von Online-Shops oder Vereinen, sind wegen der OpenSSL-Lücke offenbar stark gefährdet. Derweil wurden umfangreichere Suchen nach anfälligen Servern registriert.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

 
Fotos und Videos