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Ein Kopf darf kein hirnfreier Raum sein

14.07.2009 | 18:54 Uhr
@Phylu: Ein Krieg darf kein gefechtsfreier Raum sein... Foto: Jens Schlueter/ddp
@Phylu: Ein Krieg darf kein gefechtsfreier Raum sein... Foto: Jens Schlueter/ddp

Essen. "Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein", klagte Ursula von der Leyen. Mit diesem Spruch brach die Familienministerin nicht nur eine Debatte vom Zaun, sondern kassierte kreative Winks mit dessen Pfählen. Dabei wurde klar: Die Twittergemeinde hält von dem Spruch nichts bis gar nichts.

Ein Satz so ansteckend wie die Schweinegrippe: „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein." Die Worte grassieren epidemisch. Die deutsche Twitter-Gemeinschaft trägt sie weiter, denkt sie fort: „Ein Stall darf kein knechtfreier Raum sein!“, findet Twitterer @phneutral.

Naheliegend - betrachtet man diese Aussage aus ahnungslosen Kuhaugen. Zäumt man die Kuh jedoch von hinten auf, sieht das Ganze schon wieder anders aus: Melkmaschinen verbannten die warmen, sanften Hände der Mägde von den empfindsamsten Teilen der Kühe. Sollten nun auch Maschinen den Knecht verdrängen, brauchen unsere Kühe bald einen Psychologen, damit die Milch nicht sauer wird. Insofern hat die Forderung von @phneutral einen durchaus ernst zu nehmenden küchenpsychologischen Ansatz.

Die kathartische Wirkung der Poesie

Kulturkritisch geht @flashquote ans Thema heran: "Das Theater darf kein Brecht-freier Raum sein!" Wie viele andere belebt dieser Tweet den ehemals blutleeren Satz-Zombie mit Poesie. Auch wenn der Bertholt ein ganz hartgesottener Bursche war - ein Theater ohne kathartische Tränengewalt würde auch ihm nahe gehen.

Gestalt nimmt das Frankenstein’sche Monster unter den Händen von @grosser_zampano an: „Ein Kopf darf kein hirnfreier Raum sein.“ Da ist der große Zampano ganz auf gleicher Linie mit Frankenstein himself: Selbst der große Meister hat seinem grünen Monster etwas unter die Haube gepackt, wie unschwer an der zackigen Naht und den kleinen Schräubchen zu sehen war. Einmal mit Hirnmasse und Lebensenergie gefüllt, wandelt das Satzmonster mit schaurigem Lachen durch die Twitter-Welt: „Das Gefängnis darf kein echt freier Raum sein.“ (@altpapier) - „Ein Karpfenteich darf kein hechtfreier Raum sein.“ (@dive2b3) – „Ein Mob darf kein flashfreier Raum sein.“ (@termin8r).

Ausgewiesen gute Ideen

Auch wenn man bei dem – aus Frauensicht fragwürdigen - Statement „Eine Hose darf kein gemächtfreier Raum sein.“ von @termin8r über Praxistauglichkeit und (guten) Geschmack streiten darf, sind die Leckermäuler mit ausgewiesen guten Ideen nicht weit: „Mein Magen darf kein Schoko-Keks-Freier-Raum sein.“ (@hbde) – „Meine Tasse darf kein koffeinfreier Raum sein.“ (@gonium) – „Der Grillplatz darf kein rauchfreier Raum sein.“ (@wdso) – „Und der Grill darf kein wuerstchenfreier Raum sein.“ (@mies1234)

Bedenkt man, dass dies alles Voraussetzungen dafür sind, dass wir arbeits- und ausbeutfähig bleiben, sind diese Forderungen für den Sozialstaat genauso ernst zu nehmen wie Frau von der Leyens. In diesem Sinne: Hoch die Würstchen - äh, Tassen. Und: Die Autobahn sollte ein blechfreier Raum sein! 

Maike Rellecke

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Kommentare
02.08.2009
13:40
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.07.2009
23:11
Ein Kopf darf kein hirnfreier Raum sein
von phneutral | #2

Der Frau Laien hilft man doch gern :)

14.07.2009
16:34
Ein Kopf darf kein hirnfreier Raum sein
von Katharina.Borchert | #1

Herzlichen Dank für die Lacher am Nachmittag.

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