Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Internet-Umbau

Datenschützer kritisieren neuen Internetstandard IPv6

06.06.2012 | 12:47 Uhr
Datenschützer kritisieren neuen Internetstandard IPv6
Mit dem neuen IP-Adressenstandard erhält jedes Gerät lebenslang einen festen Zahlencode.Foto: dapd

Berlin.  Das Internet wird umgebaut: Damit die IP-Adressen nicht ausgehen, stellen Provider und Seitenbetreiber auf den neuen Internetstandard IPv6 um. Internetfähige Geräte haben dann einen festen Zahlencode - was Datenschützer auf die Barrikaden bringt.

Feste IP-Zahlencodes mit unzähligen Nullen: Für den Verbraucher völlig unbemerkt haben IT-Konzerne am Mittwoch hinter den Kulissen damit begonnen, das Internet umzubauen. Erste Provider, Seitenbetreiber und Hersteller von Internetgeräten schalteten zusätzlich zum bisherigen Standard für IP-Adressen IPv4, dessen Adressspektrum bereits zur Neige geht, das neue IPv6 auf. Statt vier Milliarden Zahlencodes, die Geräte bei ihrer Einwahl ins Netz brauchen, stehen nun 340 Sextillionen und so schier unendlich viele Adressen bereit - eine 340 mit 36 Nullen.

Als einer der ersten Konzerne hatte Google bereits in der Nacht zu Mittwoch IPv6 dauerhaft eingeschaltet. "So wie einem Telefonnetz die Rufnummern ausgehen, so geht dem Internet derzeit die IP-Adressen aus", erklärte Google-Manager Vint Cerf, der für die Zukunftsarbeit des Konzerns zuständig ist, in einem Eintrag des Google-Firmenblogs. Weil mit der Umstellung ein mehrjähriger Parallelbetrieb von altem und neuem IP-Standard einhergeht, notierte Cerf: "Heute starten wir das Internet des 21. Jahrhunderts: Sie sehen noch nichts."

Das Internet ist zu voll

Mit IPv6 soll jedes Gerät lebenslang über einen festen Zahlencode ansprechbar sein: Computer und Handys, aber auch Fernseher und Strom sparende Waschmaschinen, die mit dem Energieunternehmen des Nutzers kommunizieren und günstige Zeitfenster ermitteln. Mit diesem "Internet der Dinge" müssen künftig deutlich mehr Geräte ans Netz als bisher. Ins Netz kommen aber schon heute nur noch alle, weil nicht jedes Gerät ständig online ist. Das Internet ist zu voll.

Die neuen, deutlich längeren IP-Adressen setzen sich aus zwei Bestandteilen zusammen: Einer Kennung des Providers und der festen sogenannten MAC-Adresse des einwählenden Gerätes. Datenschützer sorgen sich daher um die Privatsphäre der Nutzer. "Die nach IPv6 vergebenen Internetadressen haben das Potenzial, zu Autokennzeichen für jeden Internetnutzer zu werden und zwar unabhängig davon, wie viele Geräte der Einzelne im Internet verwendet", mahnte etwa erst am Dienstag der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar.

"Das Risiko steigt"

Schaar forderte die Industrie dazu auf, mit dem neuen Standard die "notwendige Sorgfalt" an den Tag zu legen. Auch Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert warnte davor, dass mit dem neuen Internetstandard IPv6 leicht die Anonymität im Netz fallen könnte. "Das Risiko steigt", sagte er der "Frankfurter Rundschau".

Allerdings bringt IPv6 mit einer "Privacy Extensions" genannten Funktion von Hause aus auch einen Sicherheitsstandard mit: Neben der lebenslangen IP-Adresse, die für die gezielte Ansprache etwa im "intelligenten" Haus nötig sein kann, können Geräte auch mit täglich anonymisierten Zahlencodes, den dynamischen IP-Adressen, arbeiten.

(dapd)



Kommentare
Aus dem Ressort
kinox.to-Betreiber sind weltweit zur Fahndung ausgeschrieben
Streaming-Dienst
Mit internationalem Haftbefehl werden jetzt zwei Männer gesucht, die hinter dem als illegal eingestuften Internetportal kinox.to stecken sollen. Die Ermittler sind alarmiert: Möglicherweise sind die beiden Flüchtigen bewaffnet. Deutschland sollen sie schon seit Monaten verlassen haben.
Ungarns Ministerpräsident kippt umstrittene Internet-Steuer
Netz-Maut
Als Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ankündigte, eine Internet-Steuer einzuführen, wurden umgehend Proteste laut. Jetzt rudert der Politiker zurück - und hat die geplante Netz-Maut wieder eingestampft. Grund sei, dass die "Diskussion darüber entgleist ist".
IBM und Twitter werden Partner in der Datenanalyse
Analyse-Software
IBM und Twitter punkteten zuletzt eher selten mit Erfolgsmeldungen. Das Computer-Urgestein tut sich schwer, sein Geschäftsmodell zu modernisieren, und der Kurznachrichtendienst kämpft damit, Geld zu verdienen. Jetzt tun sie sich mit einem Firmen-Angebot zusammen.
Facebook-Star Abu Habib sammelt "Likes" mit lustigen Videos
Unterhaltung
Wenn Abu Habib in Duisburg unterwegs ist, ist keiner vor seinen Streichen sicher. Meist macht er spontan die Handykamera an und dreht einen kurzen Film. Bei Facebook kommen diese Clips gut an. Mehr als 85 000 Fans hat der 26-Jährige mittlerweile. Jetzt wurde auch eine Agentur auf ihn aufmerksam.
Naturschutz digital - Arnsberger Heimatbund ausgezeichnet
Naturschutzpreis
Zum fünften Mal hat die Bezirksregierung Arnsberg einen Naturschutz-Preis ausgeschrieben mit dem Thema „Naturschutz digital“. Trends , die angesichts der aktuellen Medienwelt dem Schutz der Natur ein neues Gesicht verleihen, sollten aufgezeichnet werden. Ein Preis ging an den Arnsberger Heimatbund.
Umfrage
Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Fans warten aufs neue iPhone
Bildgalerie
Apple
Das sind iPhone 6 und Apple-Watch
Bildgalerie
Apple-Neuheiten
Erinnerungen an 25 Jahre Game Boy
Bildgalerie
Spielkonsole
Merkel macht Selfies mit Schülern
Bildgalerie
Kanzlerin