Am häufigsten mit dem iPhone ins mobile Internet
12.04.2009 | 08:00 Uhr 2009-04-12T08:00:00+0200
Frankfurt/Main. Wer ein iPhone hat, geht damit offenbar sehr viel selbstverständlicher und weit häufiger ins Internet als die Besitzer anderer Smartphones. Das liegt nicht nur am Safari-Browser von Apple, sondern auch an der Vielzahl von Anwendungen für das iPhone.
Vor 28 Jahren fing Microsoft mit dem Betriebssystem MS-DOS an, PC-Geschichte zu schreiben. Damit war bald ein Standard gesetzt, der die Software-Entwicklung über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Bei den mobilen Geräten ist die Konkurrenz von Anfang an sehr viel größer. Das macht die Kaufentscheidung schwierig - und bereitet den Entwicklern mobiler Anwendungen erhebliches Kopfzerbrechen.
«Die Fragmentierung nimmt ständig zu», heißt es im Firmenblog von Golden Gekko, einem Londoner Unternehmen zur Entwicklung von Smartphone-Software. Es gebe immer mehr Betriebssysteme für mobile Geräte, immer mehr mobile Browser und immer mehr Anwendungsstandards. Es sei kaum möglich, eine Anwendung gleichzeitig für die fünf wichtigsten Betriebssysteme von Smartphones zu entwickeln und über mehrere Versionen hinweg zu pflegen, klagt Golden Gekko.
Safari-Browser bei der mobilen Nutzung vorn
Geht man nach den Betriebssystemen der verkauften Geräte, so liegt das Nokia-System Symbian nach den jüngsten Zahlen des Marktforschungsinstituts Gartner (4. Quartal 2008) mit 47,1 Prozent immer noch an erster Stelle - trotz eines Rückgangs um 21,6 Prozent binnen Jahresfrist. Danach folgen das Blackberry-System von Research in Motion (19,5 Prozent), Windows Mobile (12,4 Prozent), das iPhone mit seinem Mac-System (10,7 Prozent) und Linux (8,4 Prozent). Zu Linux gehört auch das Google-System Android.
Ein ganz anderes Bild aber ergibt sich, wenn danach gefragt wird, welche mobilen Browser sich im Internet tummeln. Hier lag das iPhone im Februar nach einer Untersuchung von Net Applications mit 66,6 Prozent weit vorn - obwohl mehr Symbian- und Windows-Geräte in den Händen der Verbraucher sind als iPhones. An zweiter Stelle folgten Browser auf Java-Basis (9,1 Prozent), wie das unter anderem auch auf Nokia-Smartphones heimisch gewordene Opera Mini. Auf den nächsten Plätzen rangieren die Browser von Windows Mobile (6,9 Prozent) und Symbian (6,2 Prozent).
Am häufigsten mit dem iPhone ins mobile Internet
Wer ein iPhone hat, geht damit offenbar sehr viel selbstverständlicher und weit häufiger ins Internet als die Besitzer anderer Smartphones. Das liegt nicht nur am Safari-Browser von Apple, sondern auch an der Vielzahl von Anwendungen für das iPhone. Zurzeit erscheinen jeden Tag etwa 200 neue Programme im «App Store», der Software-Abteilung des Online-Shops iTunes. Seit dem Start des App Store im Juli 2008 sind nach einer Zählung des Portals 148apps.com mehr als 30.000 verschiedene Anwendungen erschienen - verglichen mit mehr als 20.000 Windows-Mobile-Programmen im Zeitraum von neun Jahren.
Nach dem Vorbild des App Store basteln auch die anderen Anbieter eifrig an Shop-Modellen für ihre Smartphones. Der «Android Market» für die Google-Phones ist Anfang des Jahres gestartet, die «Blackberry App World» ist soeben gefolgt, allerdings zunächst nur in den USA, Großbritannien und Kanada. Um Start sollen in dieser Woche rund 1.000 Blackberry-Anwendungen bereitgestellt werden. Für Mai ist der «Ovi Store» von Nokia angekündigt, bislang gibt es für Symbian-Programme mehrere Portale. Im September oder Oktober öffnet dann auch ein «Marketplace» von Microsoft für Windows-Mobile-Anwendungen.
Bislang aber gibt der App store für das iPhone den Takt an. Das Angebot ist über die iTunes-Software oder direkt vom iPhone aus zu erreichen, Download und Bezahlvorgang sind schnell erledigt. Die meisten Anwendungen kosten 0,79 bis 10 Euro. Mehr als ein Fünftel der Programme gibt es kostenlos, darunter zahlreiche Light-Versionen von Anwendungen mit größerem Funktionsumfang. Das Angebot ist in 20 Kategorien unterteilt, von Buch bis Wetter. Ein Drittel aller Anwendungen entfällt auf Spiele. Wenn man nicht die Geduld hat, eine Seite nach der anderen durchzublättern, kann man die Volltextsuche bemühen oder sich an den meistverkauften «Top Apps» orientieren - bei den Büchern ist das gerade «Das Kapital» von Karl Marx.
Einschränkungen für Programmierer
Apple stellt für Entwickler ein kostenloses SDK-Paket (Software Development Kit) bereit, behält sich aber vor, alle Programme erst zu prüfen, bevor sie in den App Store eingestellt werden. Eine nützliche Fundgrube ist der Bereich «Produktivität». Unter den mehr als 1.100 Anwendungen finden sich viele, die den Funktionsumfang des iPhones erheblich erweitern. Das Programm «Files» etwa nutzt den WebDAV-Standard, um beliebige Dateien auf dem iPhone bereitzustellen. Für Textbearbeitung und Tabellenkalkulation gibt es mehrere Programme, die den Austausch mit Google Docs unterstützen. Die dort gespeicherten Dokumente können dann auch von jedem anderen Computer aus geöffnet und weiterbearbeitet werden.
Einige Programme deuten allerdings auch auf Einschränkungen hin, denen die Entwickler unterworfen sind. Weil es Apple bislang nicht zulässt, auf Hintergrundprozesse zuzugreifen, haben die zahllosen, oft hübsch programmierten To-Do-Listen oder Erinnerungen für Geburtstage keine Alarmfunktion. Sie laufen in ihrer eigenen «Sandbox», dürfen sich aber nicht auf dem Startbildschirm zu Wort melden oder gar den Nutzer alarmieren, wenn das iPhone im abgedunkelten Standby-Modus ist. Die Entwickler hoffen, dass einige Einschränkungen mit dem für Sommer angekündigten Update auf die Version 3.0 des iPhone-Betriebssystems aufgehoben werden.
"Nicht die beste Technik gewinnt"
Sehr viel freier geht es beim Google-System Android zu, dessen Programme mit Java geschrieben werden, während man für die Entwicklung von iPhone-Software die Programmiersprache Objective-C beherrschen muss. «Jemand, der sich detailliert mit der Technik auskennt, wird das offene Konzept von Android für attraktiver halten», sagt der technische Leiter des auf mobile Lösungen spezialisierten Kölner Unternehmens Sevenval, Roland Gülle. «Aber es ist oft so, dass nicht die beste Technik gewinnt, sondern die beste Vertriebsplattform.» Und da habe Apple mit dem App store einen fast schon genialen Weg gefunden.
Den Unternehmen, die möglichst viele Smartphone-Nutzer erreichen wollen, bleibt nichts anderes übrig, als sich der Fragmentierung der Systeme anzupassen. Nach einer Symbian-Anwendung für den mobilen Preis- und Produktvergleich bei smartshopping.de hat United Internet Media jetzt auch ein iPhone-Programm vorgestellt. Und in Kürze soll dann auch das Android-Pendant folgen. «Es wird sicherlich eine sportliche Herausforderung, den Produktstrategien der einzelnen Hersteller zu folgen und unsere Entwicklungen für die verschiedenen App Stores bereitzustellen», sagt der Leiter für Shopping-Plattformen bei United Internet Media, Daniel Offermann.
Freie Entwickler programmieren trotz der Einschränkungen gern für das iPhone. Das SDK gibt ihnen alles, was sie brauchen, um eine interessante Anwendung zu gestalten, in den App store zu stellen und dann Geld zu verdienen. «Auf Dauer aber wird eine geschlossene Plattform wahrscheinlich nicht die Zukunft sein», sagt Sevenval-Experte Gülle. «Über kurz oder lang werden sich alle Anwender auf den Browser konzentrieren.» Dann wird das Betriebssystem weniger wichtig - genauso wie bei der mit MS DOS begonnenen PC-Entwicklung. (ap)
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