Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Smartphones

Alle gegen Apple - heißer Herbst auf dem Smartphone-Markt

03.09.2012 | 09:01 Uhr
Handyhersteller wollen in Kürze neue Smartphones präsentieren.Foto: dapd

Berlin.   Der nahende Herbst könnte für den Handy-Hersteller Nokia zum Show-Down werden: Jede Menge neue Smartphones sollen in diesem September präsentiert. Nokia hofft auf das Betriebssystem Windows-Phone 8, Apple bereitet den Start des iPhone 5 vor - und sieht sich einer ganzen Reihe 'Gegner' gegenüber.

Die Stände auf der IFA in Berlin werden noch nicht einmal abgebaut sein, wenn auf der anderen Seite des Atlantiks der Reigen der Technik-Neuvorstellungen schon weitergeht: Innerhalb von einer Woche bringen der Handy-Hersteller Nokia, der Internet-Händler Amazon und der Computer-Konzern Apple neue Geräte - nicht auf Messen, sondern auf jeweils eigenen Veranstaltungen.

Den Auftakt machen die Finnen, die am Mittwoch in New York ihr erstes Smartphone mit dem neuen Microsoft-Handybetriebssystem Windows Phone 8 vorstellen wollen. Für den schwer angezählten ehemaligen Marktführer Nokia hängt einiges von der Neuvorstellung ab - die neue Smartphone-Generation könnte vielleicht Nokias letzte Chance sein: Die Spitzenposition bei den Verkäufen haben die Finnen an Samsung verloren, zudem drücken den Konzern herbe Verluste. Allein von April bis Juni machte Nokia unter dem Strich ein Minus von 1,4 Milliarden Euro. Im Handygeschäft brach der Umsatz im Jahresvergleich um 19 Prozent auf gut 7,5 Milliarden Euro ein.

Nokia hofft auf Windows Phone 8

Die erste Generation der Lumia-Handys mit Windows Phone 7 bekam zwar viel Lob von Kritikern, verkaufte sich aber trotzdem schwach. Windows Phone 7 kam nach Daten des IT-Marktforschers Gartner im zweiten Quartal gerade einmal auf einen Marktanteil von 2,7 Prozent. Zum Vergleich: Googles Android-Software dominierte den Markt mit 64,1 Prozent, Apples iOS kam auf 18,8 Prozent.

Nokia wird aber nicht die ersten Firma mit einem Windows-Phone-8-Handy sein - dieser Punkt geht an Samsung. Der mittlerweile größte Handyhersteller der Welt hatte mit dem "Ativ S" bereits am vergangenen Mittwoch ein solches Gerät angekündigt und damit einen kleinen Coup gelandet. Nokia nahm es sportlich: Jede große Show brauche eine Vorgruppe, twitterte Pressechef Doug Dawson. Sollte Nokia aber keinen Hit landen, könnte die Luft für Konzernchef Stephen Elop und das gesamte Unternehmen schnell sehr dünn werden.

Nur einen Tag später, am Donnerstag, lädt Amazon nach Santa Monica in Kalifornien. Was es zu sehen geben wird, teilte der Konzern zwar noch nicht mit - doch alles deutet auf mindestens eine neue Version des Kindle-Fire-Tablets hin.

Amazon auf dem Weg zum Apple-Konkurrenten

So ist das aktuelle Gerät, das bisher nicht in Deutschland angeboten wird, auf der Amazon-Seite derzeit nicht verfügbar. "Ausverkauft", heißt es lediglich in einer Pressemitteilung. Zugleich wird Konzernchef und -Gründer Jeff Bezos mit den Worten zitiert, Amazon habe "aufregende Pläne" und werde den Kunden "weiterhin die besten Geräte" bieten.

Dabei dürfte es Bezos weniger um den Aufstieg im Hardware-Geschäft an sich gehen. Viel mehr zahlt Amazon nach Einschätzung von Analysten beim Kindle Fire möglicherweise sogar drauf: Das Gerät kostet in den USA weniger als die Hälfte des Apple iPads. Dafür kann der Onlinehändler aber immerhin für seine eigenen Geräte die Inhalte wie E-Books und elektronische Zeitschriften verkaufen. Nutzer des iPads shoppen nur im konzerneigenen iTunes-Laden - und nicht bei Amazon .

Um als Händler des digitalen Lese- und Hörstoffs nicht abgehängt zu werden, dürfte Bezos also weiter in die eigene Geräte-Serie investieren. Und der bisherige Erfolg der Kindles scheint ihm recht zu geben: Die meistverkauften Produkte bei Amazon waren im vergangenen Jahr nach seinen Worten die verschiedenen Kindle-Versionen.

Auch Apple vor Modellwechsel

Zudem könnte das neue - oder das alte - Kindle Fire demnächst auch nach Europa kommen. Darauf deutet hin, dass Amazon seinen App-Laden in der vergangenen Woche für Nutzer in Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich und Spanien freigeschaltet hat. Hier können Apps für Android-Handys und -Tablets heruntergeladen werden.

Den Reigen beschließen wird am 12. September Apple. Wie immer verrät auch der inzwischen zum wertvollsten Unternehmen der Geschichte aufgestiegene Computerkonzern nicht, was er zeigen will. Allerdings wäre es Zeit für den jährlichen Modellwechsel beim iPhone. Und auch über eine neue Version des iPad-Tablets wird im Internet munter spekuliert.

Vor allem der Konkurrent Samsung greift Apple derzeit mit einer ganzen Phalanx von neuen Handys an. So stellten die Koreaner allein auf der IFA zwei neue Modelle vor, das "Galaxy Note II" auf Basis der neuesten Android-Version "Jelly Bean" und das "Ativ S". Zudem ist ihr derzeitiges Flaggschiff "Galaxy S III" auf dem Markt sehr erfolgreich und trägt damit entscheidend zur weltweiten Dominanz von Android bei.

Dagegen setzt sich Apple seit längerem mit endlosen juristischen Gefechten um gestohlene Patente und kopierte Geschmacksmuster zur Wehr. Im Gegenzug verklagen Samsung und andere Hersteller Apple. Zuletzt konnten die Kalifornier dabei einen aufsehenerregenden Punktsieg verbuchen: Eine Jury in den USA verurteilte Samsung zu einem Schadenersatz von 1,05 Milliarden Dollar (838 Millionen Euro). Nun dürfte Apple auch wieder mit neuen Produkten angreifen. (dapd)

Neuheiten auf Elektronikmesse
Das Samsung Galaxy S III
Apples neues iPhone 4S

 


Kommentare
03.09.2012
17:45
Alle gegen Apple - heißer Herbst auf dem Smartphone-Markt
von Bahnhofskind | #1

Apple setzt sich nicht "zur Wehr" - wie oben behauptet, sondern versucht mit üblen Tricks, Konkurrenz auszuschalten.

Aus dem Ressort
Grünen-Politikerin Höhn fordert Sperrsystem für Handys
Handys
Grünen-Politikerin Bärbel Höhn will Handy-Besitzer besser schützen. Sie spricht sich für ein Sperrsystem aus, dass in England und Australien längst normal ist. Dort kann bei Diebstahl anhand einer Identifikationsnummer das gesamte Gerät lahmgelegt werden. Dieses System müsse Pflicht werden.
NRW-Justizminister kämpft gegen Abzocke in Kinder-Apps
Verbraucher
Gratis-Apps für Kinder kommen Eltern oft teuer zu stehen, weil sie am Ende gar nicht gratis sind. In-App-Käufe reizen zum schnellen Kauf von Zusatzleistungen. NRW-Minister Kutschaty (SPD) fordert App-Schmieden jetzt auf, solche Kostenfallen zu schließen — ansonsten poche er auf ein Gesetz.
Kanadier wegen Datendiebstahls mit "Heartbleed" festgenommen
Sicherheit
Im Zusammenhang mit der "Heartbleed"-Sicherheitslücke im Internet ist es in Kanada zu einer Festnahme gekommen. In der Provinz Ontario wurde ein Student in Gewahrsam genommen, der die Sicherheitslücke in der Software OpenSSL ausgenutzt haben soll - um an Sozialversicherungsnummern zu kommen.
„Heartbleed“ gefährdet weiterhin zahlreiche Websites
Sicherheitslücke
Zahlreiche Websites sind noch immer von der gravierenden "Heartbleed"-Sicherheitslücke betroffen. Kleine Internetseiten, etwa von Online-Shops oder Vereinen, sind wegen der OpenSSL-Lücke offenbar stark gefährdet. Derweil wurden umfangreichere Suchen nach anfälligen Servern registriert.
Lebenszeichen von StudiVZ - Entwickler planen Neustart
StudiVZ
Gibt es StudiVZ eigentlich noch - diese Frage stellen Nutzer immer häufiger. Das ehemalige Millionen-Netzwerk meldete sich jetzt mit einer Rundmail zurück. Entwickler wollen der Plattform mit einem neuen Design und zusätzlichen Funktionen zu neuem Leben verhelfen.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

 
Fotos und Videos