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RWE verheizt monatlich 36.000 Liter Diesel im Ökostrom-Kraftwerk

15.01.2013 | 17:40 Uhr
RWE verheizt monatlich 36.000 Liter Diesel im Ökostrom-Kraftwerk
Weil es Probleme beim Netzanschluss gibt, müssen Teile der Windkraftwerke zwischenzeitlich mit Notstrom­aggregaten betrieben werden.Foto: WAZ FotoPool/Jakob Studnar

Essen.   Ausgerechnet in Windkraftwerken auf hoher See kommen Dieselgeneratoren zum Einsatz. Das Problem war der Politik bekannt, trotzdem wurde es nicht gelöst. „Dafür ist nicht RWE verantwortlich, sondern ganz klar Schwarz-Gelb“, sagt Grünen-Energieexperte Oliver Krischer und nimmt den Konzern ausdrücklich in Schutz.

Eigentlich sollen Windräder auf hoher See sauberen Strom produzieren. Doch die Realität sieht zuweilen anders aus. Weil es Probleme beim Netzanschluss gibt, müssen Teile der Windkraftwerke zwischenzeitlich mit Notstrom­aggregaten betrieben werden. Statt Öko-Energie zu erzeugen, schlucken die Anlagen Diesel.

Ein Beispiel liefert das Großprojekt „Nordsee Ost“ des Essener Energiekonzerns RWE. Rund 30 Kilometer vor der Insel Helgoland entsteht derzeit eine Anlage mit 48 Windrädern. Eigentlich sollte das Ökostrom-Kraftwerk schon im vergangenen Jahr ans Netz gehen, doch nun rechnet RWE mit einer Verzögerung bis Mitte oder Ende 2014. Als Ursache gelten unter anderem Probleme des niederländischen Netzbetreibers Tennet und des Lieferanten Siemens.

Nun sieht sich RWE dazu veranlasst, auf hoher See Monat für Monat 36.000 Liter Diesel zu verheizen, um einen Generator für das Umspannwerk des Windparks anzutreiben, der eigentlich noch außer Betrieb ist. „Die Umspannstation hat einen Eigenstrombedarf, der normalerweise durch den Netzanschluss auf hoher See gedeckt wird“, sagt Konrad Böcker von der RWE-Ökostromtochter Innogy. „Liegt kein solcher Netzanschluss vor, ist der Eigenstrombedarf auf See nur durch Dieselgeneratoren zu decken.“ Ein längerer Betrieb der Dieselgeneratoren sei zwar „aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht nicht sinnvoll“, räumt er ein. Ohne Stromversorgung allerdings würde das Umspannwerk durch Salzwasser und Seeluft in kürzester Zeit Schaden nehmen, erklärt Böcker. „Die Stromversorgung dient der Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Systeme, wie Luftdruck, Klimatisierung und Beleuchtung.“

„Das ist ein Beispiel für politisches Missmanagement.“

Dass sich die Umspannstation bereits auf See befindet, obwohl sie noch nicht betrieben wird, hat mit den Schadenersatzregeln zu tun, die von der schwarz-gelben Bundesregierung auf den Weg gebracht wurden. „Dafür ist nicht RWE verantwortlich, sondern ganz klar Schwarz-Gelb“, sagt Grünen-Energieexperte Oliver Krischer und nimmt den Konzern ausdrücklich in Schutz. „Das ist ein Beispiel für politisches Missmanagement.“

Die schwarz-gelbe Koalition hatte kürzlich beschlossen, Haftungsrisiken für verspätete Netzanschlüsse an die Verbraucher weiterzugeben. Stromkunden sollen einen Aufschlag von bis zu 0,25 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr können also zehn Euro zusätzlich beim Strompreis anfallen. Dass Energieunternehmen in Windkraftwerken auf hoher See Dieselgeneratoren einsetzen, um eine Entschädigung zu erhalten, war absehbar. „Das Problem ist bekannt“, betont Andreas Wagner, Geschäftsführer der wirtschaftsnahen Stiftung Offshore-Windenergie. „Auch EnBW musste bereits im Winter 2010 einen Windpark mit Hilfe eines Notstromaggregats am Leben halten, da sich der Netzanschluss bis zum Frühjahr 2011 verzögerte.“

Erfolglose Bemühungen

Doch Bemühungen, wichtige Details der schwarz-gelben Entschädigungsregeln zu verändern, blieben erfolglos. „Wir haben vorgeschlagen, dass die Umspannplattform transportbereit an der Kaikante stehen sollte und nicht unbedingt schon auf hoher See installiert werden muss, um die Betriebsbereitschaft des Offshore-Windparks nachzuweisen“, sagt Wagner. „Wir konnten uns leider nicht durchsetzen.“

Der Grünen-Abgeordnete Krischer rechnet damit, dass die seiner Ansicht nach „absurde Regelung“ nun eine Weile in Kraft sein wird. „Ich kann nur hoffen, dass es möglichst wenige Fälle geben wird“, sagt er. Doch in Nord- und Ostsee stehen noch fast 100 Windparks vor ihrer Genehmigung – und bislang ist kaum absehbar, dass es künftig weniger Probleme beim Netzanschluss geben wird.

Ulf Meinke

Kommentare
16.01.2013
15:46
Energiewende? Nein danke!
von fuffzigpfennig | #8

Manchmal wünsche ich mir, das alles ist nur ein schlimmer Öko-Alptraum, aus dem ich jeden Moment aufwachen kann! Aber es ist leider traurige...
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4 Antworten
RWE verheizt monatlich 36.000 Liter Diesel im Ökostrom-Kraftwerk
von Optio | #8-1

Die Grünen sind die Nachfolger Morgenthaus.

Wirtschaft & Co.
von totti0405 | #8-2

@ fuffzigpfennig:

Zum Thema "Wirtschaft vor die Wand fahren" siehe zum Beispiel:

http://www.focus.de/finanzen/karriere/berufsleben/arbeitsmarkt-jobboom-bei-erneuerbaren-energien_aid_561660.html

Wandern Sie doch nach Südeuropa aus, wenn Sie meinen, dass dort die wirtschaftliche Situation (inkl. der Ihrigen) besser ist. Oder nach Osteuropa, wenn Sie meinen, dass es sich dort billiger, besser und sicherer leben lässt. Oder aber nach Nordeuropa - aber gehen Sie nicht davon aus, dass Sie dort billiger wegkommen (Energiekosten, Benzin, Lebensmittel, Miete etc. pp.). Außerdem sind in Skandinavien "Gesellschafts-Hasser" nicht gerne gesehen.

RWE verheizt monatlich 36.000 Liter Diesel im Ökostrom-Kraftwerk
von fuffzigpfennig | #8-3

Meinen Sie das wirklich ernst? Diese Nutzlos-Strom-Jobs entstanden auf Kosten der allgemeinen, produktiven Wirtschaft, rein basierend auf Subventionsgrundlage und zulasten der Endverbraucher und folglich unseres Wohlstandes! Demnächst schlagen Sie noch vor, es wäre wirtschaftlich fördernd, das ganze Volk zu vergiften, weil dann Jobs in der Bestatterbranche entstehen! Die Öko-Lobbyisten sind die Totengräber unserer Wirtschaft!

Und finanzielle Gründe ständen bei einer Auswanderung meinerseits längst nicht an erster Stelle, es sind selbsternannte Volkserzieher, ************en, Ökoträumer, Moral- und Gesundheitsapostel wie Sie, die zum weglaufen sind! Sowas vermehrt sich in kaum einem anderen Land so rasant! Die zukünftigen Energiekosten werden lediglich den Startschuss abgeben!

Bei Energiekosten, Benzin- und Immobilienpreisen nimmt Deutschland doch bereits Spitzenplätze ein, was soll sich da (wo auch immer) zum negativen verändern?



Ernsthaftigkeit
von totti0405 | #8-4

Na klar, alle anderen Jobs kommen natürlich völlig ohne Subventionen aus, zum Bsp. vor allem im Bereich Kohle und Bergbau. Und was das Thema "Landschaft verschandeln" angeht: Na klar, da haben Sie auch Recht, da ist uns allen doch ein Braunkohletagebau 1000 mal lieber als Windräder. Oder der ganze Atommüll, den keiner vor der Tür haben will (Oder ist da was an mir vorbeigegangen - ist die Endlagerfrage mittlerweile geklärt?)

Wo wir gerade beim Thema sind: Ziehen Sie doch nach Japan. Soll im Moment sehr beliebt sein!

Ich finde es hier sehr erträglich - im Gegensatz zu Ihnen. Wie gesagt, wenn Sie meinen, dass Sie irgendwo bessere Menschen sowie bessere und günstigere Lebensbedingungen mit florierender Wirtschaft finden, dann nur zu. Lassen Sie es mich unbedingt wissen!

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RWE verheizt monatlich 36.000 Liter Diesel im Ökostrom-Kraftwerk
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2013-01-15 17:40
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