Die Zinsen ans Wachstum koppeln

Sollte Griechenland ein Teil der Schulden erlassen werden?

Nein, ohne ein Fortsetzen des Reformkurses wäre Griechenland dann in wenigen Jahren wieder überschuldet. Und sowohl bei der Bundesregierung als auch in Europa fehlt dafür der Rückhalt. Deshalb sollte man auf andere Art verhindern, dass Griechenland wieder zahlungsunfähig wird. Wir schlagen deshalb vor, die Kreditzinsen künftig an das Wachstum der griechischen Volkswirtschaft zu koppeln. Fällt dieses gering aus, bräuchte das Land nur wenige Zinsen zu zahlen, bei größerer Dynamik mehr. Damit würde nicht nur die Zahlungsfähigkeit verbessert, sondern die griechische Regierung müsste endlich Eigenverantwortung für die Reformen übernehmen. Langfristig würde dies die Wachstumschancen Griechenlands verbessern, und letztlich auch uns Deutschen helfen, mehr unserer Forderungen zurückzubekommen.

Gibt es eine Chance für das Land, durch mehr Wachstum vom Schuldenberg runterzukommen?

Ein anderer Weg existiert realistischerweise nicht. Allerdings sind Wachstumsraten von vier Prozent oder mehr über einen Zeitraum von zehn Jahren nötig.

Das klingt illusorisch.

Keineswegs, denn die Wirtschaftskraft ist seit Beginn der Krise um ein Viertel eingebrochen. Diesen Verlust kann das Land auch wieder aufholen. Es gibt ein riesiges Potenzial. Viele Arbeitskräfte sind gut ausgebildet, und die Unternehmen können wesentlich mehr leisten als gegenwärtig.

Ist Griechenland am Ende diesen Jahres noch im Euro?

Ja, denn beide Seiten wissen um die gigantischen Schäden, die ein Austritt verursacht. Die Regierung in Athen schießt sich nicht selbst ins Knie, indem sie den Staatsbankrott heraufbeschwört. Und Europa weiß, dass man dann sehr große Kreditsummen als Verlust abschreiben müsste. Diese Variante sollten wir zu den Akten legen und uns auf die Reformen konzentrieren.