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Die Vision einer Welt ohne Bargeld wird konkret

23.01.2016 | 05:34 Uhr

Davos. Eine klare Botschaft haben die deutschen Verbraucher vom heute endenden Treffen der Topmanager in Davos erhalten: Sie werden sich allmählich auf den Abschied vom Bargeld einstellen müssen. Denn Bargeld wird nach Ansicht von Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan in den nächsten zehn Jahren verschwinden.

Bei der 46. Ausrichtung des Managergipfels, die am heutigen Samstag zu Ende geht, richten rund 2500 Unternehmensvorstände, Manager, Politiker, Regierungschefs und Wissenschaftler ihre Blicke auf die nächsten Jahrzehnte. Dabei ging es auch um die Transformationen, die in den nächsten Jahren auf die Finanzwirtschaft zukommen und darum, wie die Bürger in Zukunft bezahlen und Finanzgeschäfte abwickeln.

Bargeld spielt in dieser Betrachtung offenbar keine nennenswerte Rolle mehr: „Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient“, sagte Deutsche-Bank-Manager Cryan. Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern. Der Manager sprach sich dafür aus, das Bargeld komplett zu „dematerialisieren“. Das spare den Banken Kosten und erschwere auch die Geldwäsche.

Die Deutschen hängen an Schein und Münze

Auch Dan Schulman, der Chef des Internetbezahldienstes Paypal, sagte, dass das Geld bald „digitalisiert“ werde. Doch gerade die Deutschen hängen an Schein und Münze. Während etwa Schweden und Dänemark ihren Zahlungsverkehr radikal digitalisieren, zahlen die Menschen in Deutschland nach wie vor vor allem bar: bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel wird mit Bargeld abgewickelt.

„Meines Erachtens wird der Anteil des unbaren Zahlungsverkehrs zunehmen, und trotzdem wird Bargeld bleiben“, bekräftigte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele angesichts des Cryan-Vorstoßes die Faktenlage in Deutschland. Barzahler schätzen es, dass sie einen genaueren Überblick über ihre Ausgaben haben und sich beim Bezahlen keine Sorgen über Datenschutz machen müssen.

Auch beim Handelsverband HDE glaubt man nicht an einen schnellen Abschied von Schein und Münze. „Ob und wann das Ende für das Bargeld kommt, entscheiden die Kunden. Der Handel nimmt derzeit noch mehr als die Hälfte seines Umsatzes per Bargeld entgegen“, ließ HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf Nachfrage erklären. „Insofern ist ein Ende noch nicht absehbar, auch wenn die Umsätze mit Kartenzahlungen stetig, aber langsam steigen.“ Dass auch Plastikgeld Risiken birgt, kam erst diese Woche wieder ans Licht: Weil Kriminelle versuchten, an Daten von Kreditkarten zu kommen, tauschten mehrere Banken Zehntausende Karten vorsichtshalber aus.

Daten sind anfällig für Hacker

Als Trend der kommenden Jahre beschrieb Paypal-Chef Schulman eine Zunahme von Banking per Smartphone. Deshalb werde die Datenmenge, die Banken und Finanzdienstleistern über ihre Kunden zur Verfügung stehen, „explodieren“. Und genau das sei eine große Herausforderung, denn Kriminelle könnten grundsätzlich jedes Passwort knacken, das die Kunden zur Sicherung ihrer Konten verwendeten.

Hannes Koch

Kommentare
23.01.2016
09:27
Die Vision einer Welt ohne Bargeld wird konkret
von ulrics | #1

Eigentlich sollte man annehmen, dass wenn der Co-Chef der Deutschen Bank über bargeldlosen Zahlungsverkehr und Geldwäsche spricht, dass er sich vorher...
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