Die ultimative Drohung der EZB

Auf seiner Tour durch Europa hat sich der smarte griechische Finanzminister eine blutige Nase nach der anderen geholt. Von Schäuble hat Varoufakis wohl selbst kein Entgegenkommen erwartet, nachdem er sich so ausgiebig am verhassten Geldgeber abgearbeitet hatte. Wirklich dramatisch ist aber nicht die Abfuhr von Schäuble, sondern die von EZB-Chef Draghi. Er dreht schon nächste Woche den Geldhahn zu und damit früher als nötig. Damit übernimmt Draghi einmal mehr die Rolle der Politik und bestraft Athen für seine Pläne, die EU-Auflagen links liegen zu lassen, noch bevor sie Wirklichkeit werden.

Damit pokert die EZB ebenso hoch wie Varoufakis. Eine mögliche Staatspleite noch zu beschleunigen, ist nicht im Interesse der Gläubiger. Das Zudrehen des Geldhahns ist deshalb als ultimative Drohung an die neue griechische Regierung zu verstehen, endlich einzulenken. Dass die EZB gleichzeitig die griechischen Banken mit Notkrediten rettet, ist nur der letzte Anker, der aber nicht lange hält. Die Notkredite sind für die Banken zu teuer und verschlechtern ihre Lage mittelfristig nur. Beide Seiten lassen es also auf einen Showdown ankommen. Es ist ein unwürdiges Pokerspiel um das Schicksal eines ganzen Landes.