Die Schrottsammler kommen
01.06.2007 | 12:38 Uhr 2007-06-01T12:38:26+0200Wie zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise fahren sie mit Lastern durch die Straßen und sammeln alte Fahrräder und Pavillon-Stangen ein. Die Branche ist umkämpft, weil Schrott kostbar ist. China kann davon nicht genug bekommen
Gelsenkirchen. Unter den Schrottsammlern im Ruhrgebiet sind Ute und Sabine Stimmer bekannte Gestalten. "Wir sind die einzigen Frauen, die in Schrott machen", sagt Sabine. Doch nicht nur das. Die beiden sind verheiratet, das erste lesbische Ehepaar in der Region. Ute, 40, nennt Sabine liebevoll "Engelchen". Sabine, 39, ruft Ute stets "Sternchen". Ansonsten ist die Sprache eher rustikal.
"Wir sind eben echte Schrottis", sagt Sabine und hält sich den Rücken. Ein Hexenschuss plagt sie, "hab' ich mir beim Husten geholt, nicht beim Tragen". Seit sechs Jahren sammeln sie in den Städten rund um ihr altes Zechenhäuschen in Gelsenkirchen-Scholven den Schrott der Gesellschaft auf und karren ihn mit ihrem Iveco Turbo-Diesel zu einem Schrottplatz in Bottrop. Zu Beginn haben sie dort 80 Mark bekommen für die Tonne, heute gibt es 90 Euro. Reicher sind sie trotzdem nicht geworden.
Denn mit den steigenden Preisen stieg auch die Zahl der Sammler. "Viele arbeiten schwarz, da sind mehr ohne Gewerbe unterwegs als mit", sagt Ute. Nicht so die Stimmers. "Altmetallentsorgung Stimmer", heißt ihre Firma. Von jeder verdienten Tonne geht Geld für die Berufsgenossenschaft ab, für die Autoversicherung oder den Sprit.
Allein 2006 sind die Preise für wiederverwertbaren Schrott um 60 Prozent gestiegen. Knapp 21,2 Millionen Tonnen waren es, die wieder in den Rohstahlkreislauf flossen. "Das ist der höchste Schrottverbrauch seit der Wiedervereinigung", sagt Burkhard Landers, Präsident des Verbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung.
Der Grund dafür ist schnell gefunden. Es ist der Heißhunger asiatischer Staaten, vor allem Chinas und Indiens, auf den kostbaren Rohstoff. 1998 importierte China knapp zwei Millionen Tonnen Stahl-schrott, davon kamen gerade 382 Tonnen aus Deutschland. 2003 waren es insgesamt bereits 9,3 Millionen Tonnen und 260 000 Tonnen aus Deutschland.
Den Stimmers ist es egal, wohin das kostbare Gut geht. Ihnen ist wichtig, dass der Laster jeden Tag möglichst voll geladen ist. Dafür klappern sie im Wochentakt ihre Stammkunden ab, Kfz-Betriebe, Klempner, Fahrrad- und Computerläden, Elektrohändler oder Schreiner. Wenn das für eine Tagesration noch nicht reicht, machen sie es so, wie zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise vor über 75 Jahren schon Schrott gesammelt wurde. Dann fahren sie mit lauter Musik durch die Straßen. Früher hatten die Schrottsammler Blockflöten bei sich, auf denen sie eine Melodie spielten, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Musik der Stimmers klingt so ähnlich, stammt aber von einer CD aus einem Tonstudio in Gladbeck.
Aus dem eingebauten Lautsprecher unter der Motorhaube dröhnt dann Jim Knopfs "Insel mit zwei Bergen", "Steht auf, wenn ihr Schalker seid" oder die Titelmusik von Pippi Langstrumpf im gewöhnungsbedürftigen Blockflöten-Format durch die Straßen. Immer öfter begegnen die Stimmers dann der sammelnden Konkurrenz. Das lukrative Geschäft mit dem Schrott zieht die Menschen an.
Gegenüber den Neueinsteigern wissen sie allerdings, wann sich das Sammeln wirklich lohnt. "Wenn die Grillsaison beginnt, stellen die Leute die alten Grills auf die Straße." Nach Weihnachten und Zeugnisausgaben lägen alte Fahräder am Straßenrand, weil neue geschenkt wurden. Und nach Stürmen wie Kyrill finde man überall verbogene Pavillon-Stangen. Die Stimmers kennen das Geschäft. "Wir sind eben echte Schrottis", sagen sie noch einmal und es klingt ein wenig Stolz mit.

16:34
der Weltwirtschaft haben auch solche Personen Probleme wegen fallenden Rohstoffpreisen.
Ich habe hier ( www.lightblock.de ) einen kurzen Artikel über deren aktuelle Lage gefunden.
Viele Grüße!