Die hinterfragende Generation Y

Siegen..  Eine Generation folgt auf die andere, das ist der Lauf der Welt. 2017 ist der Golf VIII dran. Die Generation Golf ist allerdings bereits 1970 auf die Welt gekommen. Und sie ist weitgehend identisch mit der Generation X. Bereits geboren ist Generation Z, doch derzeit reden alle über Generation Y. Auch Theo Prinz. Allerdings nicht beim Südwestfälischen Wissensforum am 26. Juni in Siegen. Da referiert der Speaker, Unternehmer und Motivations-Experte unter dem Titel „Das Besondere sehen“ über die Fähigkeit, Chancen zu erkennen, wo andere nur Probleme sehen.

Y klingt wie why, also warum

Aber die Ypsilons hat er schon im Blick. Allerdings spricht er die Generation englisch aus. Nicht weil er selbst sich Speaker nennt statt Sprecher, sondern weil das genau so klingt wie „Why“, also warum. Das passt so gut, weil die zwischen 1980 und 2000 Geborenen diejenigen sind, die, so Prinz, „alles hinterfragen, nichts einfach so hinnehmen“. Und das sei schon eine Herausforderung für Unternehmen, und zwar eine unausweichliche: „Der Kampf der Unternehmer um die Leistungsträger der Generation Y hat längst begonnen.“

Um zu verstehen, wie sie tickt, hilft ein Blick zurück. Die Babyboomer sind heute über 50. Sie haben die Erfahrung der Masse gemacht. Sie wollten aufsteigen. Berufseinstellung laut Prinz: „Der Chef ist alles. Überstunden sind kein Problem.“ Die nachfolgende X-Kohorte war nicht mehr ganz so stromlinienförmig, benahm sich individualistischer, analysiert der Business-Experte. „Doch immer noch war die Arbeit wichtiger als die Familie. Das Leben begann am Wochenende.“ Und das kippt mit den Ypsilons: „Arbeit und Leben sind vernetzt.“ Wenn Siemens nach 18 Uhr keine E-Mails mehr verschicke, sei das den 20- bis 35-Jährigen ganz egal: „Die kommunizieren rund um die Uhr.“

Das mag für den Arbeitgeber erfreulich sein, doch dafür muss er mit anderen Ansprüchen umgehen: „Die jungen Leute wollen mitreden, mitgestalten, pflegen einen salopperen Umgang und legen Wert auf einen offenen Dialog mit dem Chef. Die können Sie nicht drei Stunden bei der Sekretärin warten lassen.“ Und das Informationsverhalten habe sich gewandelt, meint Theo Prinz: „Die Generation X schreibt eine Bewerbung und hofft auf ein Vorstellungsgespräch, die Generation Y informiert sich auf Portalen wie www.kununu.de darüber, ob eine Firma für sie attraktiv ist, also familienfreundlich aufgestellt, mit netten Leuten. Das müssen Unternehmen wissen.“

Die Schwierigkeit dabei: Drei Generationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen in den nächsten Jahren zusammenarbeiten. Und der demografische Wandel gibt den Jungen Rückenwind. Das verlangt nach neuen Führungsqualitäten, nach einer anderen Kultur des Umgangs miteinander und mit dem Know how. Prinz: „In vielen Unternehmen ticken die Mitarbeiter wie vor 30, 40 Jahren. Das hat mit Existenzängsten älterer Führungskräfte zu tun.“

Auch die Suche nach neuen Mitarbeitern müsse sich wandeln, betont der Vortragsreisende: „Früher gab es eine klare Stellenbeschreibung, und wenn ein Bewerber zu 80 Prozent passte, wurde der Rest per Weiterbildung geregelt. Heute muss man sich die Potenziale der Bewerber anschauen und überlegen, wie man sie nutzen kann.“ Das sei noch nicht angekommen und deshalb sein Thema: „Die Stellen müssen sich an den Menschen orientieren und nicht umgekehrt.“

Weniger Sinnsuche bei Z

Und Generation Z, die Kinder von heute? Sucht angeblich weniger nach Sinn als die Generation Y und dafür mehr nach Anerkennung. Andererseits gab es bislang in jeder Generation ganz viele, die ganz anders waren. Selbst die Generation Golf fuhr mehrheitlich andere Marken.

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