Die Gewinner und Verlierer des Wirtschaftsjahres 2014

Die Gewinner (oben) und Verlierer des Wirtschaftsjahres 2014.
Die Gewinner (oben) und Verlierer des Wirtschaftsjahres 2014.
Foto: DerWesten
Was wir bereits wissen
Der deutschen Wirtschaft ging 2014 ein wenig die Luft aus. Viele Unternehmen lassen sich dennoch nicht den Optimismus nehmen. Gewinner und Verlierer:

Andrea Nahles, die Renten-Frau

Essen..  Ein Jahr, nachdem die zweite Auflage der Großen Koalition an den Start gegangen ist, hat vor allem eine Ressortchefin geliefert: Arbeitsministerin Andrea Nahles. Die Sozialdemokratin führte die Rente mit 63, den Mindestlohn und die Mütterrente ein. Ein viele Milliarden Euro schweres Programm, das Wahlversprechen einlöst, in der Wirtschaft und bei Experten gleichermaßen auf harsche Kritik stößt. Die „Wirtschaftsweisen“ sehen in der Rentenpolitik der Großen Koalition gar den Grund dafür, dass sich die Konjunktur in Deutschland spürbar abgekühlt habe. Aber auch Teile des Koalitionspartners wettern gegen Nahles. Die Junge Union wirft ihr vor, Rentenpolitik auf Kosten künftiger Generationen zu machen. Die Ministerin bleibt gelassen und warnt vor „Schwarzmalerei“.

Olaf Koch, der Metro-Sanierer

Ende Juli muss Metro-Chef Olaf Koch verkünden, dass Deutschlands größter Handelskonzern in die roten Zahlen gerutscht ist. Die Formschwäche verzeihen ihm die Gesellschafter, an der Spitze die Duisburger Haniel-Gruppe: Kochs bis September 2015 laufender Vertrag wird vorzeitig verlängert. Kurz vor Weihnachten legt der 44-Jährige seinen Anteilseignern ein Geschenk unter den Christbaum: 90 Cent Dividende pro Aktie und schwarze Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Zuvor waren die Aktionäre leer ausgegangen. Koch hat Erfolg beim Umbau des Handelsriesen. Das bislang vernachlässigte Onlinegeschäft zieht an – in den Elektronikmärkten von Media Saturn und in der Warenhauskette Kaufhof.

Andreas Mundt, der Kartellwächter

Als Präsident des Bundeskartellamts ist Andreas Mundt einer der letzten Liberalen, die positive Schlagzeilen produzieren. Mundt und seinem Team ist es in diesem Jahr gelungen, erstmals mehr als eine Milliarde Euro Bußgelder aufgrund von Verstößen gegen den Wettbewerb einzutreiben. Das Geld kommt dem Bundeshaushalt von Finanzminister Wolfgang Schäuble zugute. Preisabsprachen bei Bier und Wurst, jahrelange Kartelle beim Zucker, bei Betonpflastersteinen und Tapeten zu Lasten der Verbraucher – das Kartellamt hat 2014 so viele Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht aufgedeckt wie noch nie. Im neuen Jahr will sich Mundt vor allem mit dem boomenden Onlinehandel befassen.

Heinrich Hiesinger, der Konzern-Umwandler

Seit Januar 2011 ist Heinrich Hiesinger Chef von Thyssen-Krupp. Drei Mal musste er bereits Jahresbilanzen mit roten Zahlen vorlegen. Doch vor gut einem Monat hat Hiesinger endlich den ersten Gewinn seiner Amtszeit präsentiert. Nach der wohl schwersten Krise in der Firmengeschichte schreibt Thyssen-Krupp wieder schwarze Zahlen. Auch eine kleine Dividende soll für die Aktionäre herausspringen: elf Cent je Aktie. Für die nächsten Jahre ruft Hiesinger ehrgeizige Ziele aus. Der Wandel vom Stahl- zum Technologiekonzern geht weiter. Der Vertrag des 54-Jährigen wird verlängert – er läuft jetzt bis zum September 2020.

Johannes Teyssen, der Energiewende-Manager

Lautlos hat Eon-Chef Johannes Teyssen einen radikalen Kurswechsel bei Deutschlands größtem Energiekonzern vorbereitet. Anfang Dezember verkündet Teyssen überraschend, dass sich Eon von Atom, Kohle und Gas verabschieden will. Der Düsseldorfer Konzern soll sich in Zukunft auf erneuerbare Energien, Energienetze und Dienstleistungen konzentrieren. Noch sind viele Details unklar, doch immerhin hat Teyssen einen Plan dafür vorgelegt, wie Eon auf die Krise im Geschäft mit Strom aus Großkraftwerken reagieren will. Der Essener Konkurrent RWE mit Peter Terium an der Spitze ist nun mehr denn je unter Druck, ebenfalls mögliche Wege aus der Krise aufzuzeigen.

Thomas Middelhoff, der U-Häftling

Ein beispielloser Absturz: Mitte November wird der einstige Top-Manager Thomas Middelhoff zu drei Jahren Haft verurteilt. Middelhoff, einst Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, habe sich der Untreue und der Steuerhinterziehung schuldig gemacht, urteilt das Landgericht Essen. Es geht um Flüge mit Charterjets und Hubschraubern, die Middelhoff Arcandor in Rechnung gestellt hatte. Noch im Gericht wird der 61-jährige verhaftet. Die Richter sahen auch wegen der unklaren finanziellen Situation des Angeklagten Fluchtgefahr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, doch die Weihnachtstage musste Middelhoff hinter Gittern verbringen.

Eva-Lotta Sjöstedt, die Kurzzeit-Chefin bei Karstadt

Es ist ein denkbar kurzes Gastspiel: Nach nur fünf Monaten als Karstadt-Chefin zieht sich Eva-Lotta Sjöstedt im Juli frustriert zurück. In einer überraschend veröffentlichten Erklärung zeigt sich die frühere Ikea-Managerin tief enttäuscht vom damaligen Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen. Auch Berggruen verlässt bald darauf Karstadt. Der österreichische Geschäftsmann René Benko übernimmt. Nun steht Karstadt eine harte Sanierung bevor. Klar ist, dass sechs Filialen schließen müssen. Unruhige Zeiten zeichnen sich ab. Weitere Filialschließungen drohen.

Karl-Thomas Neumann, der Opel-Werksschließer

Er ist der Mann, mit dem im Bochumer Opel-Werk die Lichter ausgingen: Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Nach mehr als 52 Jahren hat das Traditionsunternehmen die Autoproduktion im Ruhrgebiet eingestellt. Aufopferungsvoll haben die Bochumer Opelaner für den Erhalt ihres Werks gekämpft. Hätte das Opel-Management ähnlich gute Arbeit abgeliefert wie die Belegschaft, wäre wohl noch lange nicht Schluss in Bochum. Zum Abschied ist beim Opel-Management wenig von Anerkennung für die geleistete Arbeit der Bochumer Mitarbeiter zu spüren. Auch von Opel-Chef Neumann ist nur wenig zu hören. Stattdessen lässt er sich mit den Worten zitieren: „2014 war für uns ein sehr gutes Jahr.“

Karl-Erivan Haub, der Supermarkt-Verkäufer

Mehr als zehn Jahre lang gleicht die Familie Haub die Verluste ihrer Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann aus. Im Oktober zieht Karl-Erivan Haub als Chef des Mülheimer Familienunternehmens die Reißleine und kündigt den Verkauf der 451 Supermärkte an den Branchenprimus Edeka an. Für die rund 16 000 Beschäftigten bricht eine Welt zusammen. Für sie beginnt eine lange Zeit des Bangens. Im Frühjahr 2015 will das Bundeskartellamt entscheiden, ob und mit welchen Auflagen es dem Verkauf zustimmen wird. Der Konzentrationsprozess im deutschen Handel geht weiter. Auch die Gewerkschaft Verdi ist in Alarmstimmung: Sie warnt vor Gehaltseinbußen unter dem Genossenschaftsdach der Edeka.

Peter Meyer, der ADAC-Vertriebene

Das Jahr 2014 beginnt für Europas größten Automobilclub ADAC alles andere als erfreulich. Die bekannt gewordenen Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ ziehen eine ganze Reihe weiterer Skandale nach sich. Auf dem Höhepunkt der schwersten Vereinskrise lässt das ADAC-Präsidium seinen Präsidenten Peter Meyer feiern. Der Mülheimer entzieht sich im Februar seiner Suspendierung durch den eigenen Rücktritt. Den Chefsessel im Regionalclub Nordrhein behält Meyer und betont, dass er von den Manipulationen beim „Gelben Engel“ nichts gewusst habe. An die Spitze des Clubs rückt August Markl. Er stößt Reformen an, die Kritikern nicht weit genug gehen.