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Die Frage ist, ob Putin überhaupt noch will

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Berlin. Als Wladimir Putin im November 2010 in Berlin weilte, wurde der Kremlchef hofiert. Im Hotel Adlon am Brandenburger Tor buhlten die Spitzen der deutschen Wirtschaft um seine Gunst. Putins Aufruf an die Europäer, „von Wladiwostok bis Lissabon“ gemeinsam Handel zu treiben, schlug Wellen. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Ackermann schwärmte vom Beginn einer neuen Ära, wollte gar den Euro bis hinter den Ural bringen. Nur eine war auffallend reserviert, ohne seinerzeit das spätere Schicksal der Ukraine kennen zu können: Angela Merkel.

Mehr als vier Jahre später - nach der völkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim und Tausenden Toten in der Ostukraine - ist Putin längst ein Paria, ein Aussätziger in der Weltgemeinschaft. Doch ohne ihn, das weiß auch Merkel trotz aller Sanktionen, wird die Welt wichtige Konflikte wie in Syrien oder dem Irak sowie den Atomstreit mit dem Iran dauerhaft nicht lösen können.

So wurde seit langem in Berlin nach einer Möglichkeit gesucht, wie man Putin ein Stück weit die Hand reichen kann, ohne den um den Weg nach Westen kämpfenden Ukrainern in den Rücken zu fallen. Jetzt nutzten die Kanzlerin und ihr Vize Sigmar Gabriel das Weltwirtschaftsforum in Davos, um in einer Art konzertierten Aktion vor den globalen Eliten ein Signal der Entspannung nach Moskau zu senden.

Merkel griff ausdrücklich Putins alte Idee einer Freihandelszone von Ostasien bis Westeuropa auf - aber nur unter der Bedingung, dass Moskau für ein Ende des Blutvergießens in der Ostukraine sorgt und das Minsker Abkommen buchstabengetreu umsetzt. Das hört sich gut an - doch ist die deutsche Initiative realistisch? Gabriel und die EU können derzeit noch nicht einmal die Hand dafür ins Feuer legen, ob das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA klappt. Auch stellt sich die Frage, ob Putin überhaupt noch will.

Andererseits steht den Russen, die Europas wichtigster Energielieferant sind, das Wasser bis zum Hals. Der Rubel ist abgestürzt, die Kapitalflucht dramatisch, der Verfall der Öl- und Gaspreise reißt riesige Löcher in den Staatshaushalt. Deutsche Unternehmen bauen in Russland Autos und betreiben Supermärkte. Eine Freihandelszone wäre für sie attraktiv, wenn Zölle und andere Hemmnisse wegfallen würden.

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