Die Börsen feiern Draghi für neuen EZB-Kurs
07.09.2012 | 19:20 Uhr 2012-09-07T19:20:00+0200
Essen. Nach dem EZB-Beschluss, Anleihen von Krisenländern zu kaufen, klettert der Dax auf ein Jahreshoch. Das Echo in Süd- und Nordeuropa ist dagegen gespalten. Britischen Medien geht die Rettungsaktion nicht weit genug: Draghi habe eine „Panzerfaust“ versprochen, aber ein „Blasrohr“ geliefert, schreibt der Guardian.
Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und seine Kollegen haben mit ihrer Entscheidung zum unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen der Krisenstaaten die unterschiedlichsten Reaktionen ausgelöst. Während die Ankündigung in den potenziell betroffenen Staaten in Südeuropa mit großer Erleichterung aufgenommen wurde, herrschte in Deutschland, dem Risikoträger Nummer eins, Skepsis bis Ablehnung. Europaweit einig waren sich nur die Börsianer: auf dem Parkett wurde gefeiert – ob in Frankfurt, Rom oder Madrid.
Nachdem die Aktienkurse schon am Donnerstag vor und nach der EZB-Sitzung deutlich gestiegen waren, ging es am Freitag weiter nach oben. Der Dax kletterte erstmals seit 13 Monaten über die Marke von 7200 Punkten. Ob dieser Höhenflug von Dauer ist, muss sich zeigen. Die Krise in Euroland wabert weiter, in der anstehenden Woche schauen auch die Börsianer gespannt auf das Bundesverfassungsgericht. Am Mittwoch steht das Urteil zur Rechtmäßigkeit des Rettungsfonds ESM an. Manche Beobachter glauben, der unbegrenzte Anleihenkauf werde den Richtern nicht gefallen, weil sie die Haftung Deutschlands begrenzt wissen wollen. Das könnte neue Auflagen für die Bundesregierung nach sich ziehen. Allerdings erwarten die meisten Juristen, dass Karlsruhe den ESM im Grundsatz nicht kippt.
Negatives Echo in Deutschland
Genau darauf hoffen viele Kritiker der EZB-Entscheidung in Deutschland. „Gigantische Gefahr“, „Ein schwarzer Tag für den Euro“ – so oder ähnlich beurteilen viele deutsche Zeitungen den verschärften Krisenkampf. Auch der niederländische „Volkskrant“ warnt vor „neuen Gefahren“.
Ein anderes Bild liefert der Blick in Zeitungen aus südeuropäischen Staaten. Dort nahmen viele die EZB-Entscheidung, unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen von Sorgenstaaten zu kaufen, mit Erleichterung auf. Und werteten das Vorhaben als richtige Strategie.
Nach dem Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) zum unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen krisengeplagter Länder wird die Forderung laut, den Beschluss vom Europäischen Gerichtshof rechtlich prüfen zu lassen. Es dürfe nicht sein, dass die EZB zu einer ",Bad Bank' aller Schrottpapiere" werde.
"Sauerstoff" für die spanische Regierung
Die spanische Zeitung „El País“ lobt den EZB-Beschluss. Das sei „Sauerstoff“ für Spaniens Ministerpräsident Rajoy. Nun aber müssten er und seine Minister liefern. „Die Regierung kann für ihre eigenen Fehler nun nicht mehr andere verantwortlich machen.“
Im kriselnden Portugal sind die Kommentare ähnlich. Die Regierung müsse nun handeln, schreibt beispielsweise „Diário Económico“. EZB-Chef Mario Draghi verschaffe kleineren Sorgenstaaten lediglich Luft. Der portugiesische „Público“ urteilt: „Ein seltener glücklicher Tag in der Euro-Krise“. Nach vielen Ernüchterungen sei der EZB-Plan eine Erleichterung – für den Euro und für Portugal.
Lob aus Frankreich
Lob für die EZB kommt auch aus Frankreich: „Endlich“, urteilt die Zeitung „Libération“. Dies sei ein „Tag der Erleichterung“ und der „riesigen Hoffnung“. Die EZB spiele nun den Ball zurück zu den Politikern – schließlich helfe sie nur, wenn ein Staat sich zu Spar- und Reform-Schritten verpflichte.
Der „Figaro“ sagt gar „Danke, Herr Draghi“. EU-Staaten ohne Euro sind eher kritisch. Britischen Medien geht die Rettungsaktion noch nicht weit genug: Draghi habe eine „Panzerfaust“ versprochen, aber ein „Blasrohr“ geliefert, schreibt der Guardian.

22:00
@astor97
Tja, so klug wie Mutze1910 werden Sie nie!
10:42
Anleihekäufe können nur dann zu einem Anstieg der Geldmenge führen, wenn die Zentralbank die Ankäufe nicht sterilisiert. Unter Sterilisierung verstehen Ökonomen Aktionen der Zentralbank, die an anderer Stelle die durch Interventionen an einzelnen Märkten entstehende Liquidität wieder einsammeln, also die normalen Kredite der Notenbank an die Geschäftsbanken in gleichem Umfang zurückzufahren wie die Zentralbankgeldmenge durch den Ankauf der Anleihen steigt.
Selbst ohne Sterilisierung zöge ein Anstieg der Zentralbankgeldmenge nicht automatisch eine höhere Inflation nach sich. Für einen Druck auf die Preise müssten Banken die erhöhte Zentralbankgeldmenge zunächst einmal für einen Anstieg ihrer Realkreditvergabe verwenden. Die höhere Kreditvergabe müsste zudem die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen so sehr steigern, dass die Unternehmen statt mit einer Ausweitung des Angebots mit Preissteigerungen reagieren.
13:34
@ Hugo60 zu Ihren Kommentaren schreib ich lieber nichts mehr....Sie sind mir einfach zu klug.... smile... schönen Tag noch
09:14
Interessant auch, dass sich hier niemand mit dem Vorwurf der Briten auseinandersetzt, dass die angedachten Maßnahmen nicht wirklich was bringen. also keine Bahooka, sondern ein Blasrohr.
Eben weil hier kein Sachverstand herrscht, sondern nur pures Milchmäadchenerständnis.
08:30
@astor97
Wie egozentrisch ist das denn?
Ich sag Ihnen, wann Deutschland der Verlierer sein wird. Nämlich dann, wenn der Euro platzt.
Dass sie nichts verstanden haben, ist eindeutig.
Beim Kauf von Anleihen durch die EZB, zahlt die EZB mit dem Geld, welches sie selbst schafft.
Selbst wenn die Staatskredite nicht zurückbezahlt werden würden, heißt das dann eben auch nicht, dass der deutsche Steuerzahler, wie es immer so schön heißt, zahlen müsste.
Die EZB kann das Geld nämlich einfach abschreiben, ohne dass irgend jemand etwas zahlen müsste. Es gibt da nämlich niemand, der auf sein Geld wartet, weil eben die Staatsschulden monetarisiert wurden. Übrigens, machen das die Briten, die Amerikaner uind die Japaner schon seit Jahren so.
Nebenbei bemerkt, es sind ja nicht nur Deutsche, die von dem Wahn betroffen sind, dass sie für alles zahlen müssten. Auch die Finnen und Holländer sind so bekloppt.
01:01
wie was funktioniert, ist mir schon bekannt und gerade deshalb bin ich der Meinung, dass der deutsche Bürger der Dumme sein wird.... smile.. einen schönen Tag noch
21:18
@astor97
Staatsanleihen zu prohibitiv hohen Zinsen, könnte selbst Deutschland nur mit erheblichen Problemen zurückzahlen. Es geht letzlich darum, den Staaten die Möglichkeit zu geben, zurückzahlbare Staatsanleihen zu emittieren.
Die EZB darf auch künftig die Staaten nicht direkt finanzieren, ihnen also keine Anleihen abkaufen. Sie darf lediglich privaten Anlegern, also z. B. Banken die entsprechenden Papiere abkaufen.
Anleihen sind kein Teufelszeug, höchstens wenn man sie aus der Sicht der Schwäbischen Hausfrau oder eines Dagobert Ducks sieht.
Geld kann man nicht durch Ansparen in die Zukunft transferieren, was viele nicht verstehen können.
Geld muss zirkulieren. Geldvermögen des einen sind i m m e r die Schulden eines anderen.
Würden die Geldinhaber ihr Geld zu Hause horten, bräche die Wirtschaft ein. Unternehmen brechen zusammen, die Arbeitslosigkeit steigt und die Geldmenge sinkt automatisch .
20:12
es gibt schon Schlauköpfe hier... muss ich zugeben.. doch was verbirgt sich hinter den Staatsanleihen, wenn sie nicht zurück gezahlt werden können?
18:29
Deutlich zeigen alle Kommentare das vollkommene Missverständnis über die Zusammenhänge.
Es wird hier ja kein Geld gedruckt, sondern es werden Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt aufgekauft. Ich bin mir sicher. keiner der Leser, die hier bereits geschrieben haben, wissen, was der Sekundärmarkt ist.
Im übrigen sollten die uninformierten Leser mal nach dem Stichwort "SMP" googlen, ein ähnliches Modell des Aufkaufs von Staatsanleihen durch die EZB, allerdings vor einigen Jahren noch von Trichet aufgelegt.
Ist das nicht der Markt auf dem z.B. Goldi Sachs sich Kredite z.B. von Griechenland mit 1-2% Prozentchen aufschlag von der EZB wieder abkaufen läßt?
14:09
Mit dem OMT-Programm hat die EZB lediglich angekündigt, künftig auf den Finanzmärkten zu intervenieren, wenn die Anleihen bestimmter Eurostaaten zu Preisen gehandelt werden, die auf ein Marktversagen schließen lassen und damit die Refinanzierung dieser Staaten gefährden. Ein solches Programm hatte die EZB unter Trichet in Form des SMP-Programms bereits vor zwei Jahren schon einmal aufgelegt. Draghis OMT-Programm ist jedoch an wesentlich strengere Bedingungen geknüpft und fällt somit in puncto „Feuerkraft“ weit hinter das alte Programm zurück.
Wie bereits beim SMP-Programm ist es der EZB auch beim OMT-Programm nur gestattet, Anleihen am Finanzmarkt, also am Sekundärmarkt, zu kaufen. Die EZB darf somit auch künftig die Staaten nicht direkt finanzieren, ihnen also keine Anleihen abkaufen. Dass die Druckerpresse auf Kosten des braven Michels angeschmissen wird, um zusätzliche Milliarden in den Süden zu pumpen, entspricht nicht den Tatsachen.
Das nimmt Ihnen keiner ab.