Die Belegschaft kämpft um 167 Jobs bei Coca-Cola in Soest

Die Betriebsversammlung von Coca-Cola in Soest hat der Belegschaft wenig Mut gemacht.
Die Betriebsversammlung von Coca-Cola in Soest hat der Belegschaft wenig Mut gemacht.
Foto: MATTHIAS GRABEN
Was wir bereits wissen
Die Mitarbeiter des Coca-Cola-Werks in Soest kämpfen zumindest um einen Teilerhalt des Standorts. Das Unternehmen will das Abfüllwerk und die Logistik aufgeben. Es geht um rund 160 Arbeitsplätze.

Soest.. Es geht um alles. Die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG will ihre beiden Standorte in Soest schließen. Die Produktion Ende August, das Vertriebslager im März nächsten Jahres. 167 der 228 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Belegschaft will das endgültige Aus nicht hinnehmen. Sie will kämpfen, will Kompromisse eingehen, um einen Teil der Arbeitsplätze zu retten.

„Unsere Opferbereitschaft ist sehr groß“, sagt Wilfried Pälmer, Vorsitzender des Soester Betriebsrates, auf der Betriebsversammlung im „Alten Schlachthof“. Der 59-Jährige arbeitet seit 40 Jahren im Unternehmen. Die Krise steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Ich wollte nie Totengräber sein.“

Mit einem eigenen Vorschlag will der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens die komplette Schließung in Soest verhindern. Pälmer: „Ich bin Schadensbegrenzer. Ganzjährig. Die Mitarbeiter haben einen dicken Hals.“

Wenig Hoffnung

Das Konzept der Arbeitnehmervertreter bezieht alle Standorte in NRW und im westlichen Niedersachsen ein. Es sieht unter anderem vor, die Produktion in Soest zu schließen. „90 bis 100 Kollegen verlieren ihren Arbeitsplatz“, so Pälmer, „um etwa 140 Stellen zu halten. Das ist schlimm genug.“ Er weiß, „gute Abfindungen können den Arbeitsplatz nicht ersetzen“.

Anfang kommender Woche beraten die Geschäftsführung und die Vertreter des Gesamtbetriebsrates in Berlin über die Pläne der Belegschaft. Pälmer: „Wir übernehmen Verantwortung.“

Ob er Hoffnung hat? „Eine ehrliche Antwort?“, fragt das Urgestein von Coca-Cola zurück und zuckt mit den Schultern. „Im Moment ist die Geschäftsführung nicht sehr konstruktiv unterwegs.“ Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer teilt diesen Eindruck: „Sie traut sich nicht, sich der Öffentlichkeit zu stellen.“ So lehnen Vertreter des Unternehmens die Teilnahme an der Pressekonferenz nach der Betriebsversammlung ab. Der Christdemokrat steht an der Seite der Mitarbeiter: „Wir werden bis zum letzten Tag um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Wir zittern mit den Familien, die um ihre Existenz bangen.“

Olaf Karie aus Warstein-Sichtigvor ist einer der Betroffenen. Dem 49-Jährigen treibt die Entwicklung die Tränen in die Augen. „Coca-Cola ist mein Berufsleben. Ich bin seit 23 Jahren dabei.“ Gelassener, aber nicht weniger enttäuscht, zeigt sich Björn Knaup aus Lippstadt. „Ich habe hier meine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik gemacht. In meinem Alter finde ich schneller einen neuen Arbeitsplatz . Für die älteren Kollegen tut es mir echt leid.“

Vorschläge nicht ausreichend

Die schriftliche Reaktion von Coca-Cola im Anschluss an die Betriebsversammlung macht wenig Mut. „Ich möchte keine falschen Hoffnungen schüren“, schreibt Torsten Biermann, Geschäftsleiter Coca-Cola Nordwest, „die bisherigen Vorschläge sind nicht ausreichend. Wir wollen in einem harten Wettbewerb langfristig die verbleibenden knapp 3000 Arbeitsplätze in der Region NRW und im westlichen Niedersachsen sichern.“