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Euro-Krise

Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher

22.07.2012 | 17:34 Uhr
Der frühere US-Präsident Bill Clinton (r.) traf am Sonntag in Athen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras zusammen.Foto: afp

Brüssel.   Der Internationale Währungsfonds stellt weitere Notkredite für Griechenland in Frage. Das treibt den Schuldenstaat noch näher an den Rand der Pleite. Die europäischen Staaten müssen Griechenland möglicherweise ohne die Hilfe des IWF stützen.

Die Aussichten für das pleitebedrohte Griechenland verdüstern sich. Einer der Notkredit-Geber erwägt laut dem „Spiegel“, dem Staat kein Geld mehr zu borgen. Falls sich der Internationale Währungsfonds (IWF) aus der Griechenland-Hilfe zurückzieht, müssten die Europäer die Notkredite künftig allein gewähren – oder den Schuldenstaat im Herbst pleite gehen lassen. Das dürfte dann das Aus für Griechenlands Mitgliedschaft im Euro-Raum bedeuten.

Vor einigen Monaten galt ein Austritt Griechenlands noch als Horror-Szenario. Mittlerweile sehen sich die Europäer besser gerüstet. Mehrfach brandmarkten sie Griechenland als Sonderfall. Zudem hoffen sie darauf, dass der Rettungsfonds für klamme Euro-Länder Turbulenzen verhindern könnte, falls Griechenland den Euro aufgibt.

Kommentar
Die Reform-Kur wirkt nicht - von Sabine Brendel
Die Reform-Kur wirkt nicht - von Sabine Brendel

Mehr als zwei Jahre schon versuchen die Europäer vergeblich, der Schuldenkrise Herr zu werden. Da wirkt es fast höhnisch, wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Menschen weiszumachen versucht, dass die bisherigen Methoden im Krisenkampf zwar erfolgreich, aber eben die Finanzmärkte noch ­„verunsichert“ seien. Und dann wieder einmal sein Mantra anbringt: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Viele Menschen in Griechenland, in Spanien, aber auch in Deutschland dürften das ganz anders sehen. In den Euro-Krisenstaaten verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage, die Arbeitslosigkeit steigt.

Zugleich sind viele Menschen in Deutschland immer unwilliger, gebeutelten Europäern zu helfen. Die Spar- und ­Reform-Kur, die Deutschland und die Europäer den ­Krisenstaaten verschrieben haben, wirkt nicht.

Das liegt nicht nur daran, dass die griechischen ­Politiker Versprechen brechen und zugesagte Spar- ­sowie Reform-Schritte verzögern. Deutschland und die Europäer haben unterschätzt, wie schwach die Wirtschaft Griechenlands ist. Und sie haben den Fehler ­gemacht, dass sie sofort massive Sparschritte von den Griechen gefordert haben.

Das hat die marode Wirtschaft noch weiter abgewürgt. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Europäer ihre Rettungsbemühungen auf den Prüfstand stellen – und ändern.

Die Zeit drängt. Bis September braucht Griechenland weitere Milliarden, um zahlungsfähig zu bleiben. Allerdings kann der IWF laut seinen Regeln einem Land nur Geld borgen, wenn es auch in den nächsten zwölf Monaten zahlungsfähig bleibt. Dies ist bei Griechenland, das Europäer und IWF seit Mai 2010 mit Notkrediten vor der Pleite bewahren, derzeit unsicher.

Reform-Verzug in Athen

Der Grund: Griechenland ist im Verzug bei seinen Wirtschaftsreform- und Spar-Vorhaben. Das liegt am monatelangen Wahlkampf, der das Land bis Mitte Juni politisch lähmte. Doch um weiter Notkredite zu erhalten, muss Griechenland regelmäßig bestimmte Haushalts- und Reform-Ziele erreichen.

Falls der IWF Griechenland kein Geld mehr leiht, dürften auch einige Euro-Staaten abspringen. Die Niederlande und Finnland machen ihre Finanzhilfe vom IWF-Engagement abhängig.

Griechen wollen zwei Jahre Zeit

Den aktuellen griechischen Reform-Verzug hatten EU-Diplomaten jüngst „nicht als Drama per se“ bezeichnet. Wichtig sei aber, dass Griechenland wieder auf den Reformkurs einschwenke, hieß es in Brüssel. Griechenlands neue Regierung hätte dagegen gerne zwei Jahre zusätzlich Zeit, um die Wirtschaft umzubauen und den Staatshaushalt zu sanieren. Dieses Ansinnen lehnen die Geldgeber – die Deutschen, die Europäer und der IWF – ab.

Ein Aufschub würde zusätzliche Kosten für die Notkredit-Geber nach sich ziehen. Der „Spiegel“ beziffert diese Extrakosten auf zehn bis 50 Milliarden Euro. Weder das deutsche noch das griechische Finanzministerium wollten den Bericht kommentieren.

Vergleich mit US-Wirtschaftskrise

An diesem Dienstag reisen Vertreter der EU, des Währungsfonds IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) erneut nach Griechenland. Die „Troika“ wird in Athen die Lage beurteilen. Von ihrem Bericht hängt ab, ob Griechenland weitere Notkredite aus dem Hilfspaket erhält.

Video
Karlsruhe, 11.07.12: Das Verfassungsgericht wird wohl erst in zwei bis drei Monaten ein Urteil zu den Eilanträgen gegen den Euro-Rettungsschirm ESM und den EU-Fiskalpakt verkünden. Dennoch gab sich Finanzminister Schäuble am Dienstag zuversichtlich.

Bereits in den vorigen Monaten gerieten die Auszahlungen der Finanzhilfe stets zur Zitterpartie und verzögerten sich. Griechenland tat sich schwer, die Bedingungen für neue Notkredite zu erfüllen. Daher machen die Europäer Druck auf Griechenland, am vereinbarten Spar- und Reform-Kurs festzuhalten. Doch auch Griechenland setzt die Europäer unter Druck.

Ministerpräsident Antonis Samaras verglich am Sonntag beim Besuch des früheren US-Präsidenten Bill Clinton die Lage seines Landes mit der Wirtschaftskrise der USA in den 1930-er Jahren. Die Amerikaner drängen die Europäer seit einiger Zeit, die Schulden- und Vertrauenskrise, die von Griechenland auf andere Euro-Staaten übergegriffen hat, endlich einzudämmen. Die Amerikaner fürchten, dass ihre eng mit Europa verflochtene Wirtschaft andernfalls Schaden nimmt.

Sabine Brendel



Kommentare
24.07.2012
00:50
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von Hugo60 | #10

Jetzt ist auch Deutschland bedroht. Moodys warnt, dass Deutschland heruntergestuft wird.

Vileleicht das Signal, das sich Deutschland endlich besinnt, die EZB endlich als "lender of last resort" handeln zu lassen.
Oder behalten die Ideologen (Idioten) in Deutschland die Oberhand?

23.07.2012
16:39
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von Hugo60 | #9

@B. Schmitz

Der Bürger hat noch gar nichts erkannt.

Was die Ursachen der Krise angeht, sind beim Bürger irrelevante psycholgisierende Typisierungen über angeblich faule und schlampige Südeuropäer. hängengeblieben.

Dem Bürger ist entgangen, dass zwischen Deutschland und den kriselnden Euröländern Abhängigkeiten bestehen, die uns noch teuer zu stehen kommen, weil inkompetente Politiker, die auf neoliberale Wirtschaftstheoretiker hören, die falschen Rezepte gegen die Krise anwenden.

Und ein vollkommen inkompetenter Herr Rösler schüttet jetzt noch Öl ins Feuer.
Unglaublich,
.



23.07.2012
16:03
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von Hugo60 | #8

@JulezZ

Der Vergleich hinkt natürlich nicht.
Es geht ja um die Auswirkungen der Krise.

Die Ursachen liegen auch nicht an der vielgeschöltenen Schlampigkeit der Griechen, oder was auch immer.

Wir haben es hier mit einer Spekulationskrise zu tun, was die meisten wohl schon vergessen haben.
Davor ist auch Deutschland nicht gefeit, aber man kann sich jetzt schon ausmalen, wem man dann die Schuld gibt.

Das mit den Regeln ist so eine Sache. Wollen ist nicht gleich Können.

In einer Währungsunion ist es auch schlicht unmöglich, dass alle wettbewerbsfähig zueinander sind. Wettbewerbsfähigkeit ist ein relatives und kein absolutes Konzept.
Deutschland hat es geschafft durch seine ruinöse Wirtschaftspolitik Defizite gegenüber den anderen Euro-Ländern aufzubauen und hat so laufend gegen die im Euroraum geltende Inflationsziellinie verstoßen.
Und da Deutschland "gewillt" ist, das auch so weiterzuführen, muss man sagen, dass die Partie Währungsunion mit so einem Spieler nicht möglich ist.

.

23.07.2012
11:52
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von JulezZ | #7

Der Vergleich mit den USA hinkt aber gewaltig. Die Wirtschaftskrise in den 30ern war Folge eines Börsencrashs. Griechenlands Probleme sind im wesentlichen massive Korruption, Vetternwirtschaft, eine absolut inkompetente Verwaltung und ein auf Pump finanzierter zu hoher Lebensstil!

Die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Probleme Griechenlands allenfalls beschleunigt. Schuld an der derzeitigen Situation sind in aller erster Linie die Griechen selbst. Ohne die Finanzkrise wäre denen der Laden vielleicht erst 5-10 Jahre später um die Ohren geflogen. Es gab nur eine Lösung dafür. Wer sich nicht an die Regeln hällt, darf künftig nicht mehr mitspielen. Nun hat auch die Politik das erkannt. Ich habe auch sehr wenig Mitleid für das griechische Volk. Die wären besser auf die Strasse gegangen gegen die Schuldenmacherei des Staates. So bekommt man was man säht.

23.07.2012
08:21
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von holmark | #6

Und Madame Mim nannte die Rettung von Griechenland "alternativlos". Wann begreift das Volk, dass es von dieser Regierung nur ausgenommen wird?

23.07.2012
07:56
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von B.Schmitz | #5

Griechenland ist ein Fass ohne Boden. Jeder normale Bürger hat es erkannt. Nur die Hohlköpfe von Experten und Politikern nicht. Wie kann man einem Land Glauben schenkt wenn es durch Lug und Trug in die EU gekommen ist. Aber die Dummheit der Politiker vor allem der deutschen Politiker ist nicht mehr zu überbieten.

23.07.2012
00:43
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von Hugo60 | #4

Korrektur:
Wenn in Griechenland keiner mehr Geld leihen darf und ausgeben soll, verliert die Wirtschaft dort fortlaufend Nachfrage in Höhe der Ersparnisse und der Nettoschuldenrückzahlungen. Die Versuche des griechischen Staates
seine Defizite über Ausgabenkürzungen ("Reformen") zu reduzieren sind
eine Unmöglichkeit.
Offensichtlich hat der IWF das erkannt, aber so offen will er nicht zugeben, dass seine
Theorie, man könne sich aus einer Krise heraussparen, NICHT richtig ist.

Das macht der IWF seit 30 Jahren so. Dort scheinen nur Idioten zu arbeiten.

23.07.2012
00:42
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von Hugo60 | #3

Wenn in Griechenland keiner mehr Geld leihen darf und ausgeben soll, verliert die Wirtschaft dort fortlaufend Nachfrage in Höhe der Ersparnisse und der Nettoschuldenrückzahlungen. Die Versuche des griechischen Staates
seine Defizite über Ausgabenkürzungen ("Reformen") zu reduzieren sind
eine Unmöglichkeit.
Offensichtlich hat der IWF das erkannt, aber so offen will er nicht zugeben, dass seine
Theorie, man könne sich aus einer Krise heraussparen, richtig sei.

Das macht der IWF seit 30 Jahren so. Dort scheinen nur Idioten zu arbeiten.


22.07.2012
20:24
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von ichfassesnicht | #2

Stapelt die Milliarden für Griechenland auf einen Haufen und verbrennt sie.
Dann gibt es wenigstens noch ein anständiges Feuer.

Ansonsten verschwinden sie ja doch in ein Fass ohne Boden und ohne Wiederkehr.

3 Antworten
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von stefan48 | #2-1

die Milliarden waren ja NIE für die Griechen sondern nur für die Banken und Spekulanten man wollte nur das die ihr Geld bekommen was mit Griechenland und den Bürger Griechenlands passiert das war denen von Anfang an egal und genauso wird es jetzt den Spaniern gehen oder glaubt einer von euch allen das die Banken aufhören so lange noch Geld in den Töpfen ist aber was aus den Länden und deren Menschen wird ist den Geldgierigen Banken Spekulanten und den dazu passenden Politiker voll kommen egal UND UNSEREN FINAZMIENISTER ERST RECHT DENN DER DENKT NUR AN SEINE PARTEI UND AN SICH WIE SIE ZU DEN GELDERN DER ANDEREN KOMMEN

Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von stefan48 | #2-2

FINANZMINISTER

Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von Biker72 | #2-3

Die eigentlichen Verbrecher sind ja im Bankenbereich zu finden. Das war früher so, das ist immer noch so. Und wenn nichts mehr geht, kann ein Krieg ausbrechen, an dem das Baneknwesen auch wieder verdient, wenn es um Kriegsausrüstung geht, und sie finanzieren ja nie nur 1 Seite. Auch ganz fein für die Waffenlobby. Krieg war schon immer eines der besten Geschäfte.

22.07.2012
20:17
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von Funakoshi | #1

Die Staatspleite ist nicht mehr zu vermeiden, weil sie schon längst da ist! Ein Toter wird derzeit nur noch künstlich am Leben gehalten! Weitere werden folgen. Das nennt sich wahrscheinlich dann auch wieder "Die große Depression"!" Schön", der Vergleich mit den USA in den 30er Jahren. Das Problem ließ sich schlußendlich für die Amis nur durch den II. Weltkrieg lösen. Mal sehen, wie es noch weitergehen wird, aber die Ziele sind ja wohl schon fixiert worden!!!

1 Antwort
Die Aussichten für Griechenland werden immer bedrohlicher
von stefan48 | #1-1

JA ich denke auch das das alles eine abgesprochene Sache ist man lässt einfach mal 2-3 Länder untergehen und dann macht man mal so ein kleines Gemetzel dann kann alles von vorn beginnen

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