DGB warnt vor schnellem Absturz in Hartz IV
14.07.2009 | 22:06 Uhr 2009-07-14T22:06:00+0200
Berlin. Jeder Dritte rutscht nach einem Verlust des Arbeitsplatzes ohne den Zwischenstopp Arbeitslosenversicherung in das System Hartz IV ab, so der DGB. Viele Betroffene waren zu kurz sozialversichert. Deshalb fordert die Gewerkschaft eine Verlängerung der Auszahlung des Arbeitslosengeld I.
Nach einem Jobverlust stürzt mittlerweile fast jeder Dritte ohne Zwischenstopp in der Arbeitslosenversicherung ins Hartz-IV-System ab. Viele Betroffene waren entweder gar nicht oder weniger als die geforderten zwölf Monate in den letzten zwei Jahren sozialversichert, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Dienstag in Berlin. Besonders betroffen seien befristet Beschäftigte und Leiharbeitskräfte. Der DGB befürchtet, dass im Zuge der Wirtschaftskrise im nächsten Jahr sechs Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos sind.
Im ersten Halbjahr 2009 wurden knapp 2,2 Millionen Menschen aus einer Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos, davon waren 655.000 (knapp 30 Prozent) direkt auf Hartz IV angewiesen, wie Buntenbach sagte. Darin seien auch Ein-Euro-Jobs und andere Formen öffentlich geförderter Beschäftigung enthalten.
Auch sozialversichert Beschäftigte gefährdet
Doch auch diejenigen, die zuvor auf dem ersten Arbeitsmarkt sozialversichert beschäftigt waren, müssen den direkten Absturz ins Hartz-IV-System befürchten: Im ersten Halbjahr 2009 seien 331.000 ehemals Erwerbstätige aus sozialversicherter Beschäftigung (18,5 Prozent) hilfebedürftig geworden, sagte Buntenbach. In den neuen Ländern liege der Anteil sogar bei 22,2 Prozent.
Buntenbach forderte, die Rahmenfrist für Arbeitslosengeld I zu verlängern, um den Absturz in Hartz IV zu vermeiden. «Viele instabil und befristet Beschäftigte könnten vor Hartz IV verschont bleiben, wenn die gültige zweijährige Rahmenfrist für die notwendigen Beitragszeiten zumindest um ein Jahr verlängert würde», sagte Buntenbach.
Um einen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, müssen Erwerbslose bislang mindestens zwölf Monate innerhalb der letzten zwei Jahre Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben. Vor der Hartz-Gesetzgebung betrug diese sogenannte Rahmenfrist noch drei Jahre.
"Hartz-IV-Sätze müssen steigen"
Vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosenzahlen verlangt der DGB erneut eine Anhebung der Hartz-IV-Sätze auf 420 Euro im Monat (derzeit 359 Euro). Die aktuellen Regelsätze für Langzeitarbeitslose bezeichnete Buntenbach als „nicht armutsfest”, weil sei weit hinter der Preissteigerung zurückblieben.
Fast fünf Millionen auf Hartz-IV angewiesen
Die Hartz-IV-Empfänger müssen nach Einschätzung des DGB angesichts der Krise befürchten, dass die Leistungen im kommenden Jahr sinken werden. Die von der Bundesregierung geplanten arbeitsmarktpolitischen Hilfen würden voraussichtlich nicht einmal halb so stark steigen wie die Zahl der Hilfeempfänger, sagte Buntenbach. Damit bestehe die Gefahr, dass Hartz-IV-Empfänger pro Kopf im Krisenjahr 2010 weniger Fördergeld als bisher erhielten.
Buntenbach sagte, bei anhaltender Krise steige das Risiko, arbeitslos zu bleiben und auf der sozialen Rutsche aus dem Versicherungs- in das Fürsorgesystem zu rutschen. «In den nächsten Monaten wird daher auch im Hartz-IV-System die Arbeitslosigkeit steigen und 2010 voraussichtlich noch einmal um bis zu 450.000 gegenüber diesem Jahr.»
Insgesamt seien rund 4,9 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter auf Hartz IV angewiesen. Im Februar 2009 seien dies bundesweit neun Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren gewesen, in den neuen Ländern habe die Quote gar bei 15,2 Prozent gelegen.
Kritik an Alt-Vorstoß
Den Vorstoß des Vorstandsmitglieds der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, langjährig Beschäftigte nach ihrem Abrutschen in die Dauerarbeitslosigkeit besser zu stellen als andere Hartz-IV-Empfänger, lehnte Buntenbach ab. Dies würde die gesellschaftliche Spaltung nur noch vertiefen, meinte sie. Alt hatte verlangt, wer jahrelang gearbeitet und in die sozialen Sicherungssysteme eingezahlt habe, solle besser gestellt werden als Erwerbslose, die schon ihr Leben lang arbeitslos gewesen seien.
Kritik an dem Vorschlag kam auch von SPD-Vize Andrea Nahles. «Letztlich stellt Alt damit doch die Solidarität in Frage», sagte Nahles der «Frankfurter Rundschau». (ap/WAZ)

17:09
NIE WIEDER SPD !!!
17:07
Ich sehe hier eine ganz unheilige Entwicklung. Ich sehe wutschnaubende französische Arbeiter, die drohen, die Fabrik ihres alten Arbeitgebers in die Luft zu sprengen. Ich sehe verzweifelte Menschen, die in amerikanischen Wäldern leben, nachdem ihnen die Finanzkrise die Häuser unter dem Hintern weggepfändet hat. Ich sehe 1,5 Millionen deutsche Kurzarbeiter, von denen viele in den nächsten Monaten und besonders nach der Wahl ihre endgültige Kündigung bekommen.
Und ich ahne, was sich im Bauch all dieser Menschen abspielt, wenn sie dabei lesen, dass diejenigen, die ihnen diese ganze unsägliche Lage eingebrockt haben, die noch vor wenigen Monaten um Geld jammernd den Regierungen zu Füßen lagen und mit den Steuergeldern eben dieser Menschen vor dem Zusammenbruch bewahrt wurden, jetzt wieder laut lachend Rekordsummen verdienen, Boni einstreichen und die Dienstwagenflotte erneuern. Gleichzeitig pfänden sie weiterhin ihre „Retter“ aus den Häusern.
00:01
Ich war früher überzeugtes SPD Mitglied.
Guet Arbeit - guter Lohn.
Dann die Alterschallmauer der deutschen Gesellschaft erreicht und wegen dem Jugendwahn in den Führungsetagen arbeitslos geworden.
Heute Hartz IV und schon laaange kein SPD Mitglied mehr.
Die SPD Politik hat mich gelehrt, bei den nächsten Wahlen extrem rechts zu wählen.
22:12
@ 84 bezieht sich auf alle Sozialversicherungssysteme ,also auch auf die Krankenversicherung z.B.
22:07
Zweiter VV: Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze würde Eerhöhung der Einnahme-Seite bedeuten u. gleichzeitig ein Entlastungspotential für alle Beitragszahler ermöglichen.
Siehe das Bsp. der sozialistischen Rrepublik Schweiz.
22:04
Entlastung bzw. Senkung der Beitragslast kann es in Zeiten der Krise nicht geben.
Dies war der erste Verbesserungsvorschlag.
21:21
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21:04
Gut gebrüllt roter Löwe. Auf Verbesserungsvorschläge warte ich nach wie vor vergeblich. Welcher Spuk bei einer hohen Wahlbeteiligung im politischen Nirvana verschwindet, bleibt abzuwarten.
20:50
Der potentiell FDP wählende Zeitgenosse hat offenbar einen gestörten Leistungsbegriff ,dass er den schon Jahrzehnte in die Sozialversicherungssysteme Einzahlenden mit einem sozialen ,gesellschaftlichen Problemfall vergleicht.
Beim Letzteren ist die Sozialhilfe und fachmännische Sozialarbeit nötig.
Beim neoliberalen Kommentator ist eine hohe Wahlbeteiligung nötig damit der gelbe Spuk politisch im Nirwana verschwindet.
20:38
Ah, ich vergaß, geht es nach Ihnen und den Linken, werfen alle ihr Einkommen in den großen Topf und das Geld wird anschließend gerecht verteilt. Mein Anteil ist genauso groß wie der desjenigen, der sich den ganzen Tag von RTL & Co. berieseln lässt.
Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie eher zu denjenigen gehören, die von einer solchen Praxis profitieren würden?