Deutsches Bier, türkische Seele
01.10.2008 | 12:32 Uhr 2008-10-01T12:32:00+0200Lünen. Der türkische Unternehmer Bünyamin Türksoy will in der einstigen Biermetropole Dortmund eine Brauerei eröffnen. 150.000 Hektoliter sollen dort bald fließen. Der Export in die Heimat ist auch schon fest eingeplant
Die große Lagerhalle im Industriegebiet Zum Pier in Lünen ist nur wenig gefüllt. Ein paar Paletten Bier und Werbetafeln stehen vor den Wänden und unter der Decke hängt ein riesiges Foto von Istanbul mit seinem Galataturm im Stadtteil Beyoglu. Der Turm ist zugleich Teil des Markenlogos der Maksem AG aus Lünen, die in Dortmund ein außergewöhnliches Projekt in Angriff nehmen will. Ausgerechnet in der ehemaligen deutschen Brauerei-Metropole plant Vorstand Bünyamin Türksoy, 48, den Bau einer neuen Brauerei.
Das Vorhaben klingt abenteuerlich, denn Türksoy hat es nicht auf den durchschnittlichen deutschen Biertrinker abgesehen, sondern vor allem auf türkische Gerstensaft-Freunde zwischen 18 und 35 Jahren. Dass das Unterfangen tatsächlich gelingen kann, davon ist Türksoy spätestens seit 2006 überzeugt. Damals ging er mit verschiedenen Biersorten aus dem Mittelmeerraum an die Universität Dortmund und führte eine Verkostung unter jungen Biertrinkern verschiedener Nationalitäten durch. Das Ergebnis war eindeutig: Ein mildes Bier muss es sein. "Wenig bitter, wenig ge-hopft", sagt Ralf Frigge, früheres Mitglied der Geschäftsleitung bei Veltins und jetzt Vertriebsgeschäftsführer bei Maksem. Ihn hat Türksoy als rechte Hand für den Aufbau der türkischen Aktivitäten engagiert.
Warum Türksoy ausgerechnet Dortmund als Standort auserkoren hat, beantwortet der großgewachsene Manager schnell. "Bier braucht Heimat." Aber türkisches Bier? In Deutschland? "Es soll ein Bier sein nach deutschem Reinheitsgebot mit türkischer Seele und orientalischem Einschlag."
Um das zu realisieren will er ordentlich investieren. 15 Millionen Euro für den Standort, der 35 000 Quadratmeter groß sein soll, möglichst in der Innenstadt, mit angeschlossener Erlebnisgastronomie, wie Türksoy es nennt, also mit Bar, Restaurant und Variete . Verhandlungen mit der Wirtschaftsförderung der Stadt laufen. Spätestens 2011 soll alles stehen. 150 000 Hektoliter soll die Brauerei in fünf Jahren ausstoßen.
Das Bier dazu gibt es bereits. "Bey" heißt es, in Anlehnung an den modernen Istanbuler Stadtteil Beyoglu, seit November vergangenen Jahres wird es produziert bei anderen Brauereien. "Damit besetzen wir eine Nische", sagt Türksoy.
Branchenexperten geben dem Vorhaben Chancen auf Erfolg. "Er hat ein Alleinstellungsmerkmal und seine Landsleute trinken Bey-Bier womöglich lieber als das Becks Gold", sagt der bayrische Brauereiexperte Hans Fischer. Dass es am Ende am Glauben seiner Mitbürger scheitern könnte, davon geht Türksoy nicht aus.
Dabei ist laut Koran Biertrinken nicht gestattet. 60 Prozent der in Deutschland lebenden Türken lebten allerdings nach europäischen Werten, sagt er. Außerdem würde auch in der Türkei in Gesellschaft viel Bier getrunken. Einen solchen Satz sagt Türksoy nicht ohne Grund. Wenn nämlich der deutsche Markt erobert ist, will er mit seinem Bey-Bier auch die Türkei versorgen.

13:50
BEY ist die abkürzung für Beyoglu! Dem Stadtteil in Istanbul.
18:46
Was ist dann mit König Pilsener? Das dürfen wohl nur Könige trinken?????
13:08
Bey heisst Herr auf türkisch. Also Herrenbier, ist wohl für türk.Männer gedacht, Frauen dürfen weiter gem. Koran nur Wasser trinken!
12:58
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
12:54
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
12:33
Lieber Türkisches Bier als Chinesische Milch. Ich finds prima, wenn jemand Initiative ergreift.
12:09
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
11:44
Ist doch witzig:
Nach dem der deutsche Michel quasi den Döner adoptiert hat und zum Nationalgericht erhoben hat , entdeckt nun der türkische Mehmet das urdeutsche Nationalgetränk.
Das nenn ich doch mal einen positiven Kulturaustausch.Weiter so !
10:42
Na bitte, geht doch!
Ein moderner, nicht weltfremder Türke, der auch mal am Koran vorbeilebt und ein Bierchen braut und trinkt.
Ein Mann, der seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet und wahrscheinlich nicht in irgendeinem Sozialghetto wie Marxloh o.ä. ein Leben in einer Parallelgesellschaft führt.
Respekt, Herr Türksoy!
Hoffentlich nehmen sich viele Ihrer Landsleute ein Beispiel.
Werde auf jeden Fall Ihr Bier probieren, Efes schmeckt ja auch ganz gut.