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Konjunktur

Deutsche Wirtschaft wächst 2012 moderat – und zeigt sich krisenfest

15.01.2013 | 18:26 Uhr
Deutsche Wirtschaft wächst 2012 moderat – und zeigt sich krisenfest
Autostadt von VW in Wolfsburg: Vor allem der Export sorgte für das stabile Wachstum der deutschen Wirtschaft.Foto: dapd

Wiesbaden.   Die Deutsche Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr krisenfest gezeigt. Sie wuchs um 0,7 Prozent. Sogar die öffentlichen Haushalte erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen kleinen Überschuss. Das gab es zuletzt im Jahr 2007.

Die deutsche Wirtschaft ist mit einem realen Plus von 0,7 Prozent im Jahr 2012 zwar vergleichsweise moderat gewachsen. Sie hat sich aber nach Ansicht von Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, angesichts der Krise in Euroland „als sehr widerstandsfähig erwiesen“ und letztlich den öffentlichen Haushalten dank sprudelnder Steuereinnahmen erstmals seit fünf Jahren mit 2,2 Milliarden Euro einen Überschuss beschert.

Vor allem der robuste Export und der private Konsum hätten das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gestützt, sagte Egeler am Dienstag in Wiesbaden. Dagegen schrumpften die Investitionen der Unternehmen deutlich. Im vierten Quartal habe die deutsche Wirtschaft aber nicht nur an Fahrt verloren, sondern sei gegenüber dem dritten Quartal sogar um etwa 0,5 Prozent geschrumpft, betonte Egeler. 2013 dürfte die Wirtschaft Schätzungen zufolge nur noch um 0,5 Prozent wachsen.

Träger des Wachstums war der Export

2010 und 2011 war das BIP mit 4,2 und 3,0 Prozent deutlich stärker gewachsen, allerdings auch als Folge des dramatischen Einbruchs in 2009 von 5,1 Prozent. 2012 stehe Deutschland mit dem Plus von 0,7 Prozent in Europa an der Spitze, sagt Egeler. Nur in der Slowakei, Polen, Schweden, Malta und den baltischen Staaten werde ein stärkeres Wachstum erwartet. In absoluten Zahlen lag das BIP – die Summe aller in Deutschland produzierten Güter und erbrachten Dienstleistungen – 2012 bei 2645 Milliarden Euro.

Träger des Wachstums in Deutschland war auch im vergangenen Jahr die Ausfuhr. Die Exporte erhöhten sich real gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent, nach einem Plus von 7,8 Prozent im Vorjahr. „Die Binnennachfrage hingegen entwickelte sich unterschiedlich: Zwar wurde im Inland 2012 mehr konsumiert als 2011, die Investitionen aber waren rückläufig“, betonte Egeler. Die Verbraucher erhöhten ihre Konsumausgaben um 0,8 Prozent, die Firmen steckten aber angesichts der durch die Krise bedingten Unsicherheit weniger Geld in ihre Anlagen. Investitionen brachen um 5,2 Prozent ein.

Steuereinnahmen auf Rekordniveau

Weiter auf Konsolidierungskurs waren den Statistikern zufolge die öffentlichen Haushalte. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen beendeten das Jahr 2012 vor allem dank rekordhoher Steuereinnahmen nach ersten Berechnungen mit einem Überschuss von 2,2 Milliarden Euro. Gemessen am BIP ergab sich eine Überschussquote von 0,1 Prozent. „Erstmals seit 2007 kann der Staat wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen“, betonte Egeler. Damit liegt Deutschland zum zweiten Mal hintereinander deutlich unter der Defizitquote von minus drei Prozent, die laut dem Maastricht-Vertrag für die Währungsunion erlaubt ist. 2010 waren es noch minus 4,1 Prozent.

Rolf Obertreis



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