Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Währung

Deutsche horten noch Milliarden D-Mark

04.04.2013 | 18:32 Uhr
Deutsche horten noch Milliarden D-Mark
So könnte ein Schein im Wert von 13,14 Milliarden DM aussehen.Foto: Schmidt

Frankfurt/Main.   Versteckt in so manchem Haushalt, eingenäht in Gardinen oder zwischen Büchern deponiert lagern auch elf Jahre nach Abschaffung der D-Mark noch alte Münzen und Scheine. Sammler Horten die Mark im Wert von gut 6,7 Milliarden Euro, hat die Bundesbank herausgefunden.

Rund ein Drittel der Deutschen wünscht sich jüngsten Umfragen zufolge die Anfang 2002 als Bargeld abgeschaffte D-Mark wieder zurück. Das jüngste Ringen um das Rettungspaket für Zypern mag viele Skeptiker bestärkt haben. Tatsächlich ist die DM noch gar nicht verschwunden, auch wenn sie seit elf Jahren kein offizielles Zahlungsmittel mehr ist.

Jüngsten Daten der Bundesbank zufolge waren Ende Februar noch DM-Banknoten, -Münzen und Pfennige im Gesamtwert von 13,14 Milliarden DM oder gut 6,7 Milliarden Euro in Umlauf. Von Sammlern gehortet, in Kellern, Kisten oder Sesselritzen verborgen oder im Ausland unterwegs.

Sammelaktion für die DM ohne Ende

Jedenfalls wartet die Bundesbank weiter auf Millionen von DM-Scheinen und -Münzen. Das Tempo der Rückgabe des alten Geldes in den Bundesbank-Filialen im Tausch gegen Euro verlangsamt sich: 2012 waren es 131 Millionen DM, ein Jahr zuvor noch 150 Millionen DM. Ein Ende der Sammelaktion für die DM ist nicht abzusehen.

Lesen Sie auch:
Bundesbank stellt den neuen Fünf-Euro-Schein vor

Ein neuer Fünf-Euro-Schein wird im Mai unters Volk gebracht. Zusätzliche Sicherheitsmerkmale sollen Fälschern die Arbeit erschweren. Insgesamt werden drei Milliarden neue Scheine in Umlauf gebracht. Die alten Scheine bleiben aber weiterhin gültig und werden Stück für Stück aus dem Verkehr gezogen.

Einen Grund für Eile und Hektik bei Verbrauchern gibt es allerdings nicht: Denn die Bundesbank nimmt DM-Banknoten und -Münzen in ihren Filialen auf unbegrenzte Zeit kostenfrei und in jeder Höhe zum bei der Einführung des Euro vor gut 14 Jahren festgelegten Wechselkurs von 1,95583 DM pro Euro zurück.

Rückgabefristen vielen anderen Ländern vorbei

Andere Notenbanken waren und sind nicht so großzügig: In Finnland, Frankreich, Italien und Griechenland sind die Rückgabefristen längst abgelaufen, in anderen Euro-Staaten laufen sie in den nächsten Jahren aus.

Service
Kleine Blütenkunde - Wie Sie Falschgeld erkennen

Mit ein paar Kniffen kann man nachgemachte Geldscheine auch als Laie recht schnell entlarven. An dieser Stelle erklären wir, wie das funktioniert. Übrigens: Falschgeld sollte auf keinen Fall weitergegeben werden. Es drohen empfindliche Geldstrafen.

Wo die DM-Scheine und -Münzen noch stecken, weiß auch die Bundesbank nicht. Größere Beträge tauchen auf, so die Erfahrung der Notenbanker, wenn nach dem Tod von Eltern oder Großeltern Wohnungen oder Häuser geräumt und renoviert werden. Versteckt zwischen Büchern, hinter abgelösten Tapeten, in Gardinen eingenäht oder fein säuberlich gerollte, in Tabletten-Röhrchen gesteckte DM-Scheine kommen so mitunter zum Vorschein.

Im Schnitt wurden 2012 in den Bundesbank-Filialen bei jeder Rückgabe jeweils etwa 560 DM in Euro getauscht. Im Januar und Februar waren es Scheine und Münzen im Wert von 20 Millionen Euro.

Nur selten ein Sammlerwert

Ende Februar waren noch Banknoten im Volumen von 6,27 Milliarden DM unterwegs, der Wert der ausstehenden 23,5 Milliarden Münzen ist mit 6,87 Milliarden DM deutlich höher. Zum Vergleich: Der Euro-Bargeld-Umlauf belief sich Ende 2012 auf gut 936,2 Milliarden Euro, davon 912,6 Milliarden in Banknoten und 23,7 Milliarden in Münzen. Pfennig- und Mark-Stücke werden nach Erkenntnissen der Bundesbank viel zögerlicher zurückgegeben als Scheine. Während 2012 Banknoten im Wert von 104 Millionen DM getauscht wurden, waren es bei Münzen nur 27 Millionen DM.

Lesen Sie auch:
Happy Birthday, lieber Euro!

Neujahr 2002 haben wir uns von der Mark verabschiedet. Seitdem gibt es Fans von ihrem Nachfolger - dem Euro.

Lohnend ist die Zurückhaltung der Münzen im Blick auf den Sammlerwert nur in Ausnahmefällen, etwa bei 50 Pfennig-Stücken mit dem Aufdruck „Bank Deutscher Länder“ oder 2-DM-Münzen, die mitunter einen zweistelligen Euro-Betrag bringen können, in seltenen Fällen heute sogar je nach Prägeanstalt und Prägejahr für mehrere Hundert Euro gehandelt werden. Bei einer seltenen 2-Pfennig-Münze können es sogar mehr als 1000 Euro sein, heißt es bei Experten. Voraussetzung für solche Raritäten: Die Münzen müssen prägefrisch sein.

2012 wurden rund 130 Millionen DM umgetauscht

Würden die Deutschen wie 2012 jährlich DM-Scheine und -Münzen im Wert von rund 130 Millionen DM abliefern, würde es immer noch rund 100 Jahre dauern, bis das komplette ausgemusterte DM-Bargeld zur Bundesbank zurückgeflossen ist. Bei Scheinen könnte es rein rechnerisch allerdings schon in rund 60 Jahren soweit sein.

Rolf Obertreis



Kommentare
06.04.2013
18:35
Deutsche horten noch Milliarden D-Mark
von Karlot | #3

An ferdi23:
Bei einer Wiedereinführung der D-Mark haben die alten D-Mark Scheine gar keinen Wert mehr. Man muss sie einfach, wie heute D-Mark gegen Euro, gegen die neuen D-Mark-Scheine austauschen.
Wenn man Pech hat, kann man die alten D-Mark-Scheine gar nicht mehr gegen die neue D-Mark austauschen.

06.04.2013
15:02
Deutsche horten noch Milliarden D-Mark
von ferdi23 | #2

Der kluge Mann baut vor.

06.04.2013
01:04
Deutsche horten noch Milliarden D-Mark
von Karlot | #1

"Rund ein Drittel der Deutschen wünscht sich jüngsten Umfragen zufolge die Anfang 2002 als Bargeld abgeschaffte D-Mark wieder zurück.", ohne allerdings zu begreifen, welche Konsequenzen das im internationalen Währungssystem hätte.

2 Antworten
Deutsche horten noch Milliarden D-Mark
von zool | #1-1

welche denn ?

@zool
von Ondramon | #1-2

Es heißt ja immer, daß bei Abschaffung des Euros die Krisenländer abwerten und Schland aufwertet. Schland würde dann auf seinen Produkten sitzenbleiben, da sie zu teuer werden. Schland müsste dann ohne Ende NDM (Neue Deutsche Mark) drucken, um im Sine unserer überragenden Kanzlerin wettbewerbsfähig bleiben zu können. Ein innereuropäischer Währungskrieg würde ausgelöst und die Vermögen der Bürger Schlands würden im Zuge der zunehmenden Abwertung aufgelöst. Alles klar?

Aus dem Ressort
Mülheimer Duo ist schon mit Mitte 20 Supermarkt-Filialleiter
Handel
Karriere im Einzelhandel: Michael Bartels und Marco Hüßelmann hatten das eigentlich nie im Sinn. Jetzt leiten sie gemeinsam einen Lebensmittelmarkt – und sind gerade mal Mitte 20. Am Ende der Karriereleiter sind sie noch nicht, denn abends geht’s wieder auf die "Schulbank".
Essener RWE-Turm soll 120 Millionen Euro kosten
Immobilien
Der Energiekonzern RWE will seine markanten Turm in der Essener Innenstadt verkaufen – und dann zurückmieten. Ein weltweit tätiger Immobilienvermarkter sucht jetzt einen Investor, der 120 Millionen Euro für das Bauwerk zahlt.
Was Ikea-Kunden zum lebenslangen Umtauschrecht wissen müssen
Ikea
Möbelriese Ikea wirbt damit, Ware ab sofort jederzeit umtauschen zu können - und das auch noch Jahre später. Das lebenslange Rückgaberecht gelte jedoch nur bei Ware, die ab sofort gekauft werde. Ihr Zustand ist dabei vollkommen egal. Mit einer Rückgabe-Welle rechnet das Unternehmen trotzdem nicht.
Gericht macht Weg frei für die Sanierung des Autobauers Saab
Kultmarke
Der Weg für die Sanierung des schwedischen Autoherstellers Saab ist frei. Ein Gericht hat einem Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz zugestimmt. Im ersten Versuch, solch ein Verfahren anzuschieben, waren die Verantwortlichen weniger erfolgreich gewesen.
Stadtwerke übernehmen Steag komplett für 570 Millionen Euro
Steag
Die Verträge sind unterzeichnet: Das Konsortium aus sieben Ruhrgebiets-Stadtwerken übernimmt die Evonik-Tochter Steag komplett. Für die 49 Prozent des Energie-Unternehmens, die noch nicht in ihrem Besitz waren, zahlen die Städte einen Kaufpreis von 570 Millionen Euro.
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?