Deutsche bleiben Obstmuffel

Berlin..  Die Freude vieler Deutscher an der gepflegten Schnäppchenjagd hört bei Obst und Gemüse auf. Obwohl die Preise 2014 im Vergleich zum Vorjahr stagnierten oder sanken, griffen die Bundesbürger an der Obst- und Gemüsetheke nicht wesentlich häufiger zu, bilanzieren die Veranstalter der Berliner Messe „Fruit Logistica“ (4. bis 6. Februar), eines der größten Branchentreffen weltweit.

Preise runter gleich Menge hoch – diese Logik gilt nach Einschätzung des Marktforschungsinstituts GfK nicht für Obst und Gemüse. Beispiel Äpfel: Das beliebteste Obst der Deutschen war 2014 fast zehn Prozent billiger als im Vorjahr, weil die Ernten in ganz Europa gut ausfielen und sich zusätzlich Ware durch den russischen Einfuhrstopp stapelte. In den Einkaufkörben der Haushalte aber lagen im vergangenen Jahr 18,5 Kilogramm Äpfel – fast genauso viele wie 2013 (- 0,4 Prozent).

Der Deutsche Fruchthandelsverband (DFHV) reagiert ratlos. „Obst und Gemüse sind wohl nicht sexy genug“, resümiert DFHV-Präsident Dieter Krauß. „Es gibt keine Marken, keine emotionale Bindung.“ Sogar Mineralwasser schaffe es, sich besser zu vermarkten. Und für siebenstellige Werbekampagnen habe die Branche kein Geld, die Gewinnmargen dafür seien nicht üppig genug – und der Erfolg zweifelhaft.

Rund 155 Kilogramm Obst und Gemüse lagen 2014 durchschnittlich in den Einkaufskörben für jeden Privathaushalt in Deutschland. Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist das viel zu wenig. Danach müsste allein ein Erwachsener im Jahr mindestens 90 Kilogramm Obst und 146 Kilogramm Gemüse essen, um sich ausgewogen zu ernähren. Die Werte liegen weit darunter, bei Männern noch mehr als bei Frauen.

Es wird seltener gekocht

„Der Lebensstil verändert sich“, sagt Ulrike Niggemann, Vorsitzendes des Messebeirats der Fruit Logistica. Auf der einen Seite gebe es Nischen wie Bio und Vegan, auf der anderen Seite werde der Anteil der Außer-Haus-Esser immer größer.

Drei von vier Haushalten bestehen nach Angaben der GfK auch nur noch aus ein oder zwei Personen. Singles aller Altersgruppen und deutlich mehr Senioren als früher – regelmäßig gekocht wird da seltener. Und wenn, soll es einfach und schnell gehen. Das befördert den Griff zum Fertiggericht statt dem Schnibbeln von Gemüse. Und Nudeln sind beliebter als Kartoffeln, weil man sie nicht schälen muss.