Deutsche Bank sieht sich in NRW stark aufgestellt

Essen..  Gut ein Jahr ist es her, da sorgte die Deutsche Bank in unserer Region für ungewohnte Schlagzeilen. Das Bankhaus zeigte sich damals an einem Einstieg bei Borussia Dortmund interessiert. Doch die Sondierungsgespräche zur Übernahme eines Zehn-Prozent-Aktienpakets des einzigen börsennotierten Fußballbundesligisten brachen die Banker kurz darauf ab. Die Widerstände in der Führungsetage gegen das „Spaß-Investment“ waren wohl zu groß.

Dass Deutschlands größtes Bankhaus den westfälischen Elite-Klub im Visier hatte, sagt auch etwas über die Bedeutung der Region für das Kerngeschäft der Deutschen Bank aus. Denn mit zwei Millionen Privat- und Geschäftskunden ist Nordrhein-Westfalen national das wichtigste Standbein. Rund ein Drittel seines Inlandsergebnisses erzielt das Kreditinstitut an Rhein und Ruhr. 200 der deutschlandweit 700 Filialen finden sich in NRW.

Die rund 650 000 Deutsche-Bank-Kunden in der Region Ruhrgebiet/Münsterland können in 65 Filialen ihre Bankgeschäfte erledigen. Das Geschäftsvolumen stieg hier Ende 2014 auf einen neuen Höchststand von 21,7 Milliarden Euro. Das Revier wird bankenintern nicht einzeln erfasst, darf aber wohl den Löwenanteil der Kunden für sich in Anspruch nehmen. Allein in Essen zählt die Deutsche Bank 118 000 Kunden und beziffert ihr Geschäftsvolumen 2014 auf 5,4 Milliarden Euro. Die Zahl der Filialen sank hier zuletzt von 13 auf zehn. Welche Auswirkung der angekündigte Sparkurs für NRW-Kunden haben wird, wollte die Bank auf Anfrage dieser Zeitung nicht sagen. Ein Unternehmenssprecher blieb vage: NRW werde „ein Kraftzentrum im Heimatmarkt Deutschland bleiben“. Wie berichtet, will die Bank in den kommenden fünf Jahren bis zu 200 Filialen in Deutschland aufgeben.

Aktionärsschützer vor Klage

Unterdessen setzen Aktionärsvertreter dem skandalgeplagten Bankhaus im Streit um die Einsetzung eines Sonderprüfers zum Thema Altlasten ein Ultimatum. Aufsichtsratschef Paul Achleitner solle sich bis Montag zu der freiwilligen Sonderprüfung äußern. Andernfalls werde man Klage einreichen, sagte der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, am Freitag.