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Der Boom der Billig-Brötchen

19.02.2009 | 20:24 Uhr

Essen. Kein Backduft, nirgends. Wer in die BackWerk-Zentrale kommt, wähnt sich eher bei einer Zeitarbeitsfirma als bei einer der größten deutschen Selbstbedienungs-Bäckereiketten. ...

... Das Erfolgsrezept der Essener: Sie sehen sich nicht als Back-Handwerker, sondern als Einzelhändler. Das liegt an der Idee, die hinter BackWerk steckt. Der Billigbäcker betreibt keine Backstuben. Er setzt auf Großbäckereien wie "Kamps" und "Harry". So könne sich BackWerk die leckersten Brote, Brötchen und süßen Backwaren herauspicken, sagt Firmenchef Dirk Schneider (42), der regelmäßig bei Testessen in der kleinen Essener Zentrale mitmacht. Dass BackWerk auf Qualität achtet, fand auch die Verbraucherzeitschrift "Öko-Test". Sie adelte den Billigbäcker voriges Jahr mit dem Gesamturteil "gut".

Essener Firma betreibt keine Filialen selbst

Der gebürtige Dortmunder Schneider gründete BackWerk 2003 mit Hans Christian Limmer. Heute leiten die Studienfreunde den Back-Discounter. Bäcker sind sie beide nicht. Früher arbeiteten sie als Firmenberater. Schwerpunkt: Einzelhandel. Ihr Ziel: Selbstständigkeit.

BackWerk betreibt auch keine Filialen selbst. Das machen andere für die Essener, auf eigenes Risiko. "Franchise" heißt das System. BackWerk mietet die Ladenräume an und richtet sie als Selbstbedienungs-Filialen ein. Im Schnitt koste das 100 000 Euro, sagt Schneider.

Dann sucht BackWerk einen Franchisepartner, der den Laden schmeißt - und nicht unbedingt Bäcker sein muss. Er muss BackWerk die Ladeninvestition erstatten, "Eintrittsgebühr" zahlen, die Filiale von den Essenern anmieten und ihnen jährlich Umsatzanteile überweisen. BackWerk steht ihm dafür bei Managementfragen bei.

Der Filialbetreiber kann aus einem Sortiment von etwa 300 Backwaren bis zu 100 auswählen, die er in seinem Geschäft aufbackt und verkauft. Mit dem Hinweis auf diese Auswahl wehrt Schneider Kritiker ab, die Billig-Bäckereien vorwerfen, die Backbranche bundesweit zu vereinheitlichen. Jede Filiale biete unterschiedliche Backwaren. "In Dortmund sind zum Beispiel Quarktaschen der Renner", sagt der Firmenchef, selbst Quarktaschen- und Nuß-Nougat-Croissant-Liebhaber.

Das BackWerk-Konzept - das sich laut Schneider auf alle möglichen Einzelhandelsbereiche übertragen ließe - scheint zu funktionieren. Der Umsatz knackte voriges Jahr erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke. Auch dank der Übernahme eines Filialnetzes stieg die Zahl der BackWerk-Läden deutschlandweit von 146 auf nun 227. In ihnen arbeiten etwa 1400 Menschen, 1000 davon sind laut Schneider fest angestellt, der Rest 400-Euro-Kräfte.

Kritik an der Selbstbedienungs-Branche - in der sich neben BackWerk unter anderem die in NRW ansässige Kette Brödis tummelt - übt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststääten (NGG). "Billigbackwaren-Anbieter versu- chen - wie auch Lebensmittel-Discounter -, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten", sagt NGG-Fachmann Siegfried Poll. "Bei SB-Bäckereien werden Tarifverträge des Bäckerhandwerks nicht angewendet. BackWerk hat sich hier aber nicht besonders negativ hervorgetan."

Die Essener wagen sich mit ihrem Geschäftsmodell derweil ins Ausland: In Österreich gibt´s inzwischen sieben Filialen. Im Frühjahr will BackWerk die Niederlande aufrollen - und schaut sich in weiteren europäischen Ländern um.

Von Folgen der Finanzkrise also keine Spur? "Gegessen wird immer - und Discounter sind generell im Aufwind", sagt Schneider. "Wir sind sogar ganz klar Gewinner der Krise." BackWerk erhalte mehr Filialbetreiber-Bewerbungen als früher - "jede Woche 150". Aber eröffne im Schnitt nur eine Filiale je Woche. Angesichts der Bewerberflut mache es wenig aus, dass Kredite für künftige BackWerk-Franchisepartner spärlicher fließen könnten.

BackWerk selbst brauche keine Kredite, sagt Schneider. "Wir können uns aus eigener Tasche finanzieren."

Von Sabine Brendel



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