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Der Autobauer Ford macht ohne Finanzhilfen wieder Gewinn

14.02.2010 | 15:56 Uhr
Der Autobauer Ford macht ohne Finanzhilfen wieder Gewinn

Essen.Bei Ford hat ein Branchenfremder die Wende geschafft. Mit dem Flugzeugspezialisten Alan Mulally verdient das Familienunternehmen als erster US-Bauer wieder Geld.

Es klingt paradox. Obwohl Ford als einziger der großen drei US-Autobauer keine Milliardensubventionen in Anspruch genommen hat, steht das Familienunternehmen am besten da und hat im Krisenjahr 2009 sogar Gewinne gemacht. Ford profitiert früher als erwartet von der Strategiewende, die der neue Konzernlenker Alan Roger Mulally knapp vier Jahren eingeleitet hat.

Wie der jetzige GM-Boss Ed Whitacre ist der Mulally ein Seiteneinsteiger ins Automobilgeschäft. Bill Ford, 52jähriger Urenkel des legendären Firmengründers Henry, holte den Topmanager von Flugzeugproduzent Boeing 2006 an Bord seines schlingernden Konzern. Ein Blick von oben tat Not, denn wie beim Detroiter Nachbarn General Motors fand das alteingessene Management verkrusteter Autokraten keinen Ausweg aus der selbstgemachten Krise. Sehenden Auges waren Ford, GM und Chrysler mit überholten Spritfressern, einseitigen Fahrzeugkonzepten und hervorragender technischer Inkompetenz in die Sackgasse gerast.

Teure Parallelkonstruktionen auf dem Index

Der 64jährige Mulally, gelernter Flug- und Raumfahrtingenieur, stellte Bill Ford die rhetorische Frage „Wollt Ihr wettbewerbsfähig werden?“ und lieferte die Antwort gleich mit: „Ein Mann, ein Auto, eine Welt“. Nur noch ein Projektleiter trägt seitdem die Verantwortung für eine Neuentwicklung, teure Parallelkonstruktionen wurden auf den Index gesetzt. Auf einem Grundauto bauen dann bis zu zehn Varianten auf. Alle Versionen werden in Fords Weltreich von Mexiko bis Thailand zu 80 Prozent identisch gebaut, und das überall mit den gleichen Zulieferern.

Das erste „Eine-Welt-Auto“ des Kaliforniers Mulally ist der neue Focus, entwickelt in Köln. Der Kompaktwagen war gerade Fords unumstrittener Messe-Star auf der Detroit Motor Show – ein augenfälliger Beweis für den Paradigmenwechsel des Unternehmens. Früher hätte man irgendein PS-Monster enthüllt oder vielleicht den überarbeiteten Gewehrhalter seines Pick-up F 150 abgefeiert, dem immer noch meistverkauften Auto auf dem US-Markt.

In Europa startet der Focus schon im Frühjahr mit den ersten Abkömmlingen, nämlich dem Kompaktvan C-Max in Normal- und Langversionen. Gebaut wird der europäische Focus im vor 40 Jahren eröffneten Werk in Saarlouis. Die Produktionsanlagen im strukturschwachen Saarland entstanden als Pendant zum auf alten Zechengrund errichteten Bochumer Opel-Werk.

Jobgarantie bis Ende 2010 in Köln

Zu den offenen Betriebsgeheimnissen von Ford gehört es, dass man im Gegensatz zu GM-Tochter Opel in den vergangenen Jahren die Produktionskapazitäten stets sofort dem Absatz angepasst hat. Im zweiten Halbjahr 2009 fiel auch bei Ford die zuvor hundertprozentige Auslastung um ein Viertel. Noch müssen sich die Arbeiter in Köln und Saarlouis keine Sorgen machen, denn es gilt eine Jobgarantie bis Ende 2010. John Fleming, Europa-Chef und gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats der deutschen Ford-Werke, mochte bislang keine Beschäftigungsprognose für 2011 abgeben.

Trotz knapp zwei Milliarden Euro Gewinn im Vorjahr nach zehn Milliarden Euro Verlust in 2008 ist Ford noch nicht über den Berg. Verbindlichkeiten von rund 20 Milliarden Euro Schulden drücken Bill Ford. General Motors allein erhielt rund 35 Milliarden Euro vom Staat zur Entschuldung. Und mit Aston Martin, Jaguar, Land Rover sowie Volvo wurden alle Ambitionen auf eine Rolle im automobilen Premiumgeschäft verkauft. Es wird Jahre dauern, bis Ford wieder nach den Sternen greifen kann.

Gerd Heidecke

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Kommentare
14.02.2010
16:41
Der Autobauer Ford macht ohne Finanzhilfen wieder Gewinn
von Law_n_Order | #1

Der neue Focus ist ein tolles Auto - jedoch bevor Ford auch nur von irgendwelchen Sternen träumen darf müssen die erstmal ganz massiv an Qualität, Reparaturanfälligkeit und Service arbeiten. Das schöne Eine-Welt-Auto nutzt keinen Kunden was, dem drei Monate nach Gewährleistungs- und Garantieablauf Getriebe, Abgasrückführungssystem, Klimaanlage, Sitzheizungen und Motorsteuerung kaputt gehen und die Motorsteuerkette reißt und Ford dann noch nichtmal volle Kulanz gibt, wo viele Bauteile heutzutage im Grunde genommen nichtmal nach zehn Jahren kaputt gehen dürften.

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