Dem Ruhrgebiet gehen die Gewerbeflächen aus

Das Gelände der ehemaligen Westfalenhütte in Dortmund gehört zu den größten verfügbaren Gewerbeflächen im Ruhrgebiet.
Das Gelände der ehemaligen Westfalenhütte in Dortmund gehört zu den größten verfügbaren Gewerbeflächen im Ruhrgebiet.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Der Vorrat an freien Gewerbeflächen in den Kommunen des Regionalverbands Ruhr reicht nur bis 2020. Wirtschaftsförderer wollen Restriktionen abbauen.

Essen.. Der Vorrat an gewerblichen Flächen, die sofort zur Verfügung stehen, reicht nur noch sechs Jahre. Das geht aus Zahlen hervor, die die Wirtschaftsförderung Me­tropole Ruhr (WMR) für das Jahr 2014 erhoben hat. „Dadurch drohen dem Wirtschaftsstandort Ruhrgebiet in Zukunft erhebliche Investitionsverluste“, warnt WMR-Geschäftsführer Rasmus C. Beck.

Den 53 Kommunen, die zum Einzugsgebiet des Regionalverbands Ruhr gehören, fehlt es nicht an Brachen. Das Problem sind die Restriktionen, die Ansiedlung von Unternehmen verhindern. Nach der WMR-Erhebung sind derzeit 47 Prozent aller potenziellen Gewerbeflächen mit Einschränkungen belegt.

Das bedeutet: 1130 Hektar – das entspricht mehr als 1500 Fußballfeldern – können nicht vermarktet werden, weil der private Eigentümer nicht verkaufen will, der Preis zu hoch ist, die Altlastensanierung zu teuer wäre oder andere Gründe vorliegen. Damit ist der Anteil der Flächen mit Restriktionen weiter gewachsen. 2013 betrug er nur 43 Prozent.

„Die Stadt kann nur moderieren“

Einen besonders hohen Anteil von Flächen mit Restriktionen weisen der WMR-Statistik zufolge die Städte Hagen, Bottrop und Herne sowie der Ennepe-Ruhr-Kreis und der Kreis Recklinghausen auf. Deutlich besser sieht es in Duisburg, Hattingen, Schwerte und Wetter aus. „Wir haben nur drei große Flächen und die sind in privater Hand“, sagt die Oberhausener Planungsdezernentin Sabine Lauxen. „Die Stadt kann nur moderieren und dafür werben, dass Restriktionen zurückgefahren werden.“

Gewerbeflächen Dieser Forderung schließt sich auch Peter Schnepper, stellv. Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen an: „Es muss jetzt ganz schnell gehen. Für die Wirtschaftsförderung und das Ruhrgebiet gilt die Alarmstufe Rot“, sagte er bei einer Podiumsdiskussion in Essen.

Bedarf für zusätzliche Gewerbeflächen

Wirtschaftsförderer Beck nimmt die akute Gewerbeflächen-Knappheit zum Anlass, um für mehr Kooperation im Ruhrgebiet zu werben und sein Haus als Dienstleister und Koordinierungsstelle in Stellung zu bringen: „Großflächige Ansiedlungen können nur im Verbund gelingen. Einem Investor ist nicht zuzumuten, in zehn Städten anzurufen. Er braucht auch eine regionale Begleitung.“

Den Bedarf für zusätzliche Gewerbeflächen sieht Beck durchaus gegeben: Zwischen 2005 und 2013 konnten im Ruhrgebiet nach seinen Berechnungen auf neu ausgewiesenen Flächen mehr als 116.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen werden.

Im gleichen Zeitraum kam es zu 181 großen Firmenansiedlungen in der Region. Der Wirtschaftsförderer: „Wir brauchen die Flächen. Das Ruhrgebiet ist noch immer eine Industrieregion. Das wird oft vergessen.“

Gewerbegebiete Die Anfragen ansiedlungswilliger Unternehmen kämen nach wie vor aus den Sektoren Industrie und Logistik. Neue Flächen, so Beck, seien aber auch nötig, um bereits ansässigen Firmen Betriebserweiterungen oder Umzüge zu ermöglichen.

„Möglichst flächensparend“

Kritikern, die befürchten, dass Freiflächen zugunsten von Gewerbeparks geopfert werden sollen, nimmt der WMR-Geschäftsführer den Wind aus den Segeln: „Wirtschaft und Kommunen agieren bereits heute möglichst flächensparend“, sagt er. In den vergangenen acht Jahren habe der Verbrauch an Freiflächen im Ruhrgebiet im Schnitt bei nur 0,22 Hektar pro Tag gelegen. Ziel der NRW-Landesregierung ist es, den täglichen Flächenverbrauch landesweit bis 2020 von derzeit zehn auf fünf Hektar zu begrenzen.

Becks Zeitplan: 2016 sollen die Areale, die zu Gewerbezwecken entwickelt werden könnten, mit dem Regionalverband Ruhr und den Kommunen benannt und auf einer Prioritätenliste platziert werden. 2017 soll diese der Landesregierung vorgelegt werden, die Fördertöpfe verwaltet. Zunächst sollen 370 Hektar von Nutzungsbeschränkungen befreit werden.