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Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter

19.08.2012 | 18:44 Uhr
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
Kraftstoff aus Mais oder Weizen - und das bei Nahrungsmittelknappheit auf der Erde? Die Diskussion um Biosprit wie E10 geht weiter.Foto: dapd

Essen.   Für die Produktion von Biokraftstoffen werden zu viele potentielle Lebensmittel genutzt. Dieser Meinung ist Entwicklungsminister Dirk Niebel. Damit bekommt die Diskussion über das umstritten E10 neue Nahrung. Nach steigenden Lebensmittelpreisen wird jetzt auch über eine Gesetzesänderung diskutiert.

Angesichts der rasant steigenden Preise für Getreide und Brot geht die Debatte um Biosprit weiter. Nachdem bereits Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in der „Tank oder Teller“-Diskussion einen Verkaufstopp des E10-Kraftstoffs gefordert hatte, legte nun FDP-Generalsekretär Patrick Döring nach.

„Dass wir wertvolles Ackerland mit Pflanzen bebauen, aus denen Biosprit und Biogas hergestellt werden, ist weder sinnvoll noch nachhaltig“, sagte Döring der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). Er warnte vor einer „Verknappung von Ackerland“ und einer „Vermaisung“ landwirtschaftlicher Flächen.

Vergangene Woche hatten Meldungen über US-Ernteausfälle bei Weizen, Soja und Mais die Verbraucher aufgeschreckt. Der Weltmarktpreis für Getreide schoss in die Höhe. Hauptgrund für die Ernteausfälle ist eine schwere Dürre. Da aber 40 Prozent der US-Maisvorkommen zur Herstellung von Biosprit genutzt werden und dann für Lebensmittel fehlen, bekam die Diskussion um Biokraftstoffe neue Nahrung.

Auch aus der Wirtschaft kommt Kritik

Auch aus der Wirtschaft gibt es Kritik: Der Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé, Peter Brabeck, sprach sich in der Schweizer „Sonntagszeitung“ für ein Beimischungsverbot von Nahrungsmitteln bei der Spritproduktion aus. Die Hersteller sollen andere organische Materialien verwenden. Die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, kritisierte, dass „mit öffentlichen Geldern Monokultur und Raubbau gefördert werden“. Sie forderte, alle staatlichen Anreize für den Maisanbau abzuschaffen.

Dem hielt jedoch Bundesumweltminister Peter Altmaier entgegen, dass Biomasse „ein sehr vielseitiger und zuverlässiger erneuerbarer Energieträger“ sei, der eine „wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung unseres Landes spielt“. Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Christian Ruck (CSU) wies darauf hin, dass die Bioenergie nicht der Grund für den Hunger in der Welt sei. Dem stimmte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie, zu. „Die Ursachen für Hunger sind Bürgerkriege, Korruption und vor allem Armut“, schrieb er in der „Bild am Sonntag“.

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Kommentare
21.08.2012
14:40
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von meinemeinungdazu | #16

Lebensmittel gehören indirekt weder in Tank noch in die Biogasanlagen. Da hat die Politik entscheidende Fehler gemacht. Monokulturen, Flächenkampf, schwere Ausschwemmungen durch Niederschläge im gebirgigen Sauerland bei Maisanbau, alles das sind bereits Fakten, die die Verantwortlichen nicht sehen wollten. So bleibt am Ende mehr Schaden als Nutzen für Mensch und Nahrungsmittel. Weil die Politik vor Fehlentscheidungen immer die Augen schließt, wird dieser Urrsinn weitergehen, bis man am Ende wohl merkt, dass man Geld und Gewinne nicht essen kann. Viele Millionen arme Menschen werden die wirkliche Zeche zahlen.

20.08.2012
22:32
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von Gothaur | #15

Was bringt es die Ursachen der Verknappung beim Namen zu nennen, wenn an genau denen nichts geändert werden kann, und nichts geändert wird.
Folglich kann die Devise nur lauten, weg mit der Bio-Schei**e, Bahnfrei für mehr Ackerland für Nahrung.
Gruß

20.08.2012
18:49
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von frefra | #14

Am Anfang einer Nahrungsmittelkrise ist der zu niedrige Preis für Lebensmittel. Wo waren all die Schlaumeier als die Landwirte nur 8 Euro für die Dezitonne Weizen erhielten? (Heute 23 Euro) Da hieß es die Bauern sollen sich gefälligst am Markt orientieren und alternative Verwertungen suchen! Das haben sie dann auch getan und haben in Biogas und Bioethanol investiert und jetzt ist es wieder nicht richtig. Wie hieß doch gleich der Slogan mit dem die Energiewende den Landwirten schmackhaft gemacht wurde? „Vom Landwirt zum Energiewirt“. Die Welternährungsorganisation FAO machte noch 2007 die Subventionen zur Produktion von Nahrungsmitteln und die damit verbundenen Nahrungsmittelüberschüsse mit einhergehenden niedrigen Weltmarktpreisen für den Hunger in der Welt verantwortlich. Aufgrund der niedrigen Preise sei es den Kleinbauern in den Entwicklungsländern nicht möglich ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften und in Zukunft zu investieren. Heute 2012 sind laut FAO nicht mehr die

20.08.2012
15:07
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von tomatenkiller_neo | #13

Gibts denn keine Motoren, die Gülle schlucken - davon gibts doch genug, wie man am
Geruch die letzten Wochen feststellen durfte ...

20.08.2012
13:57
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von Dieselpumpe | #12

Vielleicht funktioniert aber auch nun endlich mal der Verbraucherwille.
Da einfach zu wenig den Bio-Sprit kaufen bleiben die Ölkonzerne auf den Mist sitzen und setzen jetzt die Politiker unter Druck.

Man sieht, der Markt kann durch den Verbraucher reguliert werden.
Es geht Leute, weiter so

20.08.2012
11:22
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von wolfgang123 | #11

Man kann den Bauern nicht vorwerfen, dass sie Mais anbauen, wenn der Liter Milch im Supermarkt für unter 50 ct zu haben ist.

Vor Jahren gab es Prämien von der EU, wenn ein Acker stillgelegt wurde. Sind diese Flächen heute mit Raps oder Mais bebaut? Eigentlich müsste die Landwirtschaft in Deutschland in der Lage sein, genug Weizen fürs Brot und auch genug Mais für den Biosprit zu produzieren.
Nur wenn Amerika den Mais nicht mehr exportiert, sondern zu Biokraftstoff macht, werden das andere Länder nicht kompensieren können.

20.08.2012
11:17
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von TVtotal | #10

Nicht nur der Biosprit, der 5%t Zusatz beim Super und der Zusatz beim Diesel muss gleich mit abgeschafft werden...Essen auf Rädern hat doch heute eine ganz neue Bedeutung bekommen durch diesen Wahnsinn!

20.08.2012
09:39
E10 ist ein Ablenkungsmanöver
von meigustu | #9

Neben Spekulanten fördern sehr viele Faktoren den Hunger. Die wichtigste ist Landraub der die selbstversorgenden Bauern mit Gewalt von ihrem Stückchen Erde vertreibt.

Trotzdem hat Nestle natürlich recht. Es gibt genug Pflanzen die in Regionen wachsen die nicht für Ackerbau taugen. Deren Anbau Ackerland nicht nur schützt sondern auch Ackerland "produziert"

In Europa ist da vor allem Hanf zu nennen, der bei fast gleichem Heizwert wie Holz in einem Jahr soviel Pellets erzeugt wie Bäume in 20 Jahren. Der auf Böden gedeiht die für Ackerbau nicht taugen und auch keine Pestizide benötigt. Die Pflanze ist düngt außerdem den Boden einfach weil sie dort wächst.

Für die Randgebiete der Wüsten gibt es einige Ölpflanzen, die die Ausweitung der Wüsten nicht nur stoppen, sondern langfristig, die sogar zurückdrängen können.

20.08.2012
05:52
Aha, das steckt also dahinter:
von industriee | #8

Die Ernteausfälle in den USA. Das dort in Montana zB. Unmengen Wasser für das Gas-Cracking verwendet werden und der Landwirtschaft vorenthalten wurden ist eine andere Geschichte... Aber das ändert alles nichts an der Situation bis zum nächsten Jahr oder länger. Die EU-Mühlen mahlen langsam. Und etwas anderes hätte mich bei diesen FDP Bubis auch schwer gewundert...

20.08.2012
01:24
Debatte um Abschaffung von Biosprit tobt weiter
von boehmann | #7

Leider kann man E 10 und E 5 nicht trinken wie Bier. denn mit Bier fährt auch kein Auto.
Mit Bier läuft vieleicht ein Pferd.

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