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Das Wirtschaftswunder Werner Otto wird 100

13.08.2009 | 06:00 Uhr
Das Wirtschaftswunder Werner Otto wird 100

Berlin. Der Gründer des weltweit größten Versandhandelskonzerns hat klein angefangen und sich sein Lebenswerk hart erarbeitet. Heute will Werner Otto bescheiden in Berlin seinen 100. Geburtstag feiern - obwohl die Kanzlerin kommt.

Vielleicht liegt es an der Creme Caramel. Zweimal täglich gönnt sich der Unternehmer Werner Otto, der am heutigen Donnerstag (13. August) 100 Jahre alt wird, seine Leibspeise.

Versandhaus-Millionär und Kunstmäzen Werner Otto mit seiner Ehefrau Maren. Foto: Fabian Matzerath/ddp

„Bescheiden bin ich gar nicht, aber ich mache eben nicht so einen Rummel wie die anderen”, hat der Gründer der Hamburger Otto-Gruppe einmal gesagt. Wie es seinem Naturell entspricht, will der Namensgeber des weltweit größten Versandhandelskonzerns auch an seinem Geburtstag im nahezu biblischen Alter auf große öffentliche Auftritte verzichten. Gleichwohl ist ein wenig Rummel zu erwarten. Zum Empfang in seiner Villa im Berliner Grunewald werden Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler erwartet.

Familienpleite ließ Jugendtraum platzen

Alles, was Werner Otto erreicht hat, musste er sich hart erarbeiten. Am 13. August 1909 wurde er als Sohn eines Lebensmittelgroßhändlers im brandenburgischen Seelow geboren, in Prenzlau in der Uckermark wuchs er auf. Mit 17 Jahren musste Otto vorzeitig das Gymnasium verlassen, als das Geschäft seines Vaters in Konkurs ging. Die Familienkasse war leer. Otto absolvierte eine kaufmännische Lehre, obwohl er eigentlich Schriftsteller werden wollte. In den 30er-Jahren führte er einen Zigarrenladen in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Otto mit einer Kopfverletzung in einem Wehrmachtslazarett. Otto flüchtete nach Hamburg. Der Versuch, eine Schuhfabrik aufzubauen, scheiterte.

Grundstein vor 60 Jahren gelegt

Den Grundstein für das heutige Unternehmensimperium legte Otto, als er vor fast genau 60 Jahren, am 17. August 1949, mit einem Startkapital von 6000 Mark sein Versandgeschäft gründete.

Als fleißig, diszipliniert und schörkellos wird Otto beschrieben. Ausgestattet mit einem ausgeprägten Gespür für die Konsumgewohnheiten potenzieller Kunden feierte er in der Nachkriegszeit rasch Erfolge. Gemäß dem Motto „Vertrauen gegen Vertrauen” führte er als Erster in der Branche den Kauf gegen Rechnung ein. Durch Qualitätsprodukte befreite er sein Versandgeschäft vom Geruch des Kleine-Leute-Handels. Das Unternehmen expandierte.

„Panta rhei, alles fließt” – einen Ausspruch, der dem Philosophen Heraklit zugeschrieben wird, gibt Otto als Lebensmotto an. „Wer statisch denkt und aus Angst vor Fehlern keinen Schritt nach vorn wagt, sollte kein Unternehmer werden”, sagte er. Und: „Versuche deinen Fehlern, also dir selbst, ins Gesicht zu sehen.”

Früh erkannt: Einkaufszentren sind wichtig

Früh erkannte Otto, wie wichtig Einkaufszentren im Einzelhandel werden sollten. Ende der 60er-Jahre gründete er die Firma ECE, die heute 112 Einkaufszentren in Europa baut, entwickelt oder betreibt. Als er schon weit über 60 Jahre alt war, begann Otto, eine US-amerikanische Immobiliengruppe aufzubauen.

Anfang der 60er-Jahre erlitt Otto einen Kreislaufkollaps. Er veränderte seinen Lebensstil, arbeitete fortan bevorzugt am Stehpult, verzichtete auf fetthaltiges Essen, zog sich aus der Leitung des Versandkonzerns zurück. Sein Sohn Michael trieb das Geschäft voran, bei ECE steht Werner Ottos jüngster Sohn Alexander an der Spitze.

Fünf Kinder und zehn Enkelkinder

Getreu dem Grundsatz „Wer viel hat, soll viel geben” unterstützt Werner Otto zahlreiche kulturelle und wohltätige Projekte. Zu seinem Geburtstag hat er gemeinsam mit seiner 32 Jahre jüngeren Ehefrau Maren eine Stiftung zur Unterstützung armer älterer Menschen in Berlin und Brandenburg gegründet.

Werner Otto, der fünf Kinder und zehn Enkelkinder hat, ist in dritter Ehe verheiratet. Seit seinem 90. Lebensjahr lebt er mit seiner Frau Maren in Berlin. Sie war es auch, die Werner Ottos Leidenschaft für Creme Caramel verriet.

Ulf Meinke

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