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Das Millionen-Geschäft mit den Adventskalendern

25.11.2011 | 18:42 Uhr
Das Millionen-Geschäft mit den Adventskalendern

Essen.   Binnen weniger Jahre hat die Spielzeug-Industrie das Geschäft mit den Adventskalendern geentert. Die Aktionsregale in Supermärkten und Kaufhäusern offenbaren einen Traditionsbruch der lukrativsten Art: Kalender von Lego, Playmobil, Lillifee, Barbie.

Millionen Kinder werden sich am kommenden Donnerstag etwas bereitwilliger wecken lassen als üblich: Dann schreibt der Kalender den 1. Dezember und sie dürfen ihr erstes Türchen öffnen. Aber wehe, dahinter klebt nur so ein dröges Stück billiger Kuvertüre in Form einer Kerze, eines Kleeblatts oder gar eines Fliegenpilzes. Dann verwandelt sich das süße Strahlen in den Gesichtern ganz schnell in bittere Enttäuschung. Warum kein Playmobil-Männchen , Filly-Pferd oder Yoda im Weihnachtsmann-Kostüm?

Zum Leidwesen vieler Eltern neigt sich im Jahre 2011 nach Christi Geburt die Zeit wohl endgültig dem Ende, da man Kinder im Advent mit flachen Schokokartons oder strangulierten Strümpfen erfreuen konnte. Die Aktionsregale in Supermärkten und Kaufhäusern offenbaren einen Traditionsbruch der lukrativsten Art: Jede Spielzeugmarke, die etwas auf sich hält, packt ihre Figuren, Bauteile und Modellautos hinter 24 bunte Türchen und verkauft Kalender zwischen fünf und 50 Euro.

Eltern können ihre Kinder auf den Einkaufswagen-Trittbrettern gar nicht so schnell daran vorbeischieben, dass sie ihr Lieblingsspielzeug übersehen könnten: Kalender von Lego, Playmobil, Lillifee , Barbie oder den „drei ???“ fallen ins Kinderauge, ihre Schoko-Pendants ins 99-Cent-Regal.

Umsatz ist sprunghaft gestiegen

Binnen weniger Jahre hat die Spielzeug-Industrie das Geschäft mit den Adventskalendern geentert: Playmobil machte 1996 den Anfang, doch bis 2004 Lego nachzog, waren sie eher eine Nische für Kinder von Besserverdienern. Der Durchbruch gelang 2009, als sich der Umsatz im Vergleich zu 2007 von 9,5 auf 18,5 Millionen Euro verdoppelte. Im vergangenen Jahr verkauften Spielwarenhersteller laut dem Marktforschungsinstitut Eurotoys 1,7 Millionen Kalender für 22 Millionen Euro. „In diesem Jahr werden es deutlich mehr als zwei Millionen sein“, sagt Eurotoys-Direktor Werner Lenzner. Also einer der rund 100 verschiedenen Spielzeug-Kalender für fast jeden Zweiten in der Zielgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen,

Nicht mitgezählt sind die Ü-Ei-Kalender von Ferrero. Da ist ja noch Schokolade drumherum. Jeden Tag ein Ei – welche Überraschung. Das wichtigste Christenfest für die Ü-Eier ist aber Ostern. So wie für die anderen Schokoladen-Hersteller auch. Marktforscher Lenzner beobachtet eine klare Aufteilung: „Spielzeug im Adventskalender erlebt einen enormen Boom. Im Osterei läuft es nicht gut. Da hat Ferrero klar gewonnen.“

Für die Spielwarenindustrie sind Adventskalender die Innovation der vergangenen Jahre schlechthin. Lego-Sprecherin Katharina Sutch preist sie als „kreative Alternative zu der üblichen Schokolade hinter den Türchen“. Playmobil verrät: 2010 war der Playmobil-Adventskalender der Artikel mit dem zweithöchsten Umsatz im klassischen Spielwarenmarkt.

Kalenderinhalt muss nichts mit Weihnachten zu tun haben

Mit Weihnachten muss der Inhalt der Kalender nichts zu tun haben. So verpackt Playmobil neben dem Weihnachts-Postamt auch die Prinzessinnen-Hochzeit und die Piraten-Schatzhöhle. „Die drei ???“ lassen ihren Rätsel-Kalender gleich auf einer karibischen „Geisterinsel“ spielen und hängen einfach ein paar Christkugeln an die Palmen.

Weihnachtsmarkt in Essen

Auf jeglichen Advents-Schnickschnack verzichtet der 24-Türer von „Lego Star Wars“ für 29,99 Euro. Ausverkauft ist er trotzdem und deshalb zum Spekulationsobjekt geworden: Bei Amazon musste man zuletzt 52,49 Euro hinlegen, bei Ebay bis zu 74 Euro.

Macht also die gierige Spielzeug-Industrie einen Brauch kaputt? Marktforscher Lenzner spielt den Ball zurück: „Das hat auch einen gesellschaftlichen Aspekt – Eltern sind fauler. Früher haben sie den Kalender selbst bestückt.“

Das spiegelt sich auch in all den artfremden Kalendern wider, die sich Erwachsene schenken: Das Modell „In der Weihnachts-Brauerei“ für 45,95 Euro enthält 24 Bierdosen, der Energy-Drink-Kalender (49,49 Euro) Süßwasser satt, der Werkzeugkalender Schraubenzieher und Aufsätze. Für die Damen wird Schmuck oder Schminkzeug hinter den Türchen versteckt.

Wer keine Idee hat, kann zum Gutschein-Kalender greifen. Für Zocker gibt’s Gewinnspiel-Modelle. Und wer zu viel Geld hat, verschenkt 24 Gewürzmühlen für 129 Euro.

Doch tatsächlich wird auch das Ur-Modell für Puristen noch hergestellt: Der fein gezeichnete Adventkalender mit Bildern hinter jeder Tür. Ganz so, wie sich Gerhard Lang das 1904 gedacht hat, als er den Adventskalender erfand.

Stefan Schulte

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Kommentare
28.11.2011
12:17
das liegt an den Mitteln
von popeye2 | #3

Früher wäre Weihnachten genau so ein Kommerz wie heute, wenn Geld dagewesen wäre. Als ob früher absichtlich die Weihnachtsfeste bescheiden und still gefeiert wurden. Wenn kein Geld da ist oder keine Waren zur Verfügung stehen muss man halt in Stille feiern. Das wäre heute genauso, nur leben wir zur Zeit in einer Phase, in dem jeder über ausreichend Geld verfügt, ob er arbeitet oder nicht, und die Geschäfte im Überfluss jeden Kitsch und Luxus anbieten.

28.11.2011
08:09
was ist denn schon Weihnachten?
von rally | #2

Mittlerweile nur noch Kommerz, Saufgelagen auf Weihnachtsmärkten, X-Mas Partys und mega Lichtschau mit den neuesten Highend-Lichterketten in den Vorgärten. Jeder will sich übertreffen, Weihnachten wird immer kitschiger :-(.
Die Entwicklung einer schönen besinnlichen Weihnacht is dem "Spaßfaktor" zum Opfer gefallen. Mir gefällt das nicht, aber die Gesellschaft fährt ja voll drauf ab. Der Sinn der Weihnacht geht verloren...

27.11.2011
16:48
Adventkalender
von BeeTeeRay | #1

Der ausufernde Kommerz in der Weihnachtszeit lässt sich nun mal nicht stoppen, ob einem das gefällt oder nicht. Wenn der Familiensegen wegen so einem Teil schief hängt, da kaufe ich es lieber. Was mich persönlich komplett anwidert sind die Adventkalender für Hunde und Katzen bei Fressnapf, bestückt mit Leckerli. Bevorzugt gekauft von weiblichen Singles ab 40 für den Partnerersatz auf 4 Pfoten.

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