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Das Kürbis-Geschäft boomt

15.10.2010 | 18:28 Uhr
Das Kürbis-Geschäft boomt
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPool

Mülheim/Essen. Am 31. Oktober ist Halloween. Die Geisternacht ist nicht nur für Bauern ein wachsender Umsatzbringer. Auch die Karnevalsindustrie freut sich über jährliche Steigerungsraten.

„Halloween hat das Ganze zum Rollen ge­bracht,“ sagt Bauer Jochen Un­terhansberg und blickt auf ei­ne große Kürbislandschaft am Rande von Mülheim. Seit sechs Jahren baut der 48-Jährige hier, auf seinem Buchholzhof, auf einer Fläche von vier Fußballfeldern 150 verschiedene Sorten Kürbisse an. Und das Geschäft boomt: Pro Saison verkauft er 10 000 bis 15 000 Speise- und Zierkürbisse. Tendenz steigend. Bei Preisen von 99 Cent bis 3,99 Euro je Stück oder Kilo kommt Bauer Unterhansberg immerhin auf einen Umsatz von 10 000 auf 60 000 Euro.

Das bunte Herbstgemüse wird bei den Deutschen immer beliebter. Der Absatz ist laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) seit 2003 um immerhin 60 Prozent gestiegen. Heimische Landwirte wie Jochen Unterhansberg haben das Kürbis-Geschäft längst für sich entdeckt. Die deutsche An­baufläche ist seit 2006 um die Hälfte auf 1799 Hektar an­gewachsen, eine Fläche von 2447 Fußballfeldern. Michael Koch von der AMI sieht für den Kürbis-Boom vor allem eine Ursache: Halloween.

Im Vergleich zu Karneval sei Halloween zwar noch „ein Baby“

Neben den Kürbis-Bauern profitieren aber auch andere Branchen vom amerikanischen Fest-Import. Über „jährliche Steigerungsraten von sechs Prozent“ freuen sich die Karnevalisten, die sich über Halloween ihr Pappnasen-Geschäft um das Gruselmasken-Business erweitert haben. Im vergangenen Jahr haben die Unternehmen, die innerhalb der Spielwarenindustrie zur Fachgruppe Karneval gehören, 29,6 Millionen Euro mit Halloween-Kostümen, Hüten, Masken oder Schmink-Utensilien umgesetzt. Ein Drittel mehr als noch zwei Jahre zuvor, sagt Dieter Tschorn von der Fachgruppe Karneval.

Im Vergleich zu Karneval sei Halloween zwar noch „ein Baby“. Das Halloween-Geschäft mache erst zehn Prozent des Karnevals-Umsatzes aus, habe aber enorme Wachstumschancen vor sich. Und Tschorn kennt noch einen Vorteil der Geisternacht ge­genüber dem närrischen Treiben: „Karneval gibt es nur in den Hochburgen. Halloween dagegen von Flensburg bis Garmisch und von Trier bis an die polnische Grenze.“

„Karneval wurde abgesagt und die Hersteller erlitten massive Um­satzeinbrüche“

Es ist allerdings auch kein Wunder, dass gerade die Karnevals-Industrie derartige Lo­beshymnen auf den amerikanischen Importschlager hält. Sie war es schließlich, die Halloween während des Zweiten Golfkriegs 1990/91 nach Deutschland holte. „Karneval wurde abgesagt und die Hersteller erlitten massive Um­satzeinbrüche“, sagt Tschorn. Durch PR-Arbeit habe die Branche Halloween hierzulande populär gemacht – nicht gerade zur Begeisterung der Evangelischen Kirche, die befürchtet, dass der Reformationstag am 31. Oktober durch den „Grusel-Brauch“ ins Hintertreffen gerät. „Süßes oder Saures“ statt Luthers Thesen.

Auch der Einzelhandel versucht die Nacht des Grauens für seine Zwecke zu nutzen. „Halloween ist das Ereignis im Herbst“ , sagt Ulrike Hörchens vom Einzelhandelsverband HDE. Gemessen am gesamten Einzelhandelsumsatz sei Halloween allerdings ein kleines Geschäft. „Es ist noch nicht mal vergleichbar mit Muttertag oder Valentinstag“, so Hörchens. Und zu Weihnachten verhalte sich Halloween „wie die Stecknadel zum Zaunpfahl.“ Für den Handel ist Halloween mithin mehr Schein als Sein: Es gehe weniger um Umsatzsteigerungen und mehr um hübsch dekorierte Schaufenster. Kürbis und Co. als Lockvögel.

„Kein Vergleich mit Weihnachten oder Ostern“

Nicht überall hält das Halloween-Geschäft, was sich die Wirtschaft davon versprochen hat. „Der große Markt ist Halloween nicht“, heißt es bei der Süßwarenindustrie. „Kein Vergleich mit Weihnachten oder Ostern“, sagt ein Sprecher. Anfang der 1990er-Jahre haben viele Süßwarenhersteller versucht, auf Halloween zu setzen. Bis auf einzelne Ausnahmen, wie Fruchtgummi-Vampire, hätten die meisten Großunternehmen das Ge­schäft aber inzwischen wieder eingestellt.

Was bleibt, ist Gemüse. Der Kürbis ist dank Halloween von einem Untoten der Gemüsepflanzen zu neuem Leben erwacht. Man kann ihn nicht nur schnitzen, sondern auch essen. Und das freut Bauer Unterhansberg sehr. Der Kürbis löse sich zusehends von Halloween. Die Leute kauften auch noch nach Halloween Kürbisse, in guten Jahren bis in den Februar hinein.

Der Verkaufsrenner ist zwar immer noch der orangefarbene Halloween-Kürbis. Muskat-, Spaghetti- oder Hokkaido-Kürbis, um nur drei von Bauer Unterhansbergs Sorten zu nennen, finden sich aber immer öfter auf dem Suppenteller wieder.

Maira Schmidt



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