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Produkt-Auszeichnungen

Das Geschäft mit dem Design

16.02.2010 | 07:05 Uhr
Das Geschäft mit dem Design

Essen.Das Geschäft mit Design-Auszeichnungen boomt. Immer mehr Hersteller reichen ihre Produkte bei Design-Jurys ein, um einen der begehrten Preise einzuheimsen – ein gutes Geschäft für die Unternehmen, die die Auszeichnungen vergeben.

Was haben der Toyota-Kleinwagen iQ, der W1-Damentauchanzug und die Rainshower-Handbrause von Grohe gemein? Sie alle wurden vergangenes Jahr von Peter Zec und seinem Team unter die Lupe genommen und für ihr Design ausgezeichnet. Zec ist Chef des Designzentrums Nordrhein-Westfalen in Essen und vergibt einen begehrten Preis, den Red Dot Design Award. Immer mehr Hersteller wollen ihre Produkte mit so einer Auszeichnung schmücken – ein glänzendes Geschäft für das Designzen-trum und all die, die solche Auszeichnungen vergeben.

Wer Peter Zec fragt, warum eine Firma ihre Produkte einer Design-Jury vorlegen sollte, bekommt ohne Umschweife eine Antwort: „Unternehmen suchen nach Differenzierung. Das Design allein schafft das nicht. Deshalb haben so viele Interesse an einer Auszeichnung.“ Allein voriges Jahr fanden über 12 000 Produkte den Weg nach Essen. Gut ein Zehntel schmückt seitdem ein roter Punkt – von der Couchgarnitur über Badewannen bis hin zu Traktoren.

200 Euro müssen die Firmen locker machen, damit sie beim Schaulaufen dabei sein dürfen. „Das gewährt uns eine größtmögliche Unabhängigkeit“, sagt Zec fast entschuldigend. Wer ausgezeichnet wurde und das begehrte Logo auf sein Produkt drucken möchte, zahlt extra. Dafür bekommt er die Rundum-Betreuung – bis hin zu einer Erwähnung im Jahrbuch des Designzentrums, einem dicken Wälzer in zwei Bänden. Das wird im eigenen Verlag gedruckt und ermöglicht Zecs Unternehmung eine „hohe Wertschöpfung“. Zahlen will der Essener „Design-Papst“ aber nicht nennen. Nur so viel: „Das Geschäft läuft.“ Davon zeugt auch, dass sein Unternehmen mittlerweile 40 Festangestellte beschäftigt und in Asien aktiv ist.

Zecs Konkurrenz sitzt in Hannover. Das International Forum Design vergibt den „iF Award“ – ähnliches Geschäftsmodell, anderes Logo. Seit 1995 leitet Ralph Wiegmann die Geschicke des 1953 gegründeten Hauses.

Verstärktes Engagement in Fernost

„iF“ engagiert sich ebenfalls in Fernost. „In Asien ist die Wahrnehmung von Auszeichnungen viel größer“, sagt Wiegmann. „Dort ist für uns der wichtigste Markt.“

Wer beim International Forum Design sein Produkt einreicht, zahlt 150 Euro Anmeldegebühr. Eine Erwähnung im Jahrbuch, ein Platz in der Ausstellung auf dem Messegelände in Hannover und im Online-Schauraum kosten maximal 2700 Euro. 2600 Anmeldungen verzeichnete „iF“ 2009, rund ein Viertel erhielt die Auszeichnung.

Warum die Erfolgsquote so hoch ist? „Weil die Hersteller mittlerweile eine hauseigene Jury beauftragen, das Produkt in Augenschein zu nehmen, bevor sie es an uns weiterreichen“, sagt Wiegmann. Dem unterschwelligen Vorwurf, sein Logo sei käuflich, entgegnet er so: „Wir lassen die Produkte von unabhängigen, externen Juroren bewerten.“

Der Wert der Auszeichnung ist für die Hersteller schwer zu beziffern. Bringt sie wirklich mehr Absatz? Das möchte Robert Raymond von der Gesellschaft für Konsumforschung so nicht unterschreiben. Mit solchen Logos erreiche man keine klassischen Zielgruppen, sondern Leute, die sowieso auf das Design eines Produkts schielten, sagt der Marktforscher. Vor allem für diese sei eine Auszeichnung ein weiterer Kaufgrund. „Meine Oma bewegen Sie nicht dazu, einen Audi TT zu kaufen, nur weil der einen Designpreis bekommen hat.“

Sven Frohwein

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