Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Umweltschutz

Das Ende der Bioplastiktüte ist eingeläutet

26.12.2012 | 19:49 Uhr
Das Ende der Bioplastiktüte ist eingeläutet
Der Handelskonzern Rewe hat sie bereits aus dem Sortiment genommen: die Bioplastiktüte.Foto: Handout

Berlin.   Kaum ist sie auf dem Markt, droht ihr schon wieder das Ende. Die Rede ist von der Bioplastiktüte. Weil sie nicht so leicht kompostierbar ist, wie es die Hersteller versprechen, wird ab 2013 eine Entsorgungsgebühr fällig. Die Hersteller sind empört.

Klingt faszinierend: Aus Pflanzen stellt man eine Art Kunststoff her und verarbeitet diesen zu „Bioplastiktüten“. Nach dem Einkauf kann man die Taschen auf den Kompost werfen, wo sie wieder Erde werden. Doch leider funktioniert das nicht so einfach. Deshalb hat das Bundesumweltministerium jetzt beschlossen, die kompostierbaren Tüten gegenüber normalen Plastikbeuteln nicht mehr zu bevorzugen.

Die Folge: Die Abfallfirmen des Dualen Systems erheben ab Anfang 2013 eine Gebühr dafür, dass sie die Bioplastiktüten sammeln und verwerten. Die bisherige Ausnahmeregelung in der Verpackungsverordnung, die die kompostierbaren Tüten von der Gebühr befreite, läuft aus. Für die Verbraucher dürften die Biobeutel in den Geschäften deshalb teurer werden.

Das ärgert die Produzenten der Beutel. „Hier wird ein ökologisches Produkt verteuert, das einfach verrottet“, sagt Hannes Pressmar von der Firma BioBag im baden-württembergischen Denzlingen.

Hohe Belastung durch Düngung

Das Unternehmen fertigt kompostierbare Folien auf der Basis von Maisstärke. Die Einkaufstüten aus nachwachsendem Rohstoff seien eine höchst sinnvolle Entwicklung, sagt Pressmar, da sie der Belastung der Meere mit gefährlichen Plastikpartikeln entgegenwirkten. Viele herkömmliche Kunststoffe werden aus Erdöl gewonnen.

Hintergrund
Auch Aldi stoppt Verkauf von Bio-Plastiktüte

Im Streit um Bio-Plastiktüten reagieren jetzt auch die Discounterketten Aldi Nord und Aldi Süd auf Kritik der Deutschen Umwelthilfe. Aldi folgt damit der Supermarktkette Rewe und zieht die umstrittenen Tüten ebenfalls vom Markt.

Aber sind die Biotüten tatsächlich umweltfreundlich? Das Umweltbundesamt (UBA) schreibt: „Biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben insgesamt keinen ökologischen Vorteil.“ Die Experten begründen ihr hartes Urteil so: Beim Anbau der Maispflanzen würden etwa Düngemittel eingesetzt, die den Boden und das Wasser belasten. Solche Nachteile würden durch die Vorteile, etwa den niedrigeren Kohlendioxid-Ausstoß, nicht aufgewogen. Unter dem Strich lasse sich die Gebührenbefreiung im Dualen System deshalb nicht mehr rechtfertigen, so das UBA.

Hinzu kommt nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums, dass die Biotüten heute größtenteils nicht kompostiert werden können. Grundsätzlich würden sie unter bestimmten Bedingungen zwar verrotten, dieser Prozess dauere für die meisten Kompostanlagen aber zu lange.

Lieber einen Jutebeutel

Die Folge ist, dass die Abfallfirmen die Biotüten aus dem Biomüll heraussuchen müssen, was Kosten verursacht. Laut der Verwertungsfirma Grüner Punkt in Köln gehören die Komposttaschen heute eigentlich in die grauen Tonnen des Restmülls. Ab Januar soll man sie in die gelben Tonnen für Verpackungsabfälle werfen – und keinesfalls in die Biotonnen.

Hintergrund
Italien tütet jetzt umweltfreundlich ein

Ein neues Gesetz verbietet die umweltschädliche Tüte aus Erdöl – gegen den Widerstand der Kunststoffindustrie. Jetzt müssen sich die Italiener an einen Bio-Beutel gewöhnen.

Das Umweltbundesamt schließt nicht aus, dass in Zukunft Biokunststoffe auf den Markt kommen, die umweltfreundlicher und tatsächlich leicht kompostierbar sind. Heute lautet der Rat der Experten an die Verbraucher aber: Wer eine wirklich ökologische Tragetaschen-Variante wählen wolle, solle „langlebige“ Behältnisse benutzen. Also: hübsche Jutebeutel, farbenfrohe Leinentaschen oder auch die stabilen Exemplare, die sich an die Gepäckträger von Fahrrädern hängen lassen.

Hannes Koch



Kommentare
Aus dem Ressort
Fast alle Opelaner in Bochum unterzeichnen Aufhebungsvertrag
Opel
Für die 3000 Beschäftigten von Opel in Bochum läuft an diesem Dienstag die Frist zur Annahme des Sozialtarifvertrags ab. Ein Sprecher des Autobauers geht davon aus, dass fast alle Bochumer den Aufhebungsvertrag unterschreiben. Bis zum Wochenende hätten schon über 2000 Beschäftigte unterzeichnet.
Urteil im Opel-Prozess fällt am letzten Produktionstag
Betriebsrats-Klage
Am 12. Dezember ergeht im Prozess zwischen Bochums Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel und der Adam Opel AG vor dem Landgericht Darmstadt vermutlich ein Urteil. Es könnte ein in doppelter Hinsicht historisches Datum werden. Exakt an diesem Tag endet nach 52 Jahren die Autoproduktion in Bochum.
Wizz Air streicht alle Flüge von Dortmund in die Westukraine
Ukraine-Krise
Die Ukraine-Krise trifft den Flughafen Dortmund: Wizz Air stellt Ende Oktober alle Flüge nach Lemberg (Lwiw) ein. Die aktuelle Situation in der Ukraine habe zu einem Einbruch der Passagierzahlen geführt, so die Fluggesellschaft. Es ist nicht die erste Verbindung, die der Krise zum Opfer fällt.
So wollen Fastfood-Ketten den Mindestlohn aushebeln
Fastfood
Bei den Tarifverhandlungen wollen Systemgastronomen wie McDonalds, Burger King, Nordsee und Starbucks den Mindestlohn aushebeln. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie sämtliche weiteren Zuschläge wollen sie abschaffen. Beschäftigte hätten dann weniger Geld als jetzt. Die Gewerkschaft NGG ist empört.
BP bleibt in Bochum - tausend Jobs gesichert
Konzern
Die Europazentrale von BP bleibt in Bochum. Das hat die Funke Mediengruppe am Dienstag aus Unternehmenskreisen erfahren. Die Entscheidung sichert den Erhalt von rund tausend Arbeitsplätzen. Anfang August war bekannt geworden, dass BP mit dem Gedanken spielt, Bochum zu verlassen.
Umfrage
Essen testet jetzt, ob nächtliches Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen etwas für den Lärmschutz bringt. Was halten Sie davon?