„Das deutsche Exportwunder hält“

Was wir bereits wissen
Das Geschäftsklima im Bezirk der Hagener SIHK hat sich seit dem Herbst deutlich erholt. Unternehmen sind „gedämpft optimistisch“. Höhere Netzentgelte könnten sich aber zum „Investitionskiller“ entwickeln.

Hagen..  Das Wetter mochte so gar nicht passen. Tiefhängende, graue Wolken, die nicht mit Regen geizen. Ein trister Januar-Tag. Dagegen steht das Konjunkturbarometer der Unternehmen im Märkischen Kreis, in der Stadt Hagen und im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis auf heiter bis sonnig: Das Geschäftsklima im Bezirk der südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) Hagen hat sich seit Herbst deutlich erholt, ist um 20 Punkte geklettert. SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick sprach gestern bei der Vorstellung der Konjunkturaussichten von „gedämpftem Optimismus“.

„Jedes zweite Unternehmen bezeichnet seine Geschäftslage als gut, jedes vierte rechnet mit einer Verbesserung in den nächsten zwölf Monaten“, gab Rapp-Frick die Eindrücke der 219 repräsentativ befragten Unternehmen – mit zusammen rund 36 600 Beschäftigten – wieder. Die Skepsis aus dem Herbst ist demnach gewichen – trotz „Unsicherheiten in Geschäften mit Russland und den Währungs- und Verschuldungturbulenzen “. Die Folgen der Wahlen in Griechenland für den Euro-Raum und die europäische Wirtschaft sind dabei in die Erhebung noch nicht eingeflossen. Griechenland spiele im Export aber auch keine zu große Rolle, ordnete Rapp-Frick ein. „Deutschland hat ein wichtiges Exportland zurückgewonnen: die Schweiz“, erklärte er mit Blick auf die Entkoppelung des Schweizer Franken-Kurses vom Euro.

Auch die aktuelle Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie, bei der die IG Metall eine Lohnsteigerung von 5,5 Prozent verlangt, ändere „nichts an den guten Fundamentaldaten“. Selbst der Mindestlohn ärgere die Unternehmen nur durch „die zusätzliche Bürokratie bei der Umsetzung“. Auslöser für die Stimmungsaufhellung seit dem Herbst seien einerseits die gute Binnennachfrage sowie der niedrige Euro-Kurs und der sinkende Ölpreis. Rapp-Frick: „Das deutsche Exportwunder hält.“

Die optimistischen Erwartungen gelten dabei für alle drei Sektoren. Die Industrie im Kammerbezirk konnte seit November einen Umsatzanstieg von drei Prozent verbuchen. Zum Vergleich: Für NRW liegt der Wert bei - 0,8 Prozent, im Bund bei 1,8 Prozent. Als „Wachstumsbeschleuniger“ machte die SIHK die Automobilzulieferer, die metallverarbeitenden Unternehmen, den Maschinenbau und die Elektroindustrie aus.

Deutschlandweite Trendwende

Der Handel profitiert von der „ungebrochenen Kauflaune der Verbraucher“; der Großhandel erreicht sogar einen „Rekordwert“ von aktuell 142 (von 200 möglichen) Punkten.

Investitionen im Ausland

In der Dienstleistungsbranche sind Lage und Aussichten nicht ganz so rosig; die Unternehmen erwarten nur eine „moderate Belebung“. Besonders das Kreditgeschäft leide unter den anhaltenden Niedrigzinsen und dem Margendruck.

Sorge bereitet der Kammer trotz guter Aussichten die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Während an deutschen Standorten nur für Ersatz Geld in die Hand genommen werde, erfolgten Neu- oder Erweiterungsinvestitionen zunehmend im Ausland – wegen der dort niedrigeren Energiepreise.

Überhaupt: Strompreise. Die gestiegenen Netzentgelte im Enervie-Versorgungsgebiet bezeichnet die SIHK als „Investitionskiller“. Rapp-Frick berichtete von mindestens drei Unternehmen aus dem Kammerbezirk, die allein deswegen Investitionen ins Ausland verlagert oder zurückgestellt hätten. Für energieintensive Betriebe machten die höheren Netzentgelte pro Jahr Mehrkosten von mehreren Hunderttausend Euro aus. „In acht Jahren, bis zur Abschaltung der Enervie-Kraftwerke, werden daraus Millionen-Beträge“, verdeutlichte der Hauptgeschäftsführer die dunklen Wolken am sonst aufgehellten Konjunkturhimmel.