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Aktienmarkt

Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht

08.03.2013 | 19:49 Uhr
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
Die Aktienhändler hieften den Dax gestern auf über 8000 Punkte.Foto:Lisi Niesner

Frankfurt.   Der deutsche Aktienindex ist auf dem Weg zu einem neuen Allzeithoch. Am Freitag übersprang er erstmals seit 2008 wieder die magische Marke von 8000 Punkten. Denn wer zurzeit Geld gewinnbringend anlegen will, hat kaum Alternativen zu Aktien.

Es war ein Sprung mit Ansage. „Der Anstieg über die Marke von 8000 Punkten war naheliegend“, sagt Fidel Helmer, erfahrener Börsenbeobachter beim Bankhaus Hauck&Aufhäuser.

Nach den guten Vorgaben aus den USA und aus Japan, wo die Aktienkurse ebenfalls weiter gestiegen waren, wollten die Händler am Freitag auch Zuversicht verbreiten. Und hievten mit weiteren Käufen den Deutschen Aktienindex Dax erstmals seit mehr als fünf Jahren oder fast 1900 Tagen wieder einmal über eine vermeintlich wichtige psychologische Schwelle.

Bei 8002,98 Punkten stand der Index am Morgen kurz nach Eröffnung des Börsenhandels, am Nachmittag waren es sogar 8015,07 – obwohl es eigentlich keine neuen Nachrichten gab, die den Kursen hätten Impulse geben können.

Woher kommt die neue Zuversicht der Aktienhändler?

Aktien haben derzeit vor allem einen Vorzug: Wer Geld gewinnbringend anlegen will, hat kaum Alternativen. Die Zinsen sind niedrig, liegen oft unter der Inflationsrate, weshalb damit sogar ein Verlust einhergeht. Die Preise der Edelmetalle, vor allem von Gold, dümpeln auch eher vor sich hin. Staatsanleihen haben durch die Schuldenkrise massiv an Renommee eingebüßt. Der Rentenmarkt sei ausgelutscht, sagt Oliver Roth vom Handelshaus CloseBrothersSeydler.

Aktien sind dagegen begehrt. Vor allem große deutsche Konzerne legen fast ausnahmslos gute Bilanzen und volle Auftragsbücher vor. „Die Berichte sind hervorragend“, sagt Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck&Aufhäuser. So kündigten Adidas, Linde und Merck an, deutlich höhere Dividenden auszuschütten. Mehr als 33 Milliarden Euro werden die 100 größten deutschen Aktiengesellschaften in den nächsten Wochen an ihre Aktionäre auszahlen – so viel wie nie zuvor.

Drücken denn nicht die überschuldeten Staatshaushalte das Klima?

Die Schuldenprobleme in der Eurozone, in den USA und in Japan interessieren an der Börse derzeit niemanden. Ebenso wenig der ungelöste Haushaltsstreit in den USA oder die Rezession in der Eurozone, vor allem in den südlichen Staaten. Auch die Wahl in Italien oder die wieder angefachte Krise in Korea können die Börsianer nicht verunsichern.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach oben, sagt die Mehrheit der Auguren. Genau aus den Gründen, die die Kurse auf das aktuelle Niveau gehoben haben: die niedrigen Zinsen und damit fehlende Alternativen. Und natürlich die großzügige Geldpolitik der Notenbanken. Unablässig pumpen sie in den USA, in Japan, in Großbritannien und in der Eurozone billiges Geld in den Markt, um die Konjunktur auf Trab zu halten oder zu bringen. Und um den Kampf gegen die Schuldenberge und die Finanzkrise zu erleichtern. Sprüche wie „Die Notenbanken dopen den Dax“ oder „Surfen auf der Geldwelle“ machen unter Börsianern die Runde. Doping heißt in diesem Fall: niedrige, sogar sehr niedrige Zinsen. In den USA verlangt die Notenbank aktuell 0,25 Prozent, wenn sich Geschäftsbanken Geld leihen, in England 0,5, in der Eurozone 0,75, in Japan 0,82 Prozent. Und die Zinsen werden laut Händler Oliver Roth noch mindestens ein Jahr sehr niedrig bleiben.

Und wie geht’s mit dem Dax weiter?

Für Börsianer steht fest: Nachdem der Dow Jones an der New Yorker Börse ein neues Hoch bereits erreicht hat, wird auch in Frankfurt schon sehr bald der Rekord geknackt werden. Das Allzeithoch datiert mit 8151,57 Punkten vom 16. Juli 2007. „Mein neues Ziel sind 8500 Punkte“, sagt Fidel Helmer, der schon einige Börsencrashs erlebt hat. Und deshalb sicher ist, dass sich diesmal keine Blase gebildet hat. „Davon ist nichts zu sehen.“ 100 Punkte könne es schon mal nach unten gehen, so Helmer, aber der Aufwärtstrend sei intakt. Auch Oliver Roth sieht weitere Luft nach oben. „Ich kann mir auch 9000 Punkte vorstellen.“

Ist denn niemand skeptisch?

Solche Stimmen sind derzeit kaum zu hören. Absturzszenarien lassen sich nicht ausmachen, allenfalls Vorsicht. Bei der DZ Bank trauen die Experten dem Dax zur Jahresmitte und zum Jahresende „nur“ 7800 Punkte zu.

Lohnt es sich denn jetzt, in Aktien zu investieren?

Händler Roth rät ab, derzeit Aktien zu kaufen, weil es irgendwann zur Korrektur komme. „Vielleicht in sechs, in zwölf oder auch erst in 18 Monaten“, weiß auch er allerdings nichts Genaues. Für Helmer dagegen sind deutsche Standardaktien weiter ein Kauf, vor allem an Tagen, an denen der Dax vorübergehend nachgibt. Die Sause an der Börse, glaubt er, geht weiter.

Rolf Obertreis



Kommentare
10.03.2013
21:42
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
von lass_mal_laufen | #7

Nun ja, eröffnen wir doch mal die Spekulationen:
Der nächste Börsencrash wird kommen und wird erneut weite Teile des realen Marktes in den Abgrund stürtzen. Die sog. Regierung wird keinen anderen Ausweg aus der Hausgemachten Krise sehen, als die Systemrelevanten jeglicher Coleur zu stützen. Der Schuldenrahmen wird erweitert und die Sozialleistungen werden erheblich gekürzt. Die Renten sinken unter die Armutsgrenze und die Grundversorgung wird heruntergefahren.
Die Menschen gehen auf die Straße (endlich) und protestieren. Das nutzen die Regierenden aus und entsenden ihre Krawallmacher. Es kommt zu Ausschreitungen und das bereits existente Gesetz zum Einsatz der Bundeswehr im Innern kommt zum tragen. Die BW setzt Waffen ein, die bislang in der Bevölkerung unbekannt waren. Mikrowellenkanonen und Schallkanonen. Die "Aufstände" werden blutig niedergeschlagen und die Demokratie hat gesiegt. Das Volk leidet, die Eliten feiern.
Endlich Ruhe!
Blödsinn? Vielleicht.

09.03.2013
10:00
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
von mansgruf | #6

Kann mich wiederholen, wer hoch steigt kann tief fallen und wir wissen alle das die Blase in immer kürzeren Abständen platzt!

09.03.2013
09:40
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
von heinxel | #5

Ist eigentlich logisch. Je mehr Globalisierung in Europa, desto niedriger die Löhne, mehr Leiharbeiter, mehr Minijobs, mehr Aufstocker. Da gleichzeitig die Preise ansteigen und die Produktivität nach oben geht, steigen die Gewinnmargen der Unternehmen. Also steigen auch die Kurse.
Einfach gesagt, je mehr Leute ich schlecht bezahle, desto höher der Gewinn und der Aktienkurs.

Nur der "kleine" Mann hat sehr selten etwas davon

09.03.2013
06:24
Komplex
von Erbeck1 | #4

Das ist ein sehr komplexes Gebiet , wovon man oftmals zu wenig Ahnung hat - ich gehöre da auch zu ! Anlesen oder schlau machen ist hier auch nicht so einfach wie bei anderen Dingen . Die ersten 3 Kommentare zeigen das ja bereits auf !

1 Antwort
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
von mansgruf | #4-1

Das ist ganz einfach in Zeiten des Hochfrequentshandel, wenn du den Kurs siehst ist es so als ob du eine Supernova siehst die vor tausenden von Jahren explodiert ist!
Dei kommentar zeigt das du wirklich keinen blassen schimmer hast.

09.03.2013
00:44
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
von Juelicher | #3

Kleinanleger kann man vor Aktienkäufen immer nur warnen!
Meine Partnerin war einmal kurz nach der Jahrtausendwende so schlau, einige Tausend Euro in einen - seinerzeit jahrelang offenbar profitablen - Aktienfond zu investieren. Danach stürzten die Aktien derart ab, dass innerhalb von zwei Jahren kaum ein Drittel des Wertes vorhanden war. Den Höchstwert seitdem erreichte der Fond in 2008 mit rund 70 % des Ankaufwertes. Heute steht der Kurs - trotz etwa gleichen Indexwerten wie beim Kauf - nur bei der Hälfte des Ankaufswertes. Dies trotz jährlich wieder angelegter Dividende, von der die Hälfte nur für die Fondgebühren draufgeht.

08.03.2013
21:45
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
von unwitz | #2

Tja, der Kleinsparer bekommt nicht mal mehr die Inflation raus, dafür schießen die Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien in die Höhe. Aber so muss es zwangsläufig kommen, wenn man Niedristzinsen und die "Notenpresse" als Wundermittel ansieht.

Und Peter Bofinger - Deutschlands Vorzeige-Keynesianer - fordert von der EZB eine weitere Zinssenkung auf 0,25% (!) - was soll man dazu noch sagen. Aber am Ende sind eh wieder "die Neoliberalen" schuld.

08.03.2013
20:55
Darum steht der Dax bei 8000 - und wie es jetzt weiter geht
von DerRheinberger | #1

Wie geht es wohl weiter? Eine dämliche Frage!

Sie werden weiteres Geld drucken für die Spekulanten an den Börsen.

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