Bundestag beschließt Rücknahmepflicht für Elektrogeräte

Der Handel soll Elektroschrott zurücknehmen.
Der Handel soll Elektroschrott zurücknehmen.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Die Bundesregierung will verhindern, dass ausgediente Elektrogeräte auf dem Müll landen. Künftig müssen Händler Elektroschrott zurücknehmen.

Berlin.. Verbraucher sollen ausrangierte Elektrogeräte wie Handys, Toaster oder Fernseher künftig leichter beim Händler entsorgen können. Der Bundestag beschloss am Donnerstag mit den Stimmen von Union und SPD eine Reform des Elektrogerätegesetzes. Die neuen Regeln verpflichten Händler, kleinere Geräte in jedem Fall und größere beim Kauf eines gleichwertigen neuen Geräts kostenlos zurückzunehmen. Gelten sollen sie ab Anfang 2016. Vorher muss nach der Sommerpause aber noch der Bundesrat zustimmen. Grünen und Linken gehen die Pläne nicht weit genug.

Was genau soll sich ändern?

Wer Elektrogeräte auf mehr als 400 Quadratmetern verkauft, wird verpflichtet, Altgeräte kostenlos anzunehmen. Betroffen sind also Märkte wie Saturn oder Media Markt, nicht aber der Laden an der Ecke, der nur in einem Regal ein paar Geräte im Angebot hat. Den alten Kassenbon braucht man dafür nicht. Eine Rolle spielt aber die Größe: Bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimetern muss der Händler jedes Gerät zurücknehmen – darüber nur dann, wenn ein gleichwertiges neues gekauft wird. Handys und Ladegeräte werden Verbraucher also in jedem Fall los.

Und was ist mit dem Online-Handel? Elektromüll

Auch hier gilt die kostenlose Rücknahme-Pflicht – und zwar für alle Händler mit mehr als 400 Quadratmetern Lagerfläche. Bisher berechnet beispielsweise Amazon pauschal 15 Euro, wenn bei der Lieferung einer Waschmaschine oder eines Kühlschranks das alte Gerät gleich mit abgeholt wird. In Zukunft müssen die Händler sicherstellen, dass jeder Verbraucher in zumutbarer Entfernung eine Rücknahmestelle oder Versandmöglichkeit vorfindet.

Was sagt der Handel dazu?

Vor allem die Online-Händler sind wenig begeistert. „Wir sehen das rundweg kritisch“, sagt Sebastian Schulz vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Er geht nicht davon aus, dass viele Verbraucher den alten Toaster oder das Telefon zur Paketannahmestelle bringen und an einen Händler verschicken. „Trotzdem müssen die Unternehmen unter Einsatz von viel Geld und Personal die Infrastruktur vorhalten.“ Der Handelsverband Deutschland (HDE) findet richtig, dass das Recycling von Elektrogeräten verbessert wird. Der Handel habe freiwillig über 9000 Sammelstellen eingerichtet, so HDE-Geschäftsführer Kai Falk.

Wie viel Elektromüll fällt überhaupt in Deutschland an?

Jährlich schätzungsweise rund 23 Kilogramm pro Kopf. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden zuletzt knapp 780 000 Tonnen Altgeräte im Jahr gesammelt, davon 723 000 Tonnen aus privaten Haushalten – macht 8,8 Kilogramm pro Einwohner. Denn auch wenn es nicht erlaubt ist: Viele Geräte werden eben im Hausmüll entsorgt. Eine neue EU-Richtlinie sieht vor, dass bis zum Jahr 2016 mindestens 45 Prozent des anfallenden Elektromülls erfasst und wenn möglich wiederverwertet werden, bis 2019 soll die Quote auf 65 Prozent steigen. (mit dpa)