Bundesregierung warnt Schufa vor Facebook-Schnüffeleien
07.06.2012 | 10:48 Uhr 2012-06-07T10:48:42+0200
Berlin. Datenschützer sind alarmiert: Die Kreditauskunft Schufa will laut einem Medienbericht künftig Daten von Facebook-Nutzern auswerten, um daraus Rückschlüsse auf ihre Kreditwürdigkeit zu ziehen. Auch Bundesminister sehen das Vorgehen kritisch - und warnen die Schufa vor übereilten Schritten.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat die Ausforschung sozialer Netzwerke durch Auskunfteien kritisiert. Eine Auswertung der Daten etwa des sozialen Netzwerkes Facebook, um darüber die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern zu beurteilen, sei nicht hinnehmbar, erklärte die FDP-Politikerin am Donnerstag. Facebook-Freunde dürften nicht entscheiden, ob man einen Handy-Vertrag bekomme oder nicht. Die Auskunftei Schufa müsse völlige Transparenz herstellen. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte rasche Aufklärung von dem Unternehmen. "Es kann nicht sein, dass soziale Netzwerke systematisch nach sensiblen Daten abgegrast werden, die dann in Bonitätsbewertungen von Kunden einfließen", sagte die CSU-Politikerin dem "Münchner Merkur" (Freitagausgabe). Dies würde das Recht auf informationelle Selbstbestimmung massiv verletzen.
"Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden", sagte Aigner. Aufgabe der Schufa sei die Prüfung der Kreditwürdigkeit, und dazu müssten die Finanzdaten reichen. "Inhalte und Äußerungen in sozialen Netzwerken dürfen nicht von Auskunfteien missbraucht werden". Daran müssten auch die Betreiber dieser Netzwerke ein großes Interesse haben, von ihnen erwarte sie eine klare Aussage. Zugleich forderte Aigner die Nutzer auf, persönliche Daten nur sparsam im Internet preiszugeben. "Soziale Netzwerke wie Facebook sind nicht kostenlos - wir bezahlen mit der Preisgabe unserer privaten Daten", warnte sie.
Schufa begründet Facebook-Schnüffeleien mit "wissenschaftlichem Interesse"
Die Schufa bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd Medienberichte, wonach es solche Pläne gibt. Das Wiesbadener Unternehmen begründet seine Onlineaktivitäten mit rein wissenschaftlichem Interesse: Die Auskunftei wolle mit dem Projekt, das sie sich nach NDR-Informationen 200.000 Euro kosten lässt, lediglich einen "Beitrag zur öffentlichen Diskussion über das Internet leisten", sagte Schufa-Sprecher Andreas Lehmann. Deshalb habe sie das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) beauftragt, Projektvorschläge zu entwickeln.
Dass die im Internet gewonnenen Daten künftig auch systematisch zur Bonitätseinstufung der rund 66 Millionen bei der Schufa registrierten Menschen genutzt werden könnten, wollte der Sprecher der Auskunftei nicht bestätigen. Die Beschäftigung mit dem Internet geschehe zunächst "im streng wissenschaftlich-analytischen Rahmen", als "Grundlagenforschung", die ergebnisoffen betrieben werde.
Schufa will Informationen laut internem Dokument "aus Business-Sicht bewerten"
Dass es in Wahrheit jedoch bald darum gehen könnte, persönliche Beziehungen zwischen Internetnutzern und weiteren im Facebook-Profil hinterlegten Informationen sowie Textbeiträgen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit zu nutzen, fürchten nicht nur Datenschützer wie der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert. Er vermute, "dass Informationen, die beiläufig ins Netz gestellt worden sind, systematisiert werden sollen", sagte Weichert der Zeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe).
Intern macht die Auskunftei aus dem eigentlichen Ziel ihrer Onlineaktivitäten offenbar keinen Hehl. In einem vertraulichen Dokument, aus dem der NDR im Internet zitiert, heißt es: "Aus dem Web generierte Informationen" sollten "durch Schufa mit anderen Informationen verknüpft und aus Business-Sicht bewertet" werden. "Auf diesem Weg soll ein Pool von aus dem Internet generierten und regelmäßig aktualisierten Informationen entstehen, der von der Schufa für existierende und künftige Produkte eingesetzt werden soll", heißt es laut Bericht in dem Dokument weiter.
Datenschützer sehen eine "hochgefährliche" Idee und "Grenzüberschreitungen
Die Ideen der Auskunftei Schufa für Datensammlungen im Internet sind auf heftige Kritik von Daten- und Verbraucherschützern gestoßen. Es sei "hochgefährlich", "wenn verschiedene Datensammlungen mit persönlichen Lebensläufen und Angaben von einem Wirtschaftsunternehmen zusammengeführt und ausgenutzt werden", sagte Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg der "Welt" vom Donnerstag. "Das ist eine Grenzüberschreitung."
Auch der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, sagte, es sei problematisch, "dass Informationen, die beiläufig ins Netz gestellt worden sind, systematisiert werden sollen". Die Schufa hatte am Montag eine gemeinsames Forschungsprojekt mit dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam bekannt gegeben. Erforscht werden soll dabei den Angaben zufolge "einerseits die Validierung von Daten und andererseits Technologien zur Gewinnung von Daten".
Die "Welt" zitierte aus einem Memorandum namens "Projektideen", wonach das übergeordnete Interesse darin bestehe, statistische Zusammenhänge zwischen einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen und der Zahlungsfähigkeit eines Verbrauchers zu finden. Öffentlich zugängliche Daten aus dem Internet - etwa aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Geodatendiensten wie Google Street View oder Mitarbeiterverzeichnissen von Unternehmen - sollen demnach mit Daten aus der Schufa-Datenbank verknüpft werden.
Die Schufa sammelt Daten zur Kreditwürdigkeit von Bürgern. Diese werden unter anderem von Banken als Entscheidungsgrundlage bei der Vergabe von Krediten genutzt. (afp/rtr/dapd)

22:10
Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Da können sich Politiker und Datenschützer noch so aufregen. Öffentliche Daten sind nun mal öffentlich und jeder kann damit machen was er will - und was machbar ist, wird auch gemacht. Wenn nicht von der Schufa, dann von anderen. Wenn den Genannten die jetzige Situation nicht paßt, sollen sie gefällgst die entsprechende Rechtslage schaffen um dies zu verhindern. Mit jammern über die eigene Unfähigkeit ist niemand gedient...
Deshalb ist z.Zt. die einzige Möglichkeit dies zu stoppen, einfach keine Daten über sich herauzugeben. Wer´s trotzdem tut muß sich nicht wundern, wenn sie zu seinen Ungunsten verwendet werden. Er ist dann selber Schuld - und nicht die, die seine freiwillig herausgegeben Daten sammeln und verknüpfen...
15:13
komisch^^jeder kleine Online-Händler macht das, da sagt Bundesregierung nix...bin bei Facebook...Nik und E-Mailadresse falsch und gebe auch nix über mich preis auch keine Fotos!
Wer das macht der ist selber schuld!
16:30
Wenn es nicht die Schufa oder Deutsche sind, werden es eben Facebook oder andere Ausländer machen und die Daten verkaufen! -
Wir sind nicht allein auf der Welt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
12:07
Und wie will die Schufa prüfen, ob die Personendaten auch "echt" sind, oder ob ich einfach die Daten von meinem Nachbarn genommen habe?
08:21
und auf keinen Fall das andere genau soviel wissen wie sie selbst. Auch rückt die Zeit immer näher in der die FB-Generation auch auf Entscheiderpositionen kommt. Da wird es für den ein oder anderen schwierig werden, bestimmte im Internet dokumentierte Verhalten so zu deuten, das daraus zwangsläufig eine Verbrecherkarriere wird.
16:28
Da muß die Politik aber massiv diesen Machern auf die Finger hauen.sowas an unverfrorenheit habe ich noch nirgendwo gesehen ausser bei der Politik selber.
Stimmt. Aber keine Bange, die Saubermänner sind schon unterwegs zum Aufräumen...
15:52
Diese Vorgehensweise erinnert doch stark an Stasi-Methoden.
Die Gefahr liegt doch darin, dass z.B. bei Facebook irgendwer über einen falsche Behauptungen aufstellen kann.
Hier ist der Gesetzgeber gefordert, er muss diesen Unternehmen wie Schufa u.a. Grenzen setzen.
Mit der immer gerne genannten Stasi Keule hat das überhaupt nichts zu tun. Das sind Daten die für jedermann öffentlich im Internet stehen. Und diese Daten haben die Nutzer FREIWILLIG ins Internet gestellt. Niemand wird von irgendjemand gezwungen seine Daten bei Facebook einzustellen. Nicht die Stasi, nicht die Gestapo und auch nicht der Bundesgeheimdienst zwingen da zu.
Genauso könnte ich in den nächsten Rewe gehen und an die Pinnwand schreiben das ich arbeitslos bin, im Sommer zum Ballermann 6 fahre und ich am liebsten Coca Cola trinke. Mit Fotos von der letzten Strandfete bei der ich aus einem Eimer Sangria trinke.
Jeder ist selbst dafür verantwortlich und nicht die Stasi.
15:06
Die Regierung (wir erinnern uns: die mit dem Bundes-Trojaner) warnt Dritte vor dem munteren Schüffeln! Bravo! Urban Priol wird sich über solch eine Steilvorlage freuen ...
14:43
von makoco | #7
Sorry,dass sind genau die Bürger die Doofland braucht,alles brav abnicken...
14:37
Was soll die Aufregung? - jeder der bei Facbook und Co seine Daten lässt, weiß daß sie öffentlich sind und daß jeder sie einsehen und nutzen kann.