Buchhändler Weltbild verkauft jede zweite Filiale

Das Filialnetz der Medienhandelskette Weltbild soll in Deutschland ausgedünnt werden.
Das Filialnetz der Medienhandelskette Weltbild soll in Deutschland ausgedünnt werden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach der Übernahme durch den Düsseldorfer Investor Doege wird das Filialnetz des insolventen Medienhändlers Weltbild ausgedünnt. Gewerlschaft fürchtet um Hunderte Jobs.

Augsburg.. Ein Jahr nach der Insolvenz des ehemaligen Kirchenkonzerns Weltbild ist die Unruhe bei dem Buchhändler weiterhin groß. Am Freitag gab das Augsburger Unternehmen bekannt, dass es sein Filialnetz massiv ausdünnt. 70 Geschäfte und somit praktisch jeder zweite Laden wird verkauft. Von einst 220 verbleiben damit nur noch 75 Buchhandlungen bei Weltbild.

Die Größenordnung von 70 unrentablen Filialen, die abgegeben werden sollen, hatte die Gewerkschaft Verdi bereits vor Wochen genannt - nun folgte die Bestätigung. Die Hoffnungen, die viele Mitarbeiter vor einem halben Jahr bei der Übernahme durch den Düsseldorfer Investor Droege hatten, werden damit immer mehr enttäuscht. Obwohl in der Insolvenz schon Hunderte Jobs bei Weltbild verloren gingen und Dutzende Filialen geschlossen wurden, sind weitere Stellenstreichungen bereits angekündigt - Details wurden aber nicht genannt.

Rätsel um Käufer von 70 "Weltbild"-Geschäften

Rätselraten gab es auch über den Käufer der 70 Geschäfte, der laut einer Weltbild-Sprecherin die 400 Mitarbeiter übernimmt. Weltbild sprach von einer "mittelständischen Buchhandelskette aus Ahaus", doch Recherchen führten in der Stadt in Nordrhein-Westfalen zu keinem passenden Unternehmen. Die Weltbild-Sprecherin wollte zunächst den Namen nicht nennen und der Betriebsrat verwies darauf, dass es Sache der Geschäftsleitung sei, den Käufer zu benennen.

Insolvenzen Grund für den Verkauf war, dass diese Buchhandlungen nicht die von der Unternehmensleitung erwarteten Erlöse brachten. Weltbild-Geschäftsführer Patrick Hofmann sprach von "zu hohen Struktur- und Mietkosten" an den Standorten. Als schwachen Trost für die Belegschaft kündigten die Manager an, in den nächsten Jahren wieder neue Filialen zu eröffnen - von etwa zehn Buchläden pro Jahr ist die Rede. Dennoch geht bei der Weltbild-Belegschaft die Angst um. Verdi spricht von 200 Stellen, die bei dem Händler selbst auf der Kippe stehen. In der Logistiksparte, die inzwischen von einem anderen Unternehmen des Droege-Konzerns geführt wird, sollen ebenso viele Jobs im Feuer stehen.

Betriebsrat beklagt "brutale Kostensenkung"

In einer Stellungnahme des Betriebsrats war Ende Januar von einem "Desaster" die Rede - es gibt massive Vorwürfe gegen Investor Walter Droege: "Jetzt zeigt sich, dass durch die brutale Kostensenkung das Geschäftsmodell von Weltbild bis in seine Grundfesten erschüttert wurde. Der Arbeitgeber verlangt, dass wir diese unternehmerische Fehlentscheidung mit unseren Arbeitsplätzen und Gehältern bezahlen", hieß es auf einem Flugblatt. Die Düsseldorfer Droege-Zentrale hüllt sich bei dieser Kritik in Schweigen, auch zu den angeblich 400 Stellenstreichungen gibt es keinen Kommentar. "Wir können nichts weiter bestätigen", sagte eine Sprecherin der Droege International Group AG am Freitag.

Der frühere katholische Verlagskonzern Weltbild fährt eine "Multichannel"-Strategie mit mehreren Vertriebswegen. Einerseits gibt es den Verkauf in den Städten in klassischen Läden, andererseits will Weltbild im Internet Amazon Paroli bieten, ohne aber bislang auch nur annähernd die Angebotsbreite des US-Branchenriesen zu erreichen. Zudem gibt es auch noch den klassischen Verkauf via Katalog. Droege hält bislang 60 Prozent an Weltbild, Insolvenzverwalter Arndt Gleiwitz für die früheren Gläubiger die restlichen Anteile.

Die Unruhe im Unternehmen wurde kürzlich auch mit dem Weggang des langjährigen Chefs der Onlinetochter bücher.de, Gerd Robertz, offensichtlich. Robertz war zunächst zu einem von drei Geschäftsführern in der Konzernzentrale in Augsburg aufgestiegen, doch bereits nach wenigen Wochen schied er im Herbst aus dem Führungstrio wieder aus und reihte sich bei bücher.de ein. Schließlich folgte der endgültige Abgang, Robertz verließ Weltbild komplett. Details wurden auch in diesem Fall nicht genannt. (dpa)