Buchhändler der Mayerschen sollen ohne Lohnausgleich länger arbeiten
11.10.2012 | 18:42 Uhr 2012-10-11T18:42:00+0200
Essen. Die Flaute im stationären Buchhandel bringt die Mayersche auf neue Ideen: Die rund 800 Mitarbeiter sollen ab Dezember freiwillig und ohne Lohnausgleich 2,5 Stunden pro Woche länger arbeiten sowie auf Spätzuschläge verzichten. So will das Unternehmen die Profitabilität sichern.
Der Buchhandel hat es schwer gegen Internetanbieter und E-Books. Die Buchläden verzeichneten in diesem Jahr ein Umsatzminus von 4,7 Prozent. Auf das schwächelnde Geschäft mit dem gedruckten Buch reagieren die Ketten ganz unterschiedlich.
Die Mayersche Buchhandlung greift zu einer aufsehenerregenden Maßnahme: Unternehmenschef Hartmut Falter bittet seine rund 800 Beschäftigten, die in den 45 Filialen und in der Aachener Zentrale tätig sind, ab Dezember – also mitten im Weihnachtsgeschäft – mehr zu arbeiten und auf Spätöffnungszulagen zu verzichten. Die Einverständnis-Erklärung, die die Mitarbeiter bis Mitte Oktober unterschreiben sollen, sei „freiwillig und widerruflich“. Wer sich an der „Solidaritätsaktion“ nicht beteiligt, müsse keine negativen Konsequenzen fürchten, versichert Mayersche-Sprecher Torsten Woywod.
Mehr „schöne Dinge“, weniger Bücher in den großen Filialen: Buchhandelsketten wie Thalia oder Mayersche setzen zunehmend auf den Verkauf von artfremden Dingen wie Teelichter, Kochschürze und Frühstücksbrettchen. Kleinere Literaturhandlungen stemmen sich gegen den Trend.
Mit der Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich und dem Verzicht auf Zuschläge für die Zeit von 18.30 bis 19 Uhr will die Mayersche „der mäßigen Geschäftsentwicklung in der Buchbranche Rechnung tragen“ und „langfristig für Rentabilität“ sorgen, sagt Woywod. 2011 machte die Kette 153 Millionen Euro Umsatz, im Jahr davor 155 Millionen Euro.
Arbeitsplatzsicherheit bis 2013
Zur Belohnung spricht die Mayersche eine Arbeitsplatzsicherheit für 2013 aus und will auf Filialschließungen verzichten. An Stellenabbau denke das Unternehmen nicht. Bislang gebe es „zahlreiche positive Rückmeldungen“. Betriebsräte, die es bei der Mayerschen nur vereinzelt gibt, sollen der Aktion zugestimmt haben.
Thalia, die angeschlagene Douglas-Tochter, will nach Weihnachten 15 weitere Filialen schließen. Zuletzt hatte sie die traditionsreiche Buchhandlung im Essener Baedeker-Haus aufgegeben. Thalia-Chef Michael Busch will die Profitabilität der Kette verbessern, indem er die Verkaufsflächen verkleinert und ein eigenes Spielwarensortiment aufnimmt, das den Kinderbuch-Bereich ergänzen soll. In Deutschland setzte Thalia im Geschäftsjahr 2011/2012 rund 683 Millionen Euro um. Das waren auf vergleichbarer Fläche zwei Prozent weniger als im Vorjahr. 14 Prozent des Umsatzes machte der Hagener Buchhändler online.
Am Samstag schloss Thalia seine Filiale im Baedekerhaus an der Kettwiger Straße – und beendete damit eine beinahe 200 Jahre alte Tradition des Standorts.
Hugendubel aus München mit Filialen in Bochum und Krefeld bastelt an neuen Arbeitszeitmodellen. Gerüchte, die Kette wolle den Arbeitgeberverband verlassen und die Tarifbindung aufkündigen, dementierte die Geschäftsführung.
Der Bertelsmann-Buchclub will sein Filialnetz weiter ausdünnen. Das kündigte Unternehmenschef Bernd Schröder im „Handelsblatt“ an. Der Bertelsmann-Ableger leidet unter einem massiven Mitglieder-Schwund. Seit 2010 sank die Zahl von 2,7 Millionen auf unter zwei Millionen. Der Umsatz ging nach Konzernangaben „spürbar“ zurück. Genaue Zahlen nennt Bertelsmann nicht.
Auch die Kette Weltbild, die 40 Prozent ihres Umsatzes über das Internet macht, will Filialen schließen und die Verkaufsfläche verkleinern. Carel Halff, Vorsitzender der Geschäftsführung, malt ein düsteres Bild: „Die Zeit der traditionellen Buchhandlung mit vielen zehntausend Titeln geht zu Ende. Diese Vielfalt kann das Internet besser.“

13:59
Was ist denn die Alternative.
Etwa das hier? http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/weltbild-und-hugendubel-wollen-standorte-schliessen_H578416769_9340/
01:04
mh.. ob der Staat da mitspielt.. Krankenkassenbeiträge und Steuern gehen ihm durch unbezahlte Mehrarbeit flöten... aber im Ernst... Motivation sieht anders aus... die Manager haben sicher auch an einer überfüllten Universität studiert... oder lernt man das an Eliteuniversitäten? Fach: Ausbeutung der Arbeitskraft?
20:38
Besonders seltsam ist die Logik des: länger Arbeitens.
Wir wissen ja, dass Neoliberale noch nie logisch argumentiert haben (weil sie nämlich von der Dummheit der Mehrzahl der Menschen ausgehen)
Wenn die Mitarbeiter länger arbeiten, steigt natürlich nicht automatisch der Jahresumsatz.
Die faktische Lohnsenkung über längere Arbeitszeiten wird dem Aachener Unternehmern früher oder später, nach dem Dezembergeschäft, die Möglichkeit
geben, Personal abzubauen.
Dasselbe machen auch andere Unternehmen: Löhne kürzen, so dass die Arbeitnehmer dieser anderen Unternehmen sich weniger Bücher bei den Aachener kaufen können.
14:55
Bereits ab der aktuellen Frankfuhrter Buchmesse wird es das gedruckte Buch sehr schwer haben, denn die Ebook-Reader sind auf dem Vormarsch und es gibt bereits einen Hersteller, der einen solchen Reader für 10.- Euro anbieten möchte. Zwar sehr einfach gehalten, aber viel müssen diese Geräte auch nicht können. Amazon will sogar für 29.- Euro pro Jahr Ebookreader vermieten. Zu versuchen, den "stationären" Buchhandel mit längeren Öffnungszeiten am Leben zu erhalten ist ein fast aussichtsloser Kampf. In naher Zuklunft wird es vor diesen Buchläden "Ladestationen" geben, bei denen man Tag und Nacht seinen Ebookreader "befüllen" kann. Das gedruckte Buch wird wie die Vinyl-Schallplatte nur noch ein Nieschendasein fristen. Da helfen auch keine längeren Öffnungszeiten mehr, sondern sich dem modernen Markt so früh wie möglich anpassen.
13:28
kann man nur hoffen das die Angestellten da nicht mitmachen, auch nicht unter zwang.
Denn wer mitdenkt und aufgepasst hat über die letzten Jahrzehnte weiss, das zuerst freiwillig kommt und danach es vorausgesetzt wird.
Welche Möglichkeiten haben die Mitarbeiter denn? Wer gut ist sucht sich einen zukunftsträchtigeren Arbeitsplatz, wer den nicht findet legt sich in die soziale Hängematte?
12:02
da ist ja noch keiner drauf gekommen, das unternehmerische Risiko aufs Personal abzuwälzen.