Bofrost-Gründer klagt gegen Liste der reichsten Deutschen
06.04.2011 | 17:05 Uhr 2011-04-06T17:05:00+0200München. Josef Boquoi ist reich geworden mit seinem Unternehmen Bofrost - doch wie reich, das will er nicht in der Öffentlichkeit breittreten. Deshalb klagt der Firmengründer gegen eine Hitliste der reichsten Deutschen. Zum Prozessauftakt flogen die Fetzen.
Bofrost-Gründer Josef Boquoi will nicht zu den 100 reichsten Deutschen gehören - zumindest nicht auf einer Liste des „Manager-Magazins“. Mit einem geschätzten Vermögen von 950 Millionen Euro hatte das Magazin den langjährigen Chef der Tiefkühl-Kette auf Platz 92 gesetzt.
Weil Boquoi dadurch sein Recht auf Privatsphäre verletzt sieht und außerdem die Zahlen bestreitet, kam es am Mittwoch vor dem Landgericht München zu einem Prozess, bei dem die Fetzen flogen.
„Im Grunde ist das eine Neidliste - Tüchtigkeit wird bestraft, typisch deutsch!“, rief Boquois Anwalt Christian Schertz aufgebracht. „Der einzige Grund ist Sensationsgier. Ich will auch durchs Schlüsselloch gucken!“
Doch das Gericht sieht das anders. „Natürlich schaut man da rein, weil man neugierig ist“, räumte der Vorsitzende Richter Thomas Steiner ein. Aber das sei gar nicht der entscheidende Punkt. Die Gesellschaft müsse wissen und „darüber diskutieren, wo sind die großen Vermögen? Wie wurden sie geschaffen? Wie geht jemand damit um?“ Damit folgte er dem Argument von Verlagsanwalt Konstantin Wegner, über Reiche dürfe und müsse berichtet werden, weil ein großes Vermögen Macht und Einfluss in der Gesellschaft bedeute.
„Das wird ein Grundsatzprozess“
Boquois Anwalt Schertz hatte schon vor der Verhandlung befürchtet, „dass wir es in der ersten Instanz nicht schaffen werden“. Und hinzugefügt: „Wir ziehen das durch bis zum BGH. Das wird ein Grundsatzprozess.“
Das erwartet auch die Kammer. „Wir betreten hier Neuland“, sagte Richter Steiner und bedankte sich bei Schertz, dass er die Unterlassungsklage in München eingereicht habe: „Ich meine das ernst, das wird sehr interessant. Es gibt keinen Präzedenzfall.“
Auch die Familie des Richters war Bofrost-Kunde
Jede Familie kenne Bofrost, „wir waren auch mal Kunde“, sagte der Richter zur Einführung launig. Boquoi habe es mit seinen tiefgekühlten Lebensmitteln zu Wohlstand gebracht, inzwischen sei er ein älterer Herr.
„Genau“, rief Schertz: Boquoi lebe inzwischen sehr zurückgezogen und müsse es nicht mehr hinnehmen, mit seinem angeblichen Vermögen „in irgendwelchen Hitparaden aufzutauchen“. Da werde nur „die Aufmerksamkeit Krimineller geweckt“. Die Verlegerfamilien Augstein, Burda, Mohn tauchten in den Listen ihrer eigenen Zeitschriften nicht auf, „die sind da sehr empfindlich“.
Aber das Gericht blieb dabei, dass Vermögen ab einer bestimmten Größe „von der Privat- in die Sozialsphäre“ übergehen. Deshalb konzentrierte sich Schertz auf die angegeben 950 Millionen Euro: „Das ist unwahr. Die Zahlen stimmen einfach nicht!“
Doch auch bei diesem zweiten Punkt droht ihm eine Abfuhr. Denn das Magazin bezog sich unter anderem auf Boquois Anteile am Konzern und betonte, dass es sich bei der Vermögensangabe um eine Schätzung handelt. Weil Boquoi diese Tatsachenbehauptung bestreitet, liegt die Beweislast jetzt bei ihm: „Er müsste nachweisen, wie viel er hat. In der Beweisaufnahme muss er die Hosen runterlassen“, sagte Richter Steiner ungerührt.
Anwalt sieht das Ende des Rechtsstaats
Anwalt Schertz reagierte empört: Wer falsche Presseberichte über sein Vermögen nicht hinnehmen wolle, müsse alles offenlegen? Da nähere sich „das Ende des Rechtsstaats“. Das wiederum fand der Richter gar nicht witzig.
Seinem Vorschlag, das Magazin könnte Boqouis Vermögen in der nächsten Liste auf 600 Millionen Euro schätzen und den Prozess so mit einem Vergleich zu beenden, folgte der Anwalt nicht. Schertz will durch alle Instanzen gehen. Ob das wirklich im Interesse seines Mandanten sei, fragte der Richter: „So lange das Verfahren dauert, kommen noch drei „Manager-Magazine“ raus.“ Wann die Kammer ihr Urteil fällt, ließ er offen. (dapd)

16:52
bofrost sollte seine Mitarbeiter mal anständig bezahlen. Die wechseln ja am laufenden Band. Darum kaufe ich dort nicht mehr.
11:28
Wenn ein Plutokrat sich dermaßen masiv zur Wehr setzt ,dass sein Vermögen veröffentlicht wird ,dann gilt der altgermanische Satz :
Holzauge sei wachsam.
Im übrigen ist es mir unverständlich ,dass die angeblichen Leistungsträger in diesem Land ihr Vermögen -ab einer gewissen gesellschaftlich relevanten Größe - nicht veröffentlicht sehen wollen.
Diese Herrschaften sind doch - nach ihrem Selbstverständnis - die Leistungsträger im Land.
Für die Öffentlichkeit ist vor allem interessant wie diese großen Vermögen im Land -auf wessen Kosten - zustande gekommen sind.
Und zum anderen ist interessant zu wissen , wieviel diese großen Vermögensinhaber für die Bewältigung der notwendigen ,öffentlichen Aufgaben des Staates beitragen.
Denn trotz des herrschenden Dummgeschwätzes von wegen Selfmade; zu großen Vermögen haben in der Regel viele Menschen beigetragen.
Sprich : Wie hoch ist die Steuerquote dieser Herrschaften ,gemessen am Otto -Normalo?
Wer sich derart massiv gegen saubere Offenlegung von undurchsichtigen Vermögensverhältnissen wehrt ,dem ist prinzipiell nicht zu trauen.
10:15
10
Und fallen somit nicht den Sozialkassen auf die Tasche. Mein Verkaufsfahrer macht übrigens den Job schon sehr lange und wirkt nicht im Geringsten
unzufrieden. Und das ist auch gut so.
23:48
Sockenpuppen ist nun unpassend, wenn ich konstant denselben Account nutze, oder?
Und es ist egal, wie @5 es meinte: ALLE Verkaufsfahrer sind normal angestellt und somit nicht selbstständig oder scheinselbstständig.
Und alles andere ist meine persönliche Meinung, ob diese Ihnen nun gefällt oder nicht.
22:41
@5: Du meintest gewiss nicht Kunden, sondern Auftraggeber bzw. Lieferanten und wolltest sagen, dass die Verkaufsfahrer keine Produkte von Wettbewerbern verticken dürfen. Dann passt es.
Und dass die Sockenpuppen, die sich als zufriedene Verkaufsfahrer darstellen (#6, #8) ins gleiche Horn stoßen wie der big boss, ist sowas von vorhersagbar...
22:20
@7 die überteuerten Produkte würde bedeuten, dass Preis/Leistung nicht stimmen und da bin i9ch nunmal überzeugt anderer Meinung als Sie.
Leisten kann sich das jeder, der bereit ist, für Service und vorallem geprüfte Qualität etwas mehr zu bezahlen. Aber da muss nunmal jeder für sich selbst entscheiden, worauf er Wert legt und in welchem Teil seines Lebens er etwas mehr investieren mag. Ich persönlich verzichte lieber auf ein schickes Auto als auf gutes Essen:-.)
21:56
Wer kann sich denn die überteuerten Produkte leisten?
20:24
@#3 und #5
Ihre Aussagen sind einfach falsch und unwahr!!!
Bofrost-Verkäufer sind Angestellte, mit vollem Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, vollen Rentenabgaben und allen anderen Sachen, die dazu gehören. Eventuell verwechseln Sie da die Firma Bofrost nur mit Mitbewerbern aber ich würde Ihnen empfehlen, sich erstens besser zu informieren und 2. den Fehler zu korrigieren.
Ich bin einer von zur zeit ca 3500 angestellten Verkaufsfahrern, schon viele Jahre stolz dabei und gönne Jupp Boquoi jeden Cent!!! Schließlich hat er selbst mit wenig angefangen und mit seiner Idee eine gesunde Firma aufgebaut, in der ich wohl noch viele Jahre Baustein sein werde. Herr Boquoi hat nunmal nie gerne im Rampenlicht gestanden, ist ein Typ wie viele andere auch, hat selbst mit einem kleinen LKW die ersten Haushalte beliefert und dann seinen Traum verwirklicht.
Und zum Thema:
Ich möchte persönlich auch nicht auf einer Liste erscheinen, wo jeder Neider oder Kriminelle mein geschätztes Vermögen einsehen kann. Ich bin halt kein Freund von gepanzerten Limos und Bodyguards. Ich würde mich dann freuen, wenn ich meinen Lebensabend geniessen möchte, dieses frei und unbehelligt tun zu können.
19:34
@4 Das mit den geschaffenen Arbeitsplätzen ist relativ. Jeder Verkaufsfahrer bei Bofrost ist selbstständig, sogar scheinselbstständig. Die Fahrer haben nur einen Kunden, müssen den Urlaub mit dem einzigen Kunden absprechen und genehmigen lassen, sie dürfen nur bei ihrem einezigen Kunden kaufen. Der einzige Kunde ist Bofrost. Somit bezahlt der werte Herr Bofrost für seine fahrer keinerlei Sozialversicherungsabgaben. Insofern hat er tatsächlich eine Lücke ausgenutzt.
19:27
Kann man irgendwie verstehen. Wen interessierts ausser eben diese Schlüssellochgucker oder Kriminelle ? Boqoi hatte eine Idee gut umgesetzt, nebenbei eine Marktlücke geschlossen und dazu noch Arbeitsplätze geschaffen. Das reicht mir an Wissen.