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Blutarmut-Virus legt den Galopprennsport lahm

12.10.2012 | 17:37 Uhr
Blutarmut-Virus legt den Galopprennsport lahm
Sie passieren das Ziel: Andrasch Starke auf Danedream holten sich den Sieg beim Prix de l’Arc de Triomphe 2011 in Paris.Foto: dapd/Michel Spingler

Köln.  Heiko Volz hat die Stute "Danedream" für 9000 Euro gekauft. Eine gute Investition, denn bislang hat sie vier Millionen Euro an Preisgeld gewonnen. Doch momentan steht die Wunderstute Danedream in einem Kölner Stall und darf nicht raus.

Der Wind fegt die Wolken über Köln. Es sind Regenwolken, grau wie Stahlwolle. Die Königin des Galopps sieht davon nichts, sie steht in ihrem Stall auf der Rennbahn im Stadtteil Weidenpesch. Gegen die Kälte ist sie in eine Pferdedecke gehüllt, die blaue und weiße Karos hat. Die vierjährige Stute Danedream kommt aus einem Märchen, sagen die Galopp-Fans. Reduziert man sie allerdings auf nüchterne Zahlen, gelangt man zu einem anderen Schluss: Danedream ist die erstaunlichste Rendite, seit es Galopper gibt.

Heiko Volz hat die Stute vor zwei Jahren für 9000 Euro gekauft. Seitdem hat sie in den größten Rennen der Welt rund vier Millionen Euro an Preisgeldern gewonnen. Es hätten noch ein paar Millionen mehr werden können, doch Danedream darf ihren Stall in Köln drei Monate lang nicht verlassen. Das Veterinärsamt hat eine Quarantäne verhängt, nachdem bei einem Galopper „Ansteckende Blutarmut bei Einhufern“ festgestellt wurde. Neben Danedream hängen 291 weitere Vollblüter in ihren Boxen fest.

Keine Rennen mehr in Köln - "Katastrophe"

Renn-Absagen
Bahnen vor dem Aus

Das Veterinärsamt hat alle 292 Galopper auf der Rennbahn in Köln auf den Virus der ansteckenden Blutarmut getestet: Alle Proben waren negativ, trotzdem müssen die Pferde drei Monate in Quarantäne bleiben. Grund: Der Krankheitserreger kann sich tarnen und erst in mehreren Wochen aufbrechen. Der Rennbahn-Betrieb in Weidenpesch ist damit für dieses Jahr erledigt.

Glück im Unglück für die Kölner: Die Quarantäne fällt zum großen Teil in die Winterpause, die zwei Oktober-Renntage wurde aus dem Programm gestrichen, die Existenz ist nicht gefährdet.

Anderen Rennbahnen in Deutschland geht es schlechter. Zum Beispiel Bremen. Nach 155 Jahren droht der Bahn das Aus. Der Senat ist nicht mehr bereit, die Schulden zu übernehmen. Andreas Jacobs, Besitzer des Gestüts Fährhof, sieht schwarz: „Die Hälfte der deutschen Rennvereine steht finanziell vor dem Aus.“

Dem Galoppsport geht es nicht gut, und dann das. In Köln gibt es in diesem Jahr keine Rennen mehr. Auf der Rennbahn macht das Wort „Katastrophe“ die Runde. Filip Minarik, der Champions-Jockey mit den 1000 Siegen, hat seine Tasche gepackt und ist in Urlaub gefahren. Es ist unbezahlter Urlaub.

Die Wolken am Himmel werden immer düsterer, die ersten Regentropfen fallen. Zeit für die Geschichte der Galopp-Königin aus dem Märchen.

Sie beginnt vor zwei Jahren. Während auf der Rennbahn in Baden-Baden die Frühjahrsauktion läuft, führt Heiko Volz ein paar Kilometer weiter südlich in seinem Möbelhaus im Städtchen Achern ein Verkaufsgespräch mit Kunden. Sein Telefon klingelt, und ein Agent macht ihm ein Angebot: Es sei ein Pferd, das keiner haben wolle, für 9000 Euro zu kaufen. Ein nettes Pferd. Volz fragt seinen Vater. „Zahlst du die Hälfte?“ Der Vater nickt, und Volz kauft das Pferd. Es heißt Danedream.
Die Stute läuft ein erstes Rennen im elsässischen Wissembourg und gewinnt. Ihre Klasse wird nach und nach sichtbar. Volz hat eine Idee: Er meldet Dane­dream beim Prix de l’Arc de Triomphe 2011 in Paris nach. Die Galopp-Experten schütteln ihre Köpfe, allein die Startgebühr liegt bei 100 000 Euro. Die schnellsten Hengste aus aller Welt sind am Start, doch unter Jockey Andrasch Starke läuft Danedream ein Rennen von der Leichtigkeit und Süße von Zuckerwatte. Sie gewinnt: das wichtigste Rennen Europas und 2,3 Millionen Euro.

Der Glückwunsch der Queen

Volz jubelt und ist zugleich sprachlos. Was sein Pferd so besonders macht? Volz überlegt, dann meint er: „Sie scheint einen Gang mehr als die anderen zu haben.“ 2011 startet Danedream in Ascot und gewinnt auch das „King George VI., and Queen Elizabeth Stakes“. Die Queen überreicht Volz den Goldenen Teller. Die Millionen-Prämie wird aufs Konto überwiesen.

Die Pferdehändler aus aller Welt melden sich im Möbelhaus. Volz verkauft die Hälfte von Danedream für 1,5 Millionen Euro an einen japanischen Züchter. Die Stute soll vor der Zucht noch ihren Titel von Paris verteidigen und den Japan-Cup in Tokio gewinnen.

Doch Volz musste die Meldungen streichen. Danedream darf Weidenpesch nicht verlassen, weil in der Nachbar-Box ein Pferd krank wurde. „Märchen“, hat er gesagt, „Märchen gehen eigentlich anders aus.“ Aber er hat schon wieder zwei neue Stuten gekauft . . .

Ralf Birkhan



Kommentare
15.10.2012
12:39
Blutarmut-Virus legt den Galopprennsport lahm
von donjose | #1

Wenn die Tierquälerei durch den Virus zu Ende geht, und die Rennbahnen für immer geschlossen werden, hat er sogar noch etwas Gutes bewirkt.

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